Speedboot in der Lagune von Venedig. Still zum Film „Atlantide“ von Regisseur Yuri Ancarani (Foto: Rapid Eye Movies)

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Spring Breakers in Venedig: Der großartige Film „Atlantide“ von Yuri Ancarani

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Rüdiger Suchsland

Dieser Film ist eine hinreißende Meditation in betörend schönen Bildern. Er handelt vom Leben haltloser junger Männer in der venezianischen Lagune. Ein seltsam-einmaliger Hybrid aus Spielfilm und Dokumentarfilm, der das Mythische in der Gegenwart findet. Im vergangenen Jahr gewann „Atlantide“ den Hauptpreis bei der Sektion Orrizonti beim Filmfestival von Venedig.

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Das Einzige, was hier zählt, ist der Rausch und das Vergnügen

Theoretisch ist „Atlantide“ ein Dokumentarfilm: Sehr nahe an seinen Protagonisten, begleitet Regisseur Yuri Ancarani eine Handvoll Jugendliche. Die Jungs fahren Speedboot, Drogen werden stolz präsentiert, dann knattert man bei der Verfolgungsjagd mit der Guardia di Finanza den Polizeibooten davon.

Der Protagonist des Films „Atlantide“ von Regisseur Yuri Ancarani auf einem Speedboot in der Lagune von Venedig (Foto: Rapid Eye Movies)
Hauptfigur Daniele Barison fährt am liebsten Speedboot auf der Lagune. Regisseur Yuri Ancarani entwirft in seinem semifiktionalen Film ein nihilistisches Universum aus sonnenverbrannten Körpern, flüssigen Landschaften und Panoramaaufnahmen von Barchino-Rennen. Rapid Eye Movies

Hauptfigur Daniele lebt in Sant’Erasmo, einer Insel am Rande der Lagune von Venedig. Er interessiert sich nur für sein Barchino, sein Motor-Rennboot, mit dem er sich mit anderen jungen Männern in der Lagune Wettrennen liefert. Dazu kommen noch die Mädchen: Danieles Freundin steht erst um 14 Uhr auf, hängt rum, kaut ihre Fingernägel, lässt sich dann künstliche aus Plastik machen. Sie weiß nicht, was sie will. Irgendwann hat Daniele aber eine neue Freundin. Jetzt ändert sich vieles. Wir sehen beide beim Sex, die Kamera blickt dabei auf ihr Gesicht, aus seiner subjektiven Perspektive.

Das Einzige, was hier wirklich zählt, ist der Rausch und das Vergnügen. Alles erinnert an Larry Clark und Harmony Korine. Knutschen und Speedboot fahren, wie „Spring Breakers“ in Venedig.

Sex auf dem Speedboot. Still zum Film „Atlantide“ von Regisseur Yuri Ancarani (Foto: Rapid Eye Movies)
Nur der Rausch und das pure Vergnügen zählen in der Welt von „Atlantide“. Damit erinnert der Film an „Kids“ von Larry Clark und Harmony Korine. Rapid Eye Movies

Das echte Leben der Menschen in der Lagune

Der Film ist paradox, kombiniert Naturalismus und Künstlichkeit und zeigt doch das echte Leben der Menschen in der Lagune. Regisseur Yuri Ancarani, ein italienischer Videokünstler und Filmemacher, zeigt testosterongetriebene Männlichkeit in Reinform.

Ancarani taucht tief ein, geht mit in diesem Strom, und entfaltet ein nihilistisches Universum aus sonnenverbrannten Körpern, flüssigen Landschaften und Panoramaaufnahmen von Barchino-Rennen. Mit seinen hypnotischen Bildern aus schimmernden Farben und Licht lässt Ancorini seine Geschichte langsam über ihren erzählerischen Rahmen hinauswachsen.

Unterlegt mit einem großartigen Soundtrack, der Elektrobeat, Hip-Hop und große Symphonie zu einem psychedelischen Rausch vereint, gleiten die neon-beleuchteten Boote in magischen Bildern durch die Lagunenlandschaft und die erhabene, morbide Schönheit Venedigs.

Der Trailer zu „Atlantide“:

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