Serie La Zona - Leben im atomaren Sperrgebiet

Von Karsten Umlauf

Eine Atomkatastrophe ist die Ausgangslage der spanischen Serie „La Zona - Do not cross“, einer Koproduktion von ZDF Neo und dem spanischen Sender Movistar. Drei Jahre nach einem Reaktorunfall an der nordspanischen Küste versucht die Regierung erste Bewohner wieder anzusiedeln. Doch in „La Zona" geschehen seltsame Dinge. Alle acht Folgen ab 1.6. in der ZDF Mediathek, ZDFneo zeigt jeden Samstag zwei Folgen.

Kontaminiertes Land

Ein ruhig mäandernder Fluss unter einer beschaulichen Eisenbahnbrücke, dichter Laubwald links und rechts. Die nordspanische Landschaft könnte so idyllisch sein, aber es ist kontaminiertes Land, militärisches Sperrgebiet, streng bewacht von Männern mit Schutzanzügen und Atemmasken.

ZDFneo ab 1.6. La Zona von Jorge Sánchez-Cabezudo

(Álvaro Cervantes) und Hector Uría (Eduard Fernández) bringen die Richterin Noriega (Imma Nieto) und den Gerichtsmediziner Ramón (Felix Arkarazo) auf den neuesten Stand. (Foto: ZDF und EMILIO PEREDA. - ZDF und EMILIO PEREDA.)
Drei Jahre nach einer Reaktorkatastrophe ist der Norden Spaniens von Normalität weit entfernt. Spezialkommandos dekontaminieren eine kilometerweite, menschenleere Zone. Zwar werden erste Rückkehrer in nicht allzu weiter Entfernung zur Sperrzone wieder angesiedelt, doch das Gros der Bevölkerung hat eine neue Bleibe in Wohnsilos am Rand der Großstadt Gijón gefunden. Martin Garrido (Álvaro Cervantes) und Hector Uría (Eduard Fernández) bringen die Richterin Noriega (Imma Nieto) und den Gerichtsmediziner Ramón (Felix Arkarazo) auf den neuesten Stand. ZDF und EMILIO PEREDA. - ZDF und EMILIO PEREDA. Bild in Detailansicht öffnen
Hector Uría (Eduard Fernández) wird mit seinem Kollegen Martín in die Sperrzone der Reaktorkatastrophe gerufen. ZDF und EMILIO PEREDA. - ZDF und EMILIO PEREDA. Bild in Detailansicht öffnen
Ein Einsatzkommando unter der Leitung von Martín (Álvaro Cervantes, r.) hat die Schmugglerin Zoe (Alba Galocha, M.) festgenommen, doch die Gefahr scheint noch nicht gebannt. ZDF und EMILIO PEREDA. - ZDF und EMILIO PEREDA. Bild in Detailansicht öffnen
Die junge Frau war mit ihrem Onkel Esteban verabredet, doch ihr und den Polizisten bietet sich ein Bild des Grauens: Wölfe umkreisen Estebans verstümmelten Leichnam. ZDF und EMILIO PEREDA. - ZDF und EMILIO PEREDA. Bild in Detailansicht öffnen
Der Ermittler Hector Uría (Eduard Fernández, li.) gilt als Held, seit er nach der Katastrophe an vorderster Front im Einsatz war, aber keinerlei sichtbare Schäden davongetragen hat. Die Trauer um seinen damals getöteten Sohn Fede ließ jedoch seine Ehe zerbrechen. ZDF und EMILIO PEREDA. - ZDF und EMILIO PEREDA. Bild in Detailansicht öffnen
Der Arzt Ricardo (Tamar Novas) kontrolliert die Strahlenbelastung und überwacht die Gesundheitsdaten der Spezialkommandos in der Sperrzone. ZDF und EMILIO PEREDA. - ZDF und EMILIO PEREDA. Bild in Detailansicht öffnen
Zusammen mit seiner Kollegin Julia (Alexandra Jiménez) besucht Ricardo Tomas und Luisa, ein altes Ehepaar, das sich in sein Heimatdorf zurückgewagt hat. Die beiden scheren sich wenig um Vorsichtsmaßnahmen, zu sehr freuen sie sich über die Rückkehr in die vertraute Umgebung. ZDF und EMILIO PEREDA. - ZDF und EMILIO PEREDA. Bild in Detailansicht öffnen

Reger Schmuggelhandel in der Zone

Dennoch versuchen Schmuggler wie die junge Zoe immer wieder die Wachen zu umgehen, um Waren aus der sogenannten „Zone“ zu bringen.

