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„Titane“ von Cannes-Gewinnerin Julia Ducournau: Verstörend-faszinierendes Kino

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AUTOR/IN
Rüdiger Suchsland

„Titane“ von Julia Ducournau nimmt sein Publikum mit auf eine von Anfang an rasante, anstrengende, emotionale Reise. Es geht um eine Serienmörderin, mit der man Mitleid hat. Ein böses Kind wächst zu einer Frau heran, die hat Sex mit einer Stretch-Limousine und wird darauf schwanger. Der Film gewann die Goldene Palme 2021 in Cannes. Kinostart am 7. Oktober 2021.

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Zuhause in der trashigen Welt der Autoshows

Ein junges Mädchen – Alex – hat einen schweren Autounfall. Von nun an lebt sie mit einer Metallplatte im Kopf und einer hässlichen Narbe über dem rechten Ohr. Als junge Erwachsene ist sie ein Outsider. In ihrem Leben ist sie Teil der trashigen Welt der Autoshows, die von Ölgeruch durchzogen ist, in der Schweiß und Muskeln, leicht bekleidete Frauen und stiernackige Männer dominieren.

Filmstill (Foto: Koch Films)
Halb Mensch, halb Maschine: Nach einem Unfall bekommt die junge Alexia eine Titanplatte in den Kopf implantiert – mit ungeahnten Folgen. Koch Films Bild in Detailansicht öffnen
Als erwachsense Frau treibt sich Alexia (Agathe Rousselle) am liebsten in Untergrund-Clubs der Autotuner-Szene herum. Koch Films Bild in Detailansicht öffnen
Verbrannte Erde: Alexia (Agathe Rousselle) löst ihre Probleme mit jeder Menge Benzin und Feuer. Koch Films Bild in Detailansicht öffnen
Den Männern widersteht Alex (Agathe Rousselle), Metall erotisiert sie. Eines Tages hat Alex dann Sex in und mit einer Stretch-Limousine. Koch Films Bild in Detailansicht öffnen

Sex mit einer Stretch-Limousine

Den Männern widersteht Alex, Metall erotisiert sie; alles hier ist zum Fetisch verklärtes Objekt. Eines Tages hat Alex dann Sex in und mit einer Stretch-Limousine. Man kann das wörtlich nehmen und einfach glauben, man kann es für einen Tagtraum halten, für Phantasie oder Epiphanie. Jedenfalls ist Alex bald darauf schwanger, und zu ihren bisherigen Körpersäften kommt ein neuer hinzu: dickflüssiges, schwarzes Öl.

Goldene Palme für wilden, rebellischen Film

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Film Gelungene Abschiebungs- Komödie: „Toubab“ mit Farba Dieng

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Film „Baghdad in My Shadow“ von Samir: Mosaik der Emigration

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