Netflix goes gaming

Ein Spielfilm zum Zocken: Wie Netflix mit dem Videospiel ,,Immortality“ auf Games setzt

STAND
AUTOR/IN
Tobias Nowak

Eine berühmte Schauspielerin ist verschwunden, nur ihre unveröffentlichten Filme sind noch da: Was geschah mit Marissa Marcel? Gamer*innen können auf Netflix ihr fiktives Werk erkunden und ihr Verschwinden aufklären. Mit dem Game ,,Immortality“, das wie ein Spielfilm produziert, zeigt Netflix: Das Potential von Videospielen ist noch längst nicht ausgeschöpft.

Audio herunterladen (4,5 MB | MP3)

Netflix goes Gaming: Die Spieelecke beim Streamingdienst

Ja, der bekannte Video-Streaming-Dienst hat auch eine Spielecke, allerdings nur auf mobilen Endgeräten, also wenn man die Netflix-App auf Handy oder Smartphone installiert hat. Die Sammlung umfasst derzeit fünfzig Titel, von denen die meisten nicht erwähnenswert sind, auch wenn sich mit ihnen vielleicht angenehm die Zeit vertreiben lässt.

Es gibt allerdings ein paar Diamanten zwischen diesen Halbedelsteinen: Das Taktik-Knobelspiel „Into the Breach“, das unheimliche Abenteuer „Oxenfree“ und nun eben „Immortality“, das mit seiner cineastischen Story und Form hervorragend zu einem Video-Streaming-Dienst passt.

Immortabily (Foto: Netflix Games)
„Marissa Marcel" heißt der verschwündene Kinostar in diesem Spiel, „M.M." ist bei so einem spielfilmigen Spiel bestimmt eine Verbeugung vor einer anderen, unvollendeten Kino-Diva. Netflix Games

Jagd nach der verschwunden Schauspielerin

Die Vorgeschichte des Spiels „Immortality“ ist folgende: Eine weltberühmte, fiktive Schauspielerin names Marissa Marcel hat in ihrem Leben drei Spielfilme gedreht, einen in den spätern 60ern, einen in den 70ern und ein Spätwerk Ende der 90er-Jahre. Allerdings wurde keiner dieser Filme je fertig gestellt und nach dem dritten Film verschwand die Ausnahme-Schauspielerin spurlos.

Nun ist eine ganze Kiste mit Filmmaterial aufgetaucht: Ausschnitte der unvollendeten Filme, Dialogproben, Maskenszenen, aber auch Auftritte in Talk Shows oder bei Dreh-Abschlussparties.

Immortabily (Foto: Netflix Games)
„Immortabily“ ist für Netflix Abonnenten auf dem Tablet oder Handy verfügbar. Netflix Games

Was lief schief im Leben der Marissa Marcel?

Die Spielenden sollen nun dieses „historische“ Videomaterial sichten, um herauszufinden, was im Leben der Marissa Marcel falsch lief. Ihr einziges Werkzeug dabei ist, all diese Filmschnipsel abzuspielen.

Der Clou: Man kann die Clips jederzeit anhalten, zurückspulen, langsamer laufen lassen. Und: Die Objekte und Menschen im Bild sind interaktiv! Wenn wir Personen oder Gegenstände anklicken, sucht die Datenbank einen anderen Film, in dem genau diese Person oder Requisite auch vorkommt.

Videospiel mit Hitchcock-Ästhetik

Die Szenen erlauben zwar detaillierte Blicke darauf, wie ein Spielfim entsteht, wirken anfangs jedoch meist harmlos. Da wird geprobt oder über das Wesen von Kunst, Autorschaft oder künstlerischer Unsterblichkeit – „Immortality“ – gesprochen. Aber mit der Zeit spürt man, dass hinter der Künstlichkeit der gezeigten Spielfilmszenen ein Grauen lauert.

Der Trailer von „Immortality“ verspricht einen cineastischen Ansatz:

Gaming mit narrativem Charakter birgt viel Potential

„Immortality“ ist auch technisch ein sehr ungewöhnliches Spiel, da es ohne Animationen auskommt: Alles ist gefilmt, mit echten Schauspielern. Das Spielfilm-Gefühl wird verstärkt durch eine häufig an Hitchcock erinnernde Atmosphäre.

Neben all den technischen und optischen Besonderheiten ist „Immortality“ vor allem ein Beleg für das noch lange nicht ausgeschöpfte narrative Potential von Videospielen. Wir entdecken eine fesselnde, unheimlich Geschichte, ohne dass auch nur ein Wort über diese Geschichte verloren wird.

Serie Netflix-Gaming-Serie ,,Cat Burglar": Ein interaktives Quiz in einem Zeichentrick-Abenteuer

Rowdy, der titelgebene Cat Burglar in der gleichnamigen Netflix-Show will ins Museum einbrechen, aber Peanut, ein Hund in Museumswärter-Uniform, stellt sich ihm entgegen. So entspannen sich Cartoon-Kämpfe á la Tom und Jerry, in die der Zuschauer durch das Beantworten von Quizfragen eingreifen kann. Cat Burglar ist beileibe kein Quantensprung, aber dennoch ein kleiner Fortschritt für die in Entwicklung begriffene Form des interaktiven Films.  mehr...

SWR2 Kultur aktuell SWR2

Gaming Das Computerspiel „Stray“: Katzenabenteuer im düsteren Cyberpunk

Diese Woche ist das Spiel „Stray“ für PCs und PlayStation 5 veröffentlicht worden. Im Spiel übernimmt man die Rolle einer namenlosen Katze, die von ihrer Familie getrennt wurde und sie nun wiederfinden muss, und das in einer dystopischen Cyberpunk-Metropole voller Roboterbürger. Auf der Vertriebsplattform Steam ist das Spiel jetzt schon ein Überraschungserfolg.  mehr...

SWR2 Kultur aktuell SWR2

Netzkultur Zocken für den Umweltschutz? Klimakrise und Gaming

Die größten Herausforderungen unserer Zeit sind ohne Frage Klimawandel und Umweltverschmutzung. Deshalb widmet sich auch die Kultur zunehmend diesem Thema. Neben Literatur und Film stellen auch digitale Spiele Fragen dazu, öffnen Denkräume und schlagen neue Verhaltensweisen vor. Gleichzeitig ist Gaming an sich aber ökologisch höchst problematisch. Tobias Nowak beschreibt, wie Games und Umwelt zusammenhängen.  mehr...

SWR2 am Samstagnachmittag SWR2

Gaming Gamesbranche und Ukraine-Krieg: Das ist eben kein Spiel mehr

In der Zeitenwende werden sogar Spiele zu politischen Instrumenten: Der Ukraine-Krieg hat auch im größten Unterhaltungsmedium unserer Zeit, den digitalen Spielen, schnell deutliche Spuren hinterlassen. Krieg ist zwar schon immer Sujet vieler Games gewesen. Aber gegen Putins realen Krieg sprechen sich Games-Szene und -Branche deutlich aus: Das ist eben kein Spiel mehr. Diese Haltung manifestiert sich in großer Spendenbereitschaft einerseits und Embargos gegen Russland andererseits.  mehr...

SWR2 Kultur aktuell SWR2

STAND
AUTOR/IN
Tobias Nowak