Als die Polizisten sie verfolgen, treffen sie in einer alten Lagerhalle auf Wölfe und finden Zoes Onkel Esteban tot, kopfüber von der Decke baumelnd.

Serie zwischen Horrorfilm, Krimi und Ökothriller

Es ist ein starker, schockierender Beginn für eine Serie, die fortan zwischen Horrorfilm, Krimi und Ökothriller pendelt und in dieser Mischung ziemlich einzigartig dasteht in der Fernsehlandschaft.

Da ist auf der einen Seite die Regierung, die die meisten Menschen in einer Art Trabantenstadt Containersiedlung in Gijon untergebracht hat und nun versucht, zumindest ein paar Flecken am Rand der Zone wieder bewohnbar zu machen.

Hector Uría (Eduard Fernández) holt die Vergangenheit wieder ein. Hector wird mit seinem Kollegen Martín in die Sperrzone der Reaktorkatastrophe gerufen. Das Einsatzkommando stellte dort zuvor eine ju (Foto: ZDF und EMILIO PEREDA. - ZDF und EMILIO PEREDA.)
Der Ermittler Hector Uría (Eduard Fernández) gilt als Held, seit er nach der Katastrophe an vorderster Front im Einsatz war, aber keinerlei sichtbare Schäden davongetragen hat. ZDF und EMILIO PEREDA. - ZDF und EMILIO PEREDA.

Leben mit der Radioaktivität 

Auf der anderen Seite stehen Menschen wie die Ärztin Julia, die mehr und mehr realisiert, wie Menschen die unsichtbare Gefahr der Radioaktivität ausblenden, um ihren Alltag leben zu können.

Oder der Kommissar Hektor, der bei dem Reaktorunfall seinen Sohn verloren hat, als einer der ersten Helfer vor Ort aber auch sein Leben riskierte und nun für viele ein Held ist. Er selbst ist aber abhängig von Schmerzmitteln und scheint seinen Platz im Leben verloren zu haben.

Serie mit starker Sogwirkung

Um Glaubhaftigkeit bis ins Detail oder raffinierte Figurenzeichnung geht es nicht in der Serie „La Zona“. Dennoch entwickelt sie im Lauf der Zeit einen immer stärkeren Sog, weil für den Zuschauer hinter der Folie einer mysteriösen Mordserie in der „Zone“ eine zugleich faszinierende und bestürzende Versuchsanordnung steht.

Welcher Atomunfall sich genau zugetragen hat, erfährt man lange nicht. Die Serie lenkt die Aufmerksamkeit auf andere Fragen: Kann man sich nach einer solchen Katastrophe eine Art „Normalisierung“ überhaupt vorstellen?

Der Arzt Ricardo (Tamar Novas) kontrolliert die Strahlenbelastung. (Foto: ZDF und EMILIO PEREDA. - ZDF und EMILIO PEREDA.)
Der Arzt Ricardo (Tamar Novas) kontrolliert die Strahlenbelastung. ZDF und EMILIO PEREDA. - ZDF und EMILIO PEREDA.

Die Sperrzone als rechtsfreier Raum

Wie orientieren sich Menschen um diese Sperrzone als einem rechtsfreien Raum, der Desperados und Schwerverbrecher anzieht, der aber auch ganzen Ortschaften Arbeit gibt, weil von hier aus die sogenannten Liquidatoren mit ihren Geigerzählern ausziehen, um das Gelände zu dekontaminieren. Und wie sorgt man im Gefühl, sich ständig an einem Abgrund entlang zu bewegen, für Recht und Ordnung?

Zwischen Fiktion und spanischer Realität

Die Serie dürfte nicht nur als fiktive Dystopie zu verstehen sein, sondern auch als Ausdruck eines spanischen Generationengefühls: Vorstadttristesse, Arbeitslosigkeit, keine Aussicht auf Besserung und vom Rest der Welt ziemlich abgehängt. Von einer strahlenden Zukunft möchte man in dem Zusammenhang wirklich nicht reden.

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