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Verschwörungsanhänger glauben zu wissen, wer die Welt eigentlich regiert. Sie kennen die Hintermänner, die geheimen Codes und die Labore, in denen schon die nächsten Viruspandemien vorbereitet werden. Und alle anderen? Sind „Schlafschafe“, die den Regierungen und ihren