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Die Stuttgarter Kommissare Lannert und Bootz ermitteln bei einer Stuttgarter Autozulieferfirma. Ein Mitarbeiter, der jahrelang wegen Korruption in den USA im Gefängnis saß, kommt aus der Haft zurück und will Wiedergutmachung. „Der Welten Lohn“ ist mehr Psycho-Studie als ein klassischer Kriminalfall. Dennoch ein grundsolider Tatort, der vor allem mit seinen hervorragenden Darstellern punkten kann.

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Zeichen der Wiedergutmachung

Unsicherer Blick, Fünf-Tage-Bart. Ein bisschen Hoffnung, ein bisschen Furcht liegt in den Augen von Oliver Manlik. Man sieht ihm in jeder Bewegung an, dass er durch eine harte Zeit gegangen ist. Nach über dreijähriger Haft in einem US-Gefängnis kehrt er nach Deutschland zurück und will von seinem Ex-Chef ein Zeichen der Wiedergutmachung.

Tatort Stuttgart: Der Welten Lohn (Foto: ard-foto s2-intern/extern, SWR)
Die Kommisare Thorsten Lannert (Richy Müller) und Sebastian Bootz (Felix Klare) werden zu einem Tatort im Wald gerufen: Die Personalchefin eines Stuttgarter Unternehmens wurde tot aufgefunden. ard-foto s2-intern/extern SWR Bild in Detailansicht öffnen
Bei den Ermittlungen erzählt ihnen Vorstandchef Joachim Bässler (Stephan Schad), dass es keine besonderen Vorkommnisse in der Firma gab. ard-foto s2-intern/extern Bild in Detailansicht öffnen
Dabei verschweigt er den Ermittlern jedoch, dass es einen Konflikt mit einem ehemaligen Mitarbeiter gibt. ard-foto s2-intern/extern Bild in Detailansicht öffnen
Oliver Manlik (Barnaby Metschurat) saß als Bauernopfer der Firma drei Jahre lang in der USA wegen Korruption im Gefängnis. Jetzt ist er auf freiem Fuß, fordert Gerechtigkeit und sein altes Leben zurück. ard-foto s2-intern/extern Bild in Detailansicht öffnen
Wiederanstellung und Entschädigung für die Haftzeit sind für Manlik das Mindeste. Doch der Vorstandschef weist ihn zurück und seine Rachegefühle werden stärker. ard-foto s2-intern/extern Bild in Detailansicht öffnen
Als ein Sprengstoffattentat auf den Wagen Bässlers verübt wird, lockt er die Ermittler auf die Spur seines ehemaligen Angestellten. ard-foto s2-intern/extern Bild in Detailansicht öffnen
Die Ermittler finden allerdings keinerlei Beweise dafür, dass Manlik auch im Fall der ermordeten Personalchefin als Täter infrage kommt. ard-foto s2-intern/extern Bild in Detailansicht öffnen
Klar ist den beiden Komissaren nur, dass sie eine weitere Eskalation des Kampfes zwischen Bässler und Manlik um jeden Preis verhindern müssen. ard-foto s2-intern/extern Bild in Detailansicht öffnen

Schlechtes Licht auf die Autoindustrie

Wirtschaft ist „Kampf“ oder „Krieg“ - solche Sätze hört man des öfteren in diesem Film. Kein gutes Licht, in dem die baden-württembergische Lieblingsindustrie hier erscheint. Manlik hat für die Auto-Zulieferfirma Schmiergelder gezahlt, um die internationalen Marktchancen zu steigern. Als „Dank“ hat sie die Beweise geliefert, um ihn als Einzeltäter in den USA hinter Gitter zu bringen. Lannert und Bootz versuchen die rechtlichen und wirtschaftlichen Hintergründe zwar in einer Art Express-Dialog-Seminar zu erläutern, so ganz blickt man aber dabei nicht wirklich durch.

Wirtschaftskriminalität, Leiche und Bombe

Allzu sehr muss man sich mit Wirtschaftskriminalität aber auch nicht auseinandersetzen bei diesem Tatort, denn schließlich gibt es ja noch eine Tote: Lannert und Bootz ermitteln, weil quasi gleichzeitig mit Manliks Rückkehr die Personalchefin der Firma ums Leben gekommen ist. Außerdem wird ein Bombenanschlag auf das Autor von Firmenchef Bässler verübt. Mit vollendeter Großkotzigkeit erläutert Stephan Schad als Joachim Bässler den Beamten, was er von ihrer Arbeit hält.

Barnaby Metschurat überzeugt

Außer dass sich die beiden Ermittler auch mal erfrischend annerven, sind Lannert und Bootz in diesem Tatort weitgehend abgemeldet. Der Film konzentriert sich zunehmend auf seinen Hauptverdächtigen und auf dessen verzweifelten Kampf um Rehabilitation. Barnaby Metschurat spielt als Oliver Manlik seine Theatererfahrung aus und empfiehlt sich mit einer faszinierenden Mischung aus Empfindlichkeit, Härte und nervöser Ungeduld für größere Charakterrrollen.

Grundsolider Tatort aus Stuttgart

„Der Welten Lohn“ ist insgesamt ein grundsolider Tatort, der mehr mit seinen guten Schauspielern punktet als mit einem besonders gelungenen Drehbuch oder einem herausragenden Plot. Was der Film gut macht: Er zeigt auf, wie das Leben unter Umständen unseren Sinn für Gerechtigkeit herausfordert, wenn sich jemand aufopfert und im Gegenzug sein Leben zerbricht. Undankbar scheint dabei nicht nur der Rechtsweg. Aber eine bessere Alternative ist bisher nicht in Sicht.

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