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Die 14-jährige Claire verbringt die Ferien mit ihrer Mutter und ihrer älteren Schwester in einem spanischen Ferienresort. Zwischen Animateuren und Sonnenbaden am Strand lernt sie den Strandverkäufer Amram kennen, der aus dem Senegal stammt. Dies ist der Beginn einer komplizierten Beziehung zwischen Freundschaft und Abhängigkeit.

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Gleißendes Sonnenlicht und sattes Meeresblau

Eine Mutter macht mit ihren zwei Töchtern Urlaub ganz im Süden von Spanien, die Küste Marokkos kann man an klaren Tagen sehen. Während die Mutter und die ältere Tochter bald dem Charme der Strandcasanovas verfallen, driftet die Jüngere, Claire, zunächst verloren durch die Gegend. Sie wird die Hauptfigur des Films werden: Ein verlorenes Mädchen, sich selbst überlassen im Moment zwischen Kindsein und Erwachsenwerden.

Film „Sunburned“ von Carolina Hellsgård

Filmstills "Sunburned" von Carolina Hellsgard (Foto: Pressestelle, Camino Filmverleih)
Die 13-jährige Claire (Zita Gaier) verbringt die Ferien mit ihrer älteren Schwester Zoé und ihrer Mutter Sophie in Andalusien. Pressestelle Camino Filmverleih Bild in Detailansicht öffnen
Doch Sophie will von ihren Töchtern nicht viel wissen und möchte lieber am Meer entspannen. Pressestelle Camino Filmverleih Bild in Detailansicht öffnen
Und auch die 15-jährige Zoé (Nicolais Borger) lässt Sophie hängen, als sie sich in einen gleichaltrigen Jungen verliebt. Pressestelle Camino Filmverleih Bild in Detailansicht öffnen
Sophie ist auf sich allein gestellt, bis sie am Strand Amram kennenlernt. Pressestelle Camino Filmverleih Bild in Detailansicht öffnen
Amram (Gedion Oduor Wekesa) kommt aus dem Senegal und verkauft am Strand Souvenirs an Tourist*innen. Pressestelle Camino Filmverleih Bild in Detailansicht öffnen
Amram kämpft mit allen Mitteln um das Überleben und die Unterschiede zwischen den beiden Gleichaltrigen könnten nicht größer sein. Pressestelle Camino Filmverleih Bild in Detailansicht öffnen
Claire möchte Amram helfen, doch macht dadurch unabsichtlich seine verzweifelte Situation noch aussichtsloser. Pressestelle Camino Filmverleih Bild in Detailansicht öffnen

Tourismus und Flucht

Die Berliner Regisseurin Carolina Hellsgård kombiniert eigene Kindheitserfahrungen mit einem frischen Blick auf scheinbar Bekanntes und erzählt von zwei Parallelwelten: Tourismus und Flucht. Mit Neugier und großem Einfühlungsvermögen erkundet Hellsgård die Teenagerwelten zwischen Discos mit bunten Mixgetränken, Lügen, Träumen und Langeweile.

„Little Girl Lost“ trifft Strandverkäufer aus Afrika

Dann lernt das „Little Girl Lost“ einen gleichaltrigen Strandverkäufer kennen, der es aus Afrika nach Spanien geschafft hat, und nun ähnlich verloren wie sie Träume träumt, die sich nicht erfüllen. Beide erkennen sich als seelenverwandte Außenseiter*innen, sie freunden sich an, könnten ein Paar werden, doch am Ende überwiegt die Erfahrung, dass hier zwei Welten sich nicht berühren können — und dass, wer der Sonne zu nahe kommt, sich verbrennt.

Keine kitschige Flüchtlingsgeschichte

Aber dies ist keine Flüchtlingsgeschichte. „Sunburned“ erzählt von uns und unserem Verhältnis zu den Flüchtigen. Die Regisseurin vermeidet bequeme politische Schlichtheiten und gefällige moralische Thesen. Amram, der ums Überleben kämpfende Flüchtling, ist weder einer der unser Mitleid herausfordert, noch ist er durchweg sympathisch. Viel mehr wirkt er vor allem rätselhaft.

Hellsgård verzichtet auch sonst auf Klisches, wie Erinnerungsrückblende an Flucht oder schreckliche Kriegsgreuel, oder auf die inzwischen zu viel gesehenen immergleichen Bilder von im Meer treibenden Flüchtlingsbooten. Sie zeigt diesen Knaben vielmehr als normalen Heranwachsenden.

„Sunburned“ stellt große Fragen

Claire steht für ihre ganze Generation: Gerade durch die ganzen Verlockungen und durch die medialen Welten um sie herum fühlt sie sich überfordert und einsam. Hinzu kommt, dass die Mutter sich nicht erkennbar für sie interessiert, sondern eher selbst unreif, vergnügungssüchtig und egoistisch wirkt. „Sunburned“ erzählt lakonisch, mit oft beiläufigen Verweisen und ebensolchem beiläufigen Witz, und stellt große Fragen. Das ist schon mehr, als den meisten gelingt.

Serie Filmische Corona-Tagebücher – „Homemade“ auf Netflix

Corona hat die Filmbranche über Monate zum Erliegen gebracht. Der chilenische Regisseur Pablo Larrain wollte diese Zwangsauszeit nicht hinnehmen und hat namhafte Kolleg*innen eingeladen, zu Hause Kurzfilme zu drehen. Entstanden sind 17 persönliche Geschichten in den eigenen vier Wänden. Ab 30. Juni sind diese filmischen Corona-Tagebücher aus aller Welt unter dem Titel „Homemade“ auf Netflix zu sehen.  mehr...

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Gespräch Start der ersten Online-Ausgabe des SWR Doku-Festivals

„Wir können ein bisschen aus der Not eine Tugend machen“, sagt die Leiterin des SWR Doku-Festivals Irene Klünder über die diesjährige Online-Ausgabe des Festivals. Was manchmal bei Festivals zu kurz komme, nämlich, dass das Publikum die Filmemacher*innen zu Gesicht bekomme, sei nun besser möglich. Alle nominierten Regisseurinnen und Regisseure werden in Interviews vorgestellt. Außerdem könne man 24 Stunden Filme schauen. Eminent politische Filme wie den beindruckenden Film des syrischen Filmemachers Feras Fayyad „The Cave – Eine Klinik im Untergrund“, der Ärzt*innen in Syrien zeigt, die ihre Patienten wegen anhaltender Bombenangriffe in einer Klinik unter der Erde behandeln müssen. Gleichzeitig komme man beim SWR Doku-Festival auch in Welten, von denen man bisher nichts wusste, wie in dem Film „Lost in Face. Der Neurologe und Filmemacher Valentin Riedl hat eine Künstlerin begleitet, die an einer seltenen Krankheit leidet und deswegen keine Gesichter erkennen kann. Sie macht sich auf die Spurensuch und versucht, ihr eigenes Gesicht zu ergründen. Ein Film, der eine neue Welt eröffne und vor allem Respekt vor seiner Protagonistin habe, sagt Irene Klünder.

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TV-Serie TV-Serie "Eden" zeigt Flüchtlingsschicksale in Europa

Die TV-Serie „Eden“ beschäftigt sich mit dem europäischen Reizthema schlechthin: der Flüchtlingsthematik. Zwischen Brüssel, Athen oder Mannheim versuchen die einen zu helfen, andere wollen möglichst viel Geld verdienen.  mehr...

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