25. Internationales Trickfilmfestival in Stuttgart Stuttgart leuchtet beim Trickfilm-Festival

Am 27.4.2018 von Andreas Langen

Vom 24. bis 29. April 2018 strahlte jeden Abend eine riesige Leinwand auf dem Schlossplatz, tausende Zuschauer blickten gebannt auf die flackernde Fläche. Es war wieder Trickfilmfestival, Zeit für Stories aus aller Herren Länder. Das größte Internationale Trickfilmfestival lockt immer mehr Besucher an, die die neuesten Kniffe und Ideen aus der Welt der Animation entdecken wollten.

In einer guten Stunde acht bis zehn Filme schauen

In den Innenstadt-Kinos laufen die Wettbewerbe. Die Auswahl ist immens, aber: Keine Panik! Man kann sich quasi jede beliebige Vorführung anschauen, abwechslungsreiche Unterhaltung garantiert.

In einer guten Stunde sind acht bis zehn Filme zu sehen, einer völlig anders als der andere. Figürliche Zeichnungen wie aus Comics, aalglatte Computeranimation, zappelige Puppen, abstrakte Formensprache – jede Geschichte kann hier jede Form annehmen.

Stuttgart leuchtet beim Trickfilm-Festival

Besucher am Festival Garden auf dem Schlossplatz (Foto: SWR, © die arge lola, Kai Loges + Andreas Langen - Andreas Langen)
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Festival Garden auf dem Schlossplatz © die arge lola, Kai Loges + Andreas Langen - Andreas Langen Bild in Detailansicht öffnen
Festival Garden auf dem Schlossplatz © die arge lola, Kai Loges + Andreas Langen - Andreas Langen Bild in Detailansicht öffnen
GameZone Pavillon „Lichtwolke“ © die arge lola, Kai Loges + Andreas Langen - Andreas Langen Bild in Detailansicht öffnen
GameZone Pavillon „Lichtwolke“ © die arge lola, Kai Loges + Andreas Langen - Andreas Langen Bild in Detailansicht öffnen
FMX, Fachkonferenz über Animation und Trickfilm, im Haus der Wirtschaft © die arge lola, Kai Loges + Andreas Langen - Andreas Langen Bild in Detailansicht öffnen
FMX, Fachkonferenz über Animation und Trickfilm, im Haus der Wirtschaft © die arge lola, Kai Loges + Andreas Langen - Andreas Langen Bild in Detailansicht öffnen
FMX, Fachkonferenz über Animation und Trickfilm, im Haus der Wirtschaft © die arge lola, Kai Loges + Andreas Langen - Andreas Langen Bild in Detailansicht öffnen
William Joyce, Oscar-Gewinner (The Fantastic Flying Books of Mr. Morris Lessmore), Co-Autor von „Toy Story“, Zeichner, Kinderbuch-Autor, Regisseur © die arge lola, Kai Loges + Andreas Langen - Andreas Langen Bild in Detailansicht öffnen
Podiumsdiskussion mit William Joyce, Oscar-Gewinner (The Fantastic Flying Books of Mr. Morris Lessmore), Co-Autor von „Toy Story“, Zeichner, Kinderbuch-Autor, Regisseur © die arge lola, Kai Loges + Andreas Langen - Andreas Langen Bild in Detailansicht öffnen
Game Zone im Pavillon „Lichtwolke“, Kinderbetreuung mit ausgewählten Games © die arge lola, Kai Loges + Andreas Langen - Andreas Langen Bild in Detailansicht öffnen
Game Zone, hier das VR (Virtual Reality)-Spiel „Nothing Happens“ von Michelle Kranot; im Kunstmuseum © die arge lola, Kai Loges + Andreas Langen - Andreas Langen Bild in Detailansicht öffnen
Eingang zum Festival Garden auf dem Schlossplatz © die arge lola, Kai Loges + Andreas Langen - Andreas Langen Bild in Detailansicht öffnen
Festival Garden auf dem Schlossplatz © die arge lola, Kai Loges + Andreas Langen - Andreas Langen Bild in Detailansicht öffnen
Festival Garden auf dem Schlossplatz © die arge lola, Kai Loges + Andreas Langen - Andreas Langen Bild in Detailansicht öffnen

Oscar-Gewinner William Joyce: Große Freiheit

Diese absolute Freiheit des Erzählens ist die Besonderheit des Mediums, findet auch der große Trickfilm-Macher und Oscar-Gewinner William Joyce: "Animationsfilme sind die reinste Form von Kino, denn sie starten mit nichts. Alles, was sie haben, ist die leere Leinwand.

