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„The Last Duel“ von Ridley Scott: Ritter-Action mit Matt Damon und Ben Affleck

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Diese Geschichte einer Vergewaltigung spielt im Mittelalter und wird aus drei Perspektiven erzählt: Der der Frau, ihres Ehemannes und der des Vergewaltigers. Drei Perspektiven, drei Versionen der Wahrheit. Ridley Scott thematisiert in seinem neuen Film Gewalt und Sexismus im 14. Jahrhundert und setzt damit den heutigen #MeToo-Diskurs in eine historische Perspektive.

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Gottesurteil steht über der Aussage einer Frau

„The Last Duel“ beginnt exakt am 29. Dezember 1356: An dem Tag findet das letzte in Frankreich staatlich angeordnete Duell statt, gedacht als Gottesurteil. Der Mann der Vergewaltigten versucht, seinen ehemaligen Freund, den Vergewaltiger, zu töten. Der, der überlebt, hat die Wahrheit auf seiner Seite, denn vor Gericht wird die Aussage der Frau in Frage gestellt. Sollte der Ehemann den mörderischen Kampf übrigens verlieren, wird die Frau auf dem Scheiterhaufen verbrannt werden, weil damit ja erwiesen wäre, dass sie gelogen hat.

Filmstill (Foto: Disney Germany)
Frankreich, 1386: Das Land ist von der Gewalt und den Verwüstungen des Hundertjährigen Krieges mit England gezeichnet. Jean de Carrouges (Matt Damon) ist ein angesehener Ritter aus der Normandie, adeligen Geblüts und berühmt für seine Tapferkeit und sein Geschick auf dem Schlachtfeld. Disney Germany Bild in Detailansicht öffnen
Sein Freund Jacques Le Gris (Adam Driver), Sohn eines normannischen Gutsherrn, ist ein Knappe und dank seiner Intelligenz und Eloquenz einer der angesehensten Adeligen bei Hofe. Disney Germany Bild in Detailansicht öffnen
Als Graf Pierre d’Alençon (Ben Affleck), Cousin des Königs und Baron am Hof von Argentan, Le Gris bei einem erbitterten Grundstücksstreit beisteht, steigt Le Gris’ Status, sehr zum Missfallen von Carrouges. Disney Germany Bild in Detailansicht öffnen
Ihre Beziehung verschlechtert sich noch mehr als Pierre Le Gris zu seinem Verwalter ernennt, und Carrouges’ Narzissmus und rücksichtsloses Verhalten dazu führen, dass er des Hofes verwiesen wird. Disney Germany Bild in Detailansicht öffnen
Doch Carrouges lässt sich von dieser Ungerechtigkeit nicht entmutigen und heiratet Marguerite (Jodie Comer), die schöne, kluge und willensstarke Tochter von Sir Robert de Thibouville, die überdies eine beträchtliche Mitgift in die Ehe einbringt. Disney Germany Bild in Detailansicht öffnen
In seinem 2004 veröffentlichten Buch „The Last Duel: A True Story of Crime, Scandal, and Trial by Combat in Medieval France” erzählt Eric Jager auf der Grundlage historischer Quellen die frappierende Geschichte eines legendären Duells auf Leben und Tod, dem letzten, offiziell dokumentierten gerichtlichen Zweikampfs seiner Art. Disney Germany Bild in Detailansicht öffnen

Filmische Verbeugung vor Akira Kurosawa

Wie in Akira Kurosawas Klassiker „Rashomon“, vor dem sich Regisseur Scott und die Drehbuchautoren Matt Damon, Ben Affleck und Nicole Holofcener tief verbeugen, wird die Geschichte in drei Kapiteln und aus drei Perspektiven erzählt: Aus der des von sich selbst ganz und gar überzeugten, eitlen Ritters und Ehemannes – gespielt von Matt Damon, aus der seines ehemaligen Kampfgefährten, Adam Driver, der alles bestreitet. Und schließlich zeigt das dritte Kapitel das Geschehen aus der Sicht der Frau, Jodie Comer, die die sexuelle Gewalt erlebt hat, der man aber nicht glaubt.

Keine auf #MeToo gepimpte Rittergeschichte

Drei Perspektiven, drei Versionen der Wahrheit, aber eben nicht ihre Relativierung, sondern am Ende die Demaskierung der Lügen. „The Last Duel“ ist aber keine auf die Diskurse unserer Zeit aufgepimpte Rittergeschichte, sondern zeigt auf eindrucksvolle Weise, wie sehr toxische Männlichkeit, Eitelkeit, Narzissmus mit ihren zerstörerischen, mitunter tödlichen Folgen weit in die Geschichte zurückreichen.

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