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Kann man dem Thema Sterbehilfe auch komische Seiten abgewinnen? In der SWR-Tragikomödie „Now or Never“ begibt sich eine junge Frau mit ihrem Sterbehelfer auf einen Roadtrip in die Alpen und begegnet dabei unter anderem Elvis Presley. Im Film spielt die Frage, ob es unter bestimmten Umständen in Ordnung ist, selbstbestimmt mit Medikamenten aus dem Leben zu scheiden, kaum eine Rolle. Das ist gut so.

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Praktisch sterben mit Eternitas

Das Sterbehilfeinstitut Eternitas steht direkt an der deutsch-schweizerischen Grenze. Oder besser: Es steht direkt auf dieser Grenze. Formalien in Deutschland erledigen, sterben in der Schweiz, praktischerweise geht das hier alles in einem Raum.

Film „Now or never“ von Gerd Schneider

Filmstill: Now or Never von Gerd Schneider (Foto: ard-foto s1, SWR / un attimo)
Henry (Michael Pink) arbeitet als Sterbehelfer. Weil er aber meist verkatert und übellaunig ist und seine Fürsorge hinter einer harten Schale versteckt, ist er in seinem Job eine Zumutung. ard-foto s1 SWR / un attimo Bild in Detailansicht öffnen
Seine neueste Klientin Rebecca (Tinka Fürst) ist jung und provozierend. Sie ist an einem Gehirntumor erkrankt und hat für ihren letzten Abend einen ganz besonderen Wunsch. ard-foto s1 SWR / un attimo Bild in Detailansicht öffnen
Henry soll als ihr Sterbebegleiter mit zu einer wilden Feier kommen, bei der Rebecca es noch einmal richtig krachen lassen möchte. ard-foto s1 SWR / un attimo Bild in Detailansicht öffnen
Am nächsten Morgen folgt dann der Schock: Rebecca möchte nicht sterben. Stattdessen will sie sich von einem Wunderheiler in den Bergen behandeln lassen. ard-foto s1 SWR / un attimo Bild in Detailansicht öffnen
Henry protestiert und versucht Rebecca den Plan auszureden, doch schließlich knickt er ein und brennt mit ihr durch. ard-foto s1 SWR / un attimo Bild in Detailansicht öffnen
Verfolgt werden die beiden von Henrys Kollegen Benno (Johannes Allmayer) und Rebeccas Mann Daniel (Sebastian Jehkul), von dem sie Henry zu allem Elend nichts erzählt hat. ard-foto s1 SWR / un attimo Bild in Detailansicht öffnen
Je länger sie unterwegs sind, desto mehr zeigt sich: Henry und Rebecca sind beide getrieben davon, etwas nachzuholen, was sich nicht nachholen lässt. ard-foto s1 SWR / un attimo Bild in Detailansicht öffnen

Party am letzten Lebensabend

Ein Unterhaltungsfilm zum Thema Sterbehilfe, geht das? Henry lernt seinen neuesten „Fall“ kennen. Der jungen Rebecca sieht man ihren schweren Hirntumor erstmal nicht an. Sie will an ihrem letzten Lebensabend in der Schweiz noch einmal einen draufmachen. Eine glaubwürdige Antwort, warum sie sich dafür ausgerechnet diesen Sterbehelfer aussucht, bleibt der Film schuldig.

Humorvolles Roadmovie zum Wunderheiler

Was sich dann aber zwischen dem scheinbar notorischen Miesepeter und der eigentlich ziemlich lebenslustigen Frau entspinnt, wird trotzdem zu einem interessanten, manchmal sogar richtig lustigen Roadmovie.

Sie überredet ihn nämlich, doch noch zu einem ominösen Wunderheiler in die Schweizer Alpen zu fahren. Als sie in der Situation gerade von einer ganzen Gruppe von Elvis-Imitatoren in breiten amerikanischen Schlitten überholt werden, hat der Tod zumindest für einen kurzen Augenblick seinen Schrecken verloren und der Film ein paar Charme-Punkte gesammelt.

Die größte Lebenskunst ist das Loslassen

„Now or never“ – „jetzt oder nie “ heißt der Film, der diese Rock’n’Roll-Attitüde aber ziemlich schnell in Frage. Aus einer zufälligen Zwangsgemeinschaft wird ein Paar, das sich der Aufgabe stellt, mit dem eigenen Leben ins Reine zu kommen.

Während Henry immer noch seiner vor Jahren verstorbenen Frau nachtrauert, verausgabt sich Rebecca im Moment. Je mehr sich die beiden annähern, desto mehr verabschiedet sich der Film vom oberflächlichen Witz und vermittelt stattdessen die Botschaft, dass die größte Lebenskunst vielleicht darin besteht, loszulassen; Angst und Schmerz zu teilen und dadurch zu einer Form von innerer Ruhe zu kommen.

Kein Suizid-Feelgood-Movie

Das Sterben scheint inmitten der Panoramabilder der Alpen zwar zu schön, um wahr zu sein. Doch dank Regisseur Gerd Schneider und den guten Schauspieler*innen Tinka Fürst und Michael Pink ist „Now or Never“ weder ein betroffen machender Themenfilm zur Sterbehilfe Noch ein Feelgood-Movie zum Thema Suizid geworden.

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