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Die Schauspielerin Stefanie Reinsperger - Theater, Tatort und Wutbuch

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INTERVIEW
Mareike Gries

Aus der Wut schöpft sie ihre Kraft. Für ihre Bühnenpräsenz, unter anderem am Wiener Burgtheater und dem Berliner Ensemble, wird die am Wiener Reinhardt-Seminar ausgebildete Schauspielerin Stefanie Reinsperger schon länger gefeiert. Als Kommissarin Rosa Herzog setzt sie im Tatort Dortmund neue Akzente. Am Sonntag, den 15. Januar, ist sie in der Folge „Du bleibst hier“ zu sehen.

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Aussdrucksstark, intensiv, mit vollem Körpereinsatz

„Meinen Eltern lag viel daran, dass wir spielen“, erzählt die Schauspielerin in SWR2. „Dass wir Geschichten nachspielen. Dass wir viel lesen. Dass wir in den Park gehen, wo mein Papa herzergreifend mit Stöckchen und Ästen irgendwelche Zwerge nachgespielt hat, aus Schneewittchen und so.“

Die Schauspielerin Stefanie Reinsperger bei der Fotoprobe für das Stück "Phaidras Liebe" am Berliner Ensemble, 20. April 2022. (Foto: IMAGO, Foto: Martin Müller)
Die Schauspielerin Stefanie Reinsperger bei der Fotoprobe für das Stück "Phaidras Liebe" am Berliner Ensemble, 20. April 2022. Foto: Martin Müller

Stefanie Reinsperger spielt mit vollem Körpereinsatz, ausdrucksstark und intensiv und wird dafür auch angefeindet. Sie sei einfach „zu dick“, um nur eine der zahlreichen Beleidigungen und sogar Morddrohungen zu nennen, die die Schauspielerin täglich erreichen. Im Gespräch mit SWR2 erzählt Stefanie Reinsperger, warum ihr Buch „Ganz schön wütend“ nötig war.

Privat fühlt sie sich viel angreifbarer als auf der Bühne

Lange habe sie sich auf der Bühne, in ihren Rollen, wohler gefühlt, als im wahren Leben, sagt sie und erläutert noch mal die Bedeutung, die das Schauspielen für sie hat: „Ich weiß wofür ich da bin, wenn ich Rollen spiele. Es kostet mich mehr Überwindung, privat offen zu sprechen. Da bin ich viel angreifbarer, als auf der Bühne, in meinen Rollen.“

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Literatur „Ganz schön wütend“ von Stefanie Reinsperger – Der mutige Versuch, das Wort dick zu rehabilitieren

Eigentlich hat sie schon alles geschafft, was sich eine Schauspielerin wünschen kann: Stefanie Reinsperger war erst am Wiener Burgtheater, wurde dann eine feste Größe beim Berliner Ensemble, war die Buhlschaft im „Jedermann“ der Salzburger Festspiele und verkörpert die Dortmunder Tatort-Kommissarin Rosa Herzog. Doch wird sie auch öffentlich beschimpft und angefeindet, weil ihr Körper nicht der Norm entspricht, weil sie „dick“ ist.
Über den persönlichen Umgang mit dieser Feinseligkeit hat sie nun ein Buch geschrieben, das in seiner Offenheit fast weh tut. „Ganz schön wütend“ beschreibt aber auch ein neues Gefühl, mit dem sie sich langsam aus der Ohnmacht herausarbeitet. Es ist der Bericht einer Schauspielerin, der so ist wie ihr Spiel auf der Bühne oder im Film: mutig, schillernd, verletzlich, laut und unbeherrscht. Und damit Plädoyer für ein neues Frauenbild, findet Eva Marburg.

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