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Die Berlinale Series sind seit ein paar Jahren Bestandteil des Festivals und schlagen in diesem Jahr einen weiten Bogen. Machismo aus Argentinien, Krimi aus Skandinavien, eine US-Doku oder die neue Serie des Briten Russell T Davies über die Anfänge der AIDS-Pandemie im London der 80er Jahre: „It’s a Sin“. „Extremismus“ im positivsten Sinn nennt das Sektionsleiterin Julia Fidel.

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Als Aids noch eine verrückte Krebsvariante war

London in den frühen 80er Jahren. Die Stadt platzt vor urbaner Energie. Fünf Männer und ihre Freundin Jill wohnen zusammen in einer WG, die sie Pink Palace nennen. Sie feiern ihre Jugend, ihre Freiheit und ihre Homosexualität. Mal freizügig, mal eher im Stillen. Aber auf jeden Fall als Erfolg über Prüderie und streng religiöse Familien. AIDS ist für sie erstmal nicht mehr als eine verrückte Krebsvariante, über die man nur gerüchteweise erfährt.

Filmstill (Foto: Presse Berlinale)
„It’s a Sin“ wurde zwar schon vor Corona gedreht, die Serie ist aber mit vielen Gummihandschuh- und Social Distancing-Momenten eine der Serien der Stunde, die momentan schon in England und den USA zu sehen ist. Presse Berlinale

Die Einschläge kommen näher

Aber bald kommen die Einschläge näher, und anders als bei der Corona-Pandemie unternimmt die Gesellschaft fast nichts und lässt die queere Community mit dem verheerenden Virus allein. Lust und Neugier, Angst und Scham liegen hier eng beieinander.

Serie „Entre Hombres“ von Regisseur Pablo Fendrik (Foto: Pressestelle, Berlinale)
Buenos Aires, 1996: Der Tod einer Prostituierten löst eine Kette von Ereignissen aus, in die schnell nicht nur die gesamte Halb- und Unterwelt der Stadt, sondern auch die korrupte Polizei verwickelt wird. Pressestelle Berlinale

Machismo Extrem aus Argentinien - „Entre Hombres“

Argentinien in den 1990er Jahren. Prostituierte, Transvestiten, eine Überdosis hier, ein Auftragsmord da, korrupte Cops, skrupellose Politiker. Mit ihren wechselnden Perspektiven führt einen die Serie von Pablo Fendrik immer wieder an der Nase herum und hält damit gleichzeitig der heruntergekommenen argentinischen Gesellschaft den Spiegel vor. Der Humor pechschwarz, die Haare lang, die Bilder explizit und brutal. Das ist nicht immer angenehm, aber in seiner ästhetischen Konsequenz faszinierend und die Wahnsinnsgesichter der Serie bekommt man hoffentlich auch bald bei uns zu sehen.

Filmstill (Foto: Presse berlinale)
Larry Krasner in „Philly D.A.“ Presse berlinale

Serien spiegeln eine Generation zwischen 40 und 60 Jahren

In den Serien spiegelt sich die Selbstvergewisserung einer Generation zwischen 40 und 60 Jahren, außerdem der Trend zu Buchadaptionen von Titeln, die für die Macher mal persönlich wichtig waren oder auch die extreme Realität Amerikas. Die Doku-Serie „Philly D.A.“ portraitiert den Bezirksstaatsanwalt von Philadelphia, Larry Krasner. Der frühere Bürgerrechtsanwalts führt seit seiner Amtseinführung Anfang 2018 Krieg gegen das Fehlverhalten der Polizei, gegen die Diskriminierung von Schwarzen und damit auch gegen die Politik Donald Trumps.

Eine Serie über die anstrengende kleinteilige Arbeit an einem großen Projekt. Sie ist nicht nur ein Beispiel, wie vielfältig in den Erzählweisen, wie international und bunt die diesjährigen Serien bei der Berlinale sind, sondern auch ein Beispiel für ihre Relevanz.

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Berlinale Berlinale-Series „Ich und die Anderen“: Surrealer Ego Trip von David Schalko

In David Schalkos außergewöhnlichem Projekt „Ich und die Anderen“ spielt Tom Schilling spielt einen Mann auf der Suche nach sich selbst. Dazu hat er jeden Tag einen Wunsch frei, um sein Umfeld nach seinem Willen zu manipulieren. Und es ist wie so oft mit dem Wünschen - glücklicher wird er dabei nicht.  mehr...

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Berlinale Extreme Episoden– Berlinale Series zeigt sechs internationale TV-Serien

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