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Wissenschaftler werden zu Stars gemacht in der Corona-Krise, vor allem Virologen. Der Erfolg von Drosten und Kollegen hat auch damit zu tun, dass die allermeisten von ihnen so gar nicht den gängigen Klischees, mit denen sie oft im Kino gezeigt werden: Dr. Seltsam, Sigmund Freud, Ellen Ripley, Leutnant Tamara Jagellovsk ... SWR2 Filmkritiker Rüdiger Suchsland gibt einen Überblick darüber, wie das Kino in den ersten 125 Jahren seines Bestehens Wissenschaftler*innen gezeigt hat. 

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Ein bisschen verrückt, putzig, kauzig

Wissenschaftler im Kino - das sind selten Virologen. Beliebter sind andere: Wie Action-Star Russel Crowe gegen sein Image besetzt als schizophrener Psychotiker und genialer Mathematiker dessen Krankheit gerade die Bedingung seines Genies ist - das Genie und Wahnsinn einander bedingen, trifft auf viele Kino-Wissenschaftler zu - Sie sind ein bisschen verrückt. Entweder putzig und kauzig, oder einfach Nerds. Wenn sie das alles nicht sind, dann sind sie gefährlich. Eines jedenfalls ist klar: Wissenschaftler im Kino sind schräg, anders, merkwürdig - nicht normal.

Die Angst vor dem Genie nehmen

Liebenswert ist auch Professor David Huxley, der von Cary Grant gespielte Saurierforscher in Howard Hawks Komödienklassiker "Leoparden küsst man nicht" - etwas schusselig und etwas weltfremd. Diese Mischung funktioniert immer für Leinwandwissenschaftler - offenbar auch um dem Publikum etwas von der Angst zu nehmen, die es offenbar vor dem Genie, größeren Geist und tieferen Einsicht der Menschen immer Laborkittel hat, die so oft recht haben, und auf die sogar Politiker hören.

Seriöse Wissenschaftler gibt es selten

Richtig seriöse Wissenschaftler-Figuren sind im Kino eher die Ausnahme: Einer der tollsten Auftritte stammt von Montgomery Clift als Sigmund Freud, der in John Hustons Filmdrama "Freud" nach Drehbuch von Jean-Paul Sartre das Unterbewusste entdeckt.

Seriöse Wissenschaftlerinnen noch seltener

WissenschaftlerInnen im Kino - sind entweder beflissen oder Karikatur, oder sogar beides. So wie Diane Krüger, die im Film "Das Vermächtnis der Tempelritter" eine Archäologin spielt, die auf der Rückseite der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung eine Botschaft entdeckt, die in Geheimtinte geschrieben wurde - ein unfreiwillig komischer Verschwörungsthriller im Groschenheft-Format.

Eva Pflug als deutsche Monica Vitti

Dann ist da noch Eva Pflug als Leutnant Tamara Jagellovsk vom Galaktischen Sicherheitsdienst in dem zum Mythos gewordenen deutschen Science-Fiction "Raumpatrouille Orion". Eine deutsche Monica Vitti. Kino-Wissenschaftlerinnen sind also vor allem Fiktion: Science-Fiction.

Das gilt auch für die berühmteste von allen: Sigourney Weaver als Ellen Ripley in den "Alien"-Filmen – vergessen wir nicht, das auch Ripley zunächst einmal eine Wissenschaftlerin ist, die dann bald die Qualitäten eines weiblichen Terminators erlernt. Notgedrungen eine Wissenschaftlerin des Tötens.

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