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Ein Tatort zum Weltfrauentag, der alles andere als klischeefrei daherkommt, aber sehr gut gespielt und vor allem gegen Ende spannend inszeniert ist.

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Mario Lohse ist ein schüchterner Typ: Mittelscheitel, leichter Oberlippenflaum. Irgendwie eine traurige Gestalt. Die Kieler Mordkommission ermittelt gegen ihn, weil eine junge Frau hinter einer Disko tot und misshandelt aufgefunden wurde. Und Mario war nach den Bildern der Videokameras der letzte, der mit ihr zusammen gesehen wurde.

Tatort Kiel: Borowski und die Angst der weißen Männer (Foto: ard-foto s2-intern/extern, NDR / Christine Schröder)
In der Nähe eines beliebten Kieler Clubs wird die misshandelte Leiche einer jungen Frau aufgefunden. Komissar Borowski (Axel Milberg) kann schnell einen Verdächtigen ins Auge fassen. ard-foto s2-intern/extern NDR / Christine Schröder Bild in Detailansicht öffnen
Bei der Sichtung der Videoüberwachung des Clubs fällt den Ermittlern Außenseiter Mario Lohse (Joseph Bundschuh) auf. Er hat kein stichhaltiges Alibi und wird vorläufig festgenommen. ard-foto s2-intern/extern NDR / Christine Schröder Bild in Detailansicht öffnen
Der verschüchtert wirkende Lohse schaut sich regelmäßig frauenverachtende Videos im Internetforum des sogenannten "Pick-Up-Artists" Hank Massmann an. ard-foto s2-intern/extern NDR / Christine Schröder Bild in Detailansicht öffnen
Doch dann macht Borowski eine Entdeckung, die den Fall in ein ganz anderes Licht rückt: In Tatortnähe erkennt er eine in den Boden getrampelte "14", ein Erkennungssymbol amerikanischer Neonazis. ard-foto s2-intern/extern NDR / Christine Schröder Bild in Detailansicht öffnen
Bei den Ermittlungen findet Mila Sahin (Almila Bagriacik) heraus, dass auf Hass-Listen im Internet weitere Attacken auf Frauen in Kiel propagiert werden. ard-foto s2-intern/extern NDR / Christine Schröder Bild in Detailansicht öffnen
Sahin sucht die Kieler Politikerin Birte Reimers (Jördis Triebel) auf, die sich in unmittelbarer Gefahr befindet. ard-foto s2-intern/extern NDR / Christine Schröder Bild in Detailansicht öffnen
Die Politikerin wird in ihrem Haus angegriffen, doch der Täter kann fliehen. Sahin und Borowski sind fassungslos. ard-foto s2-intern/extern NDR / Christine Schröder Bild in Detailansicht öffnen
Borowski vermutet, dass der Mord und der Angriff auf Birte Reimers zusammenhängen. Als er in den Kreisen des "Pick-Up-Artists" Hank Massmann undercover ermittelt, gerät die Situation außer Kontrolle. ard-foto s2-intern/extern NDR / Christine Schröder Bild in Detailansicht öffnen

Rechter Terror oder Frauenhass?

Am Tatort finden die Ermittler aber auch Hinweise auf einen Code aus der rechtsen Szene, die Zahl 14. „14 Words“, eine krude Botschaft weißer Vorherrschaft, die im Internet kursiert. Rechter Terror, Frauenhass oder die Kombination aus beidem? Als sich auch noch der Staatsschutz einschaltet, klingeln bei Borowski alle Alarmglocken.

Antirassistisch, emanzipatorisch und auf Haltung gebürstet

Der Tatort „Borowski und die Angst der weißen Männer“ dringt ein in die Sphäre vergifteter männlicher Ohnmachtsgefühle. Gefühle, die allzu gern von Ideologen manipuliert und kanalisiert werden.

An manchen Stellen raunt sich dieser Tatort beinahe um Kopf und Kragen, er ist zudem überdeutlich auf Haltung gebürstet, antirassistisch und emanzipatorisch. Das ist aber angesichts des Themas verständlich, wohl auch nötig.

Weil Axel Milberg und vor allem Almila Bagriacik als seine Kollegin diese Haltung glaubwürdig verkörpern - allem Machtgebaren gegenüber kritisch und achtsam füreinander - schaut man ihnen gerne bei der Arbeit zu.

Ein Cocktail aus Verschwörungs- und Männlichkeitswahn

Und weil Regisseurin Nicole Weegmann ihr Handwerk versteht wird auch ein gerade gegen Ende ziemlich spannender Krimi daraus. Ein Film, der den Cocktail aus Verschwörungs- und Männlichkeitswahn kalkuliert zum Überlaufen bringt und zeigt, wie weit wir noch von einem ausgeglichenen Geschlechterverhältnis entfernt sind.

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