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Podcast „Slahi – 14 Jahre Guantanamo“: Auf den Spuren der Folterer im „War on Terror“

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INTERVIEW
Max Bauer

„Zum ersten Mal in der Geschichte Guantanamos ist es Journalisten gelungen, mit Folterern zu sprechen“, sagt Bastian Berbner, Co-Autor des Podcast „Slahi – 14 Jahre Guantánamo“ über die Arbeit an dem Projekt. Der Podcast orientiert sich am Fall des Mauretaniers Mohamedou Slahi der 14 Jahre lang ohne Anklage und Prozess in dem Internierungslager gefangen gehalten und gefoltert wurde.

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Verdächtige Reisen nach Afghanistan

Der heute 51-jährige Mohamedou Slahi, der über ein Begabtenstipendium nach Deutschland gekommen war, reiste 1991 zum ersten Mal nach Afghanistan, um sich den Mudschahedin im Kampf gegen die Sowjets anzuschließen. Er wurde in al-Qaida-Camps ausgebildet und schloss sich der Terror-Miliz an, brach jedoch nach eigener Aussage alle Kontakte nach einem zweiten Afghanistan-Aufenthalt 1992 ab und kehrte nach Deutschland zurück. Dort beendete er sein Studium und begann als Ingenieur zu arbeiten.

Nach den Anschlägen auf das World Trade Center am 11. September 2001 wurde Slahi für die US-Geheimdienste zu einem Terrorverdächtigen und im November 2001 festgenommen. Eine Odyssee durch verschiedene Länder und Internierungslager schloss sich an, heute gilt Mohamedou Slahi als der am häufigsten gefolterte Häftling aus dem Guantánamo-Lager. Erst 2016 kam er zurück in Freiheit, nachdem ein US-Gericht bereits 2010 seine Freilassung angeordnet hatte.

Seit seiner Freilassung lebt Mohamedou Slahi wieder in Mauretanien. Die Haft und Folter hat ihn schwer gezeichnet: Mann mit brauner Haut und Glatze, sowie Dreitagebart liegt an eine Couch gelehnt auf dem Boden. Er blickt nach rechts und stützt seinen Kopf auf dem linken Arm ab. Er trägt eine weißes T-Shirt mit Aufdruck und ist mit einer orange-geblümten Wolldecke zugedeckt. Auf der Couch liegt ein schwarzes iPhone.  (Foto: Pressestelle, Hoferichter und Jacobs GmbH)
Seit seiner Freilassung lebt Mohamedou Slahi wieder in Mauretanien. Die Haft und Folter haben ihn schwer gezeichnet. Pressestelle Hoferichter und Jacobs GmbH

Was macht Folter mit den Opfern — und den Täter*innen?

Die Menschen, die in Guantánamo gefoltert haben, seien sehr unterschiedlich, berichtet der Journalist Berbner. Es gebe Leute, die bis heute daran festhalten, dass gut und richtig gewesen sei, was sie in Guantánamo gemacht haben. Es gebe andere, die ihr Handeln in Guantánamo leugnen. Und dann gebe es Menschen, die fast daran zerbrochen sind und bis heute darunter leiden, dass sie mitgemacht haben.

Durch die Gespräche mit diesen Akteuren habe sich der Blick geweitet auf die Zeit des US-amerikanischen „Krieges gegen den Terror“. Der Podcast erzähle damit nicht nur vom Schicksal von Mohamedou Slahi, sondern vom System Guantánamo und von der US-amerikanischen Außenpolitik der letzten 20 Jahre. Es werde damit werde ein Schlaglicht auf die Frage geworfen, warum die USA heute nicht mehr die Weltmacht sind, die sie 2001 noch war, so Bastian Berbner.

Weltbekannter Fall, der den „War on Terror“ reflektiert

Slahi begann in der Gefangenschaft im Internierungsgefängnis Guantánamo Bay ein Tagebuch, das er später unter dem Titel „Das Guantánamo-Tagebuch“ veröffentlichte. Das Tagebuch wurde die Grundlage für den Film „Der Mauretanier“ von Regisseur Kevin Macdonald mit Jodie Foster, Benedict Cumberbatch und Tahar Rahim.

Trailer zu „Der Mauretanier“:

Die Dokumentation „Slahi und seine Folterer“ in der ARD Mediathek und bei Arte:

Im September 2021 wird außerdem — ergänzend zum Podcast — ein Dokumentarfilm von John Goetz über den Fall, „Slahi und seine Folterer“, auf Arte und in der ARD ausgestrahlt.

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