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„The Power of the Dog": Sozialstudie im Western-Gewand von Jane Campion

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1925, zwei Brüder, die unterschiedlicher nicht sein könnten, leiten gemeinsam eine Farm in Montana. Während Phil mit Strenge und Härte auf der Farm anpackt, will sich George der Kontrolle seines Bruders entziehen. Die Heirat mit der Witwe Rose könnte sein Ausweg aus seinem bisherigen Leben sein. Regisseurin Jane Campion hat ihren ersten Film seit 12 Jahren gedreht und zeigt eine überraschende Sozialstudie des Middle-West-Amerika im Western-Gewand.

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Ein früher Nerd

Der Ich-Erzähler dieser Geschichte ist ein junger Mann, Peter. Seine Mutter Rose ist eine Frau in einer Männerwelt. Ihr Mann hat sich umgebracht, der halbwüchsige Sohn ist in sich zurückgezogen. Heute würde man ihn einen "Nerd" nennen, er ist ein Schwächling, einer der in diese Welt nicht hineinpasst.

Filmstill (Foto: Netflix)
Peter (Kodi Smit-Mcphee) ist sensibel, weich, sogar feminisiert, ein Stubenhocker, der mit der Natur wenig und dem Leben der Cowboys gar nichts anfangen kann. Netflix

Ungleiche Brüder: Zorn, Neid und verkappte Homosexualität

Zunächst aber geht es um etwas vollkommen anderes: Philip und George sind zwei ungleiche Brüder. Sie betreiben zusammen eine große Rinderfarm mit vielen Angestellten. Sie sind reich. Aber das und ihre Kindheit ist alles, was sie gemeinsam haben.

Als der eine Bruder, George die einsame Witwe Rose heiratet, kann der andere, Philip, Zorn, Neid und seine verkappte Homosexualität immer weniger zügeln - so entspinnt sich ein episches Drama voller Destruktivität, bei dem allein die herrlichen Landschaftsbilder Montanas für ungebrochene Schönheit sorgen.

Filmstill (Foto: Netflix)
Nach der Heirat wird Rose (Kirsten Dust) von ihrem Schwager Philip mit fast sadistischem Vergnügen gequält, Rose verliert sich im Alkohol. Netflix

Gelungenes Psycho-Drama

Dieser neueste Film der bekannten feministisch engagierten Neuseeländerin Jane Campion ist eine Vivisektion von Männlichkeit. Und eine für diese Regisseurin überraschende Sozialstudie des Middle-West-Amerika, der reichen Farmer und ihrer armen Lakaien.

Filmstill (Foto: Netflix)
Der strenge, harte Philip (Benedict Cumberbatch) wird zum Ersatzvater für den sanften Peter, der ihm all diese klassisch männlichen Dinge beibringt: Reiten, Jagen, Campen in den Bergen. Netflix

Familie ist auch in diesem gelungenen Psycho-Drama wieder ein Terrorzusammenhang. So schön und großzügig das riesige Holzhaus der Ranch mit seinen langgezogenen Treppen aussieht, trägt doch jeder in diesem Geisterhaus einen tiefen Schmerz im Herzen. Und jeder hat seine Geheimkammern, um überhaupt überleben zu können.

Trailer „The Power of the Dog“ von Jane Campion

Film „Promising Young Woman“: Carey Mulligan auf Rachefeldzug

Dieser Film ist die schwarzdüstere, erwachsene Version einer „Romantic Comedy“. Carey Mulligan lockt als Cassandra wildfremde Männer in eine Honigfalle, um sich an ihnen zu rächen. In den USA, wo der Zeitgeist ihm am nächsten steht, gewann der Film von „Killing Eve“-Autorin Emerald Fenell einen Oscar für das Beste Drehbuch, unter europäischen Beobachter*innen sind die ersten Reaktionen verhaltener — zu unrecht. Am 19. August 2021 startet der Film in den deutschen Kinos.  mehr...

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