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„The French Dispatch“ – Hommage von Wes Anderson an den guten alten Journalismus

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Der amerikanische Independent-Regisseur Wes Anderson steht für die Verbindung von Intelligenz und tiefgründigem Witz. Sein neuer Film „The French Dispatch“ ist eine Hommage an den klassischen Journalismus, das Publikum sollte unbedingt an den legendären „New Yorker" denken. Gedreht wurde der Episodenfilm mit vielen Prominenten wie Tilda Swinton, Timothée Chalamet, Christoph Waltz, Elisabeth Moss, Bill Murray und Frances McDormand  in Frankreich, seit langem die Wahlheimat des Regisseurs.

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Imaginärer Ort einer imaginären Zeitschrift

„Ennui-Sur-Blasé“ heißt der Ort, an dem die imaginäre Zeitschrift „The French Dispatch“ erscheint, die aus Europa berichtet für Amerikaner, die es ist nicht nach Paris geschafft haben. Dieser wunderbare imaginäre Ortsname steht eigentlich für Paris. Der Film erzählt episodisch die Geschichte der letzten Ausgabe dieses Magazins, alles spielt 1975 mit Rückblicken in das frühe 20. Jahrhundert.

Filmstills (Foto: Disney Germany)
Oscargewinner Wes Anderson, bekannt durch Filme wie „Moonrise Kingdom“ (2012) oder „Isle of Dogs“ (2018), kommt mit seinem neuen Film „The French Dispatch“ in die Kinos. Der Film erzählt episodisch die Geschichte der letzten Ausgabe des fiktiven Magazins „The French Dispatch“ und spielt in der fiktionalen französischen Stadt Ennui-Sur-Blasé. Disney Germany Bild in Detailansicht öffnen
Bill Murray verkörpert den onkelhaften aber auch autoritären Herausgeber des Magazins, Arthur Howitzer Jr., der die Stadt Liberty im US-Bundesstaat Kansas als junger Mann verlassen hat, um in Frankreich sein eigenes Magazin zu gründen. Disney Germany Bild in Detailansicht öffnen
Auch die Nebenrollen hat Wes Anderson prominent besetzt, unter anderem mit Elizabeth Moss, Willem Dafoe und Christoph Waltz. Disney Germany Bild in Detailansicht öffnen
Tilda Swinton spielt in einer Episode die Kunstkritikerin JKL Berensen, die die Geschichte des verurteilten Mörders und Malers Moses Rosenthaler erzählt. Disney Germany Bild in Detailansicht öffnen
Moses Rosenthaler hat im Gefängnis eine heimliche Affäre mit der Aufseherin Simone (Léa Seydoux), die zudem als Aktmodel für seine Kunst posiert und seine Muse ist. Disney Germany Bild in Detailansicht öffnen
Eine andere Episode folgt der jungen Reporterin Lucinda Krementz (Frances McDormand), die über die revolutionäre Studentenszene der französischen Stadt berichtet und eine Affäre mit deren Anführer Zeffirelli (Timothée Chalamat) beginnt. Disney Germany Bild in Detailansicht öffnen
Jeffrey Wright ist in der Rolle eines Gastro-Kritikers zu sehen, der versehentlich in eine Entführung verwickelt wird, obwohl er eigentlich nur einen legendären Koch für das Magazin porträtieren wollte. Disney Germany Bild in Detailansicht öffnen
Der Episodenfilm, dessen Veröffentlichung eigentlich schon 2020 geplant war und wegen der Covid-Pandemie verschoben werden musste, kommt nun nach seiner Weltpremiere in Cannes endlich in die Kinos. Disney Germany Bild in Detailansicht öffnen

Hommage an den klassischen Magazin-Journalismus

Der visuelle Stil setzt sich aus ein bisschen „Amelie" und ein bisschen „Willkommen in Belleville" zusammen, aus Frankreich-Klischees und Zitaten des alten Journalismus. Hier sagt der Chefredakteur und Herausgeber (Bill Murray), wenn eine Autorin einen zu langen Text abgibt: „Schmeißt Anzeigen raus! Bestellt mehr Papier!"

Glänzende Oberfläche mit politischer Botschaft

„The French Dispatch" ist ein großartiger, sehr lustiger und perfekt gemachter Film. Dieses Meisterwerk des Episodischen beweist auch: Wes Anderson ist eben nicht nur marinierte Oberfläche, auf die selbst Verteidiger seine Filme gerne reduzieren. Anderson formuliert vielmehr in diesem Fall sogar eine politische Botschaft. Gewidmet ist der Film übrigens zwei Dutzend historischer Autor*innen und Journalist*inne, die am Schluss namentlich aufgezählt werden, darunter auch Hannah Arendt, Pauline Kael und James Baldwin.

Trailer „The French Dispatch“ von Wes Anderson

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