Im Realfilm castet man die passenden Schauspieler; im Trickfilm muss man die Stars erfinden, aus einer Kritzelei. Daher ist Trickfilm eine Art Essenz des Kinos."

William Joyce, Oscar-Gewinner (Foto: SWR, © die arge lola, Kai Loges + Andreas Langen - Andreas Langen)
William Joyce, Oscar-Gewinner (The Fantastic Flying Books of Mr. Morris Lessmore), Co-Autor von „Toy Story“, Zeichner, Kinderbuch-Autor, Regisseur © die arge lola, Kai Loges + Andreas Langen - Andreas Langen

Hauptsache, es kracht

William Joyce ist eine lebende Legende. Er kreierte einige Hauptfiguren von „Toy Story“, dem ersten komplett computeranimierten Kinospielfilm. Internationale Branchengrößen wie Joyce kommen während des Trickfilmfestivals zur Fachkonferenz FMX ins Stuttgarter Haus der Wirtschaft.

Die Publikumsmagneten dort sind, genau wie an der Kinokasse, die Blockbuster mit den knalligsten Effekten: Kämpfe aller Art, Hauptsache es kracht.

"Versuche nicht, den Mörder deines Vaters zu finden"

Joyce, ursprünglich Kinderbuchautor, kennt die Attraktion des Desasters. "Es ist die Basis aller Dramen. Viele dieser Geschichten sind Lehrstücke. Sie sagen: Lass die Monster ruhen, oder: Versuche nicht, den Mörder deines Vaters zu finden, wenn du Hamlet bist. Es gibt immer eine existentielle Frage dahinter, etwas, das eine Antwort verlangt."

Der Abschlussfilm der iranischen Trickfilmerin Shadi Adib

Verkrüppelte Mischwesen wie von einem Atari der 80er

Zum Glück wird die Frage „Was siehst du“ nicht immer so pathetisch gestellt wie in „Star Wars“, dessen Macher ihre kunstvollsten Explosionen bei der FMX vorstellen.

„Lass die Vergangenheit sterben - töte sie, wenn es sein muss“, empfehlen die Sternenkrieger in ihrem Trailer, aber der junge Mainzer Animationsfilmer Nikita Diakur hätte da noch eine andere Idee. Sein Film mit dem vielsagenden Titel „Ugly“ sieht aus, als hätte ein minderbemittelter Computerfan der späten 80er auf seinem Atari ein paar verkrüppelte Mischwesen zusammengebastelt.

Überlebenskampf in einer pixeligen Endzeit

Die armen Dinger müssen sich in einer pixeligen Endzeit-Welt durchschlagen, gehetzt von Hunden, Mopeds und anderen Bösewichten – ein lässiger Spott auf den Explosions-Fetischismus moderner Blockbuster.

William Joyce: „Diese Riesenfilme nehmen dem Kino den Atem. Ich sorge mich, dass diese großen Produktionen kleineren Filme den Platz wegnehmen. Die Kleinen werden höchstens noch gestreamt, was ich für ein Verbrechen halte.“

Sein Ratschlag für die Zukunft des Trickfilms: „Nenn es nicht Kino, wenn es Fernsehen ist! Und füge der Sache keinen Schaden zu, mit der alles anfing: dem Kino. Kinofilme sind dafür gemacht, dass man sie im Filmtheater anschaut, zusammen mit anderen.“

"Kunscht!" über das Internationale Trickfilmfestival

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