Film Eine Superheldin mit Realitätsverlust: „Electric Girl“ mischt Action und Drama

Von Rüdiger Suchsland

Dieser Film besticht durch Mehrdeutigkeit: Mia ergattert in einem japanischen Anime-Streifen die Hauptrolle als Synchronsprecherin. Von Anfang an identifiziert sie sich mit der unbesiegbaren Superheldin Kimiko und driftet schließlich in die Phantasiewelt ab: Mia glaubt, selbst Superkräfte zu besitzen und die Welt retten zu können. Leidet Mia nun an psychotischem Realitätsverlust oder wird sie wirklich zur Heldin in einem surrealen Fantasyfilm? Gekonnt verwischt Regisseurin Ziska Riemann die Erzählebenen und mischt Action mit Nachdenklichkeit. Ein wilder Film mit einem überaus originellem Look, der Anime mit Spielfilmsequenzen kombiniert.

Bildergalerie „Electric Girl“ – Kinostart am 11. Juli

Szene aus Electric Girl (Foto: NiKo Film _Lunanimé -)
In Hamburg verdient Mia ihr Geld als Bedienung in einer Bar. Vor allem aber versucht sie, als Film-Synchronsprecherin Fuß zu fassen. In einem japanischen Anime-Streifen ergattert sie die Hauptrolle der Superheldin – ihre große Chance! NiKo Film _Lunanimé - Bild in Detailansicht öffnen
Kimoko ist eine junge Frau mit wehenden blauen Haaren und leuchtend gelben Mantel. Die Superheldin kämpft gegen zerstörerische Dämonen, die mittels Magnetfeldern die Welt der Menschen unterdrücken wollen. NiKo Film _Lunanimé - Bild in Detailansicht öffnen
Von Anfang an zeigt „Electric Girl“ nicht nur das Leben von Mia, sondern auch was sie bei der Arbeit sieht, hört und spielen soll: Das Leben von Kimiko, der unbesiegbaren Superheldin. Diese Parallelen werden schnell immer enger gezogen: Mia beginnt, sich mit der Anime-Figur zu identifizieren. NiKo Film _Lunanimé - Bild in Detailansicht öffnen
Mia glaubt, sie könne die Welt retten und entwickelt eine regelrechte Paranoia. Mehr und mehr verändert sich ihre Persönlichkeit. Schon von Anfang an scheint sie mit gespannten Nerven in ihrer eigenen sehr bunten, sehr unaufgeräumten Welt zu leben, zu der nur ihr lethargischer Nachbar einen Gegenpol bildet. NiKo Film _Lunanimé - Bild in Detailansicht öffnen
Mia driftet weg aus der Realität. Sie wird stark, unschlagbar, steckt ihre Mitmenschen mit ihrer Hyperaktivität an, nervt sie aber ebenso, und entwickelt selbstgefährdende Züge. NiKo Film _Lunanimé - Bild in Detailansicht öffnen
Vielleicht begann alles eigentlich mit dem Stromschlag, den Mia eines Tages beim Bar-Aufräumen bekommt. So liegt es im Auge des Betrachters, ob man die realistischere Variante oder die Phantastik vorzieht. Vielleicht ist Mia ja wirklich eine Superheldin und „Electric Girl“ ein surrealer Fantasy-Film. NiKo Film _Lunanimé - Bild in Detailansicht öffnen
Realistisch wäre es zu sagen: Mia ist psychisch krank, manisch-depressiv und hat Wahnvorstellungen. Es geht jedenfalls um Verdrängung in diesem Film, denn ganz bestimmt ist Mias Beziehung zu ihrer sehr bürgerlichen Familie die eigentliche Achillesferse im Leben dieser Frau. NiKo Film _Lunanimé - Bild in Detailansicht öffnen
So mischt „Electric Girl“ Action mit Nachdenklichkeit, zeigt überaus ungewöhnliche Bilder und einen originellen Look, dessen Reiz nicht zuletzt auch in der Mischung aus naturalistischen Bildern und furiosen Animationssequenzen liegt. NiKo Film _Lunanimé - Bild in Detailansicht öffnen
Regisseurin Ziska Riemann begann als Comic-Zeichnerin und Autorin. In ihren Filmen bekennt sie sich zur Künstlichkeit der Darstellung, Lust am Eskapismus und zu einer herausfordernden Phantasie. NiKo Film _Lunanimé - Bild in Detailansicht öffnen
Ein weiterer Pluspunkt dieses ungewöhnlichen Films ist die Hauptdarstellerin Victoria Schuld, die sich mit hundertprozentiger Energie in ihre Rolle hineinwirft, so als sei sie selbst elektrifiziert. Ein wilder Film! NiKo Film _Lunanimé - Bild in Detailansicht öffnen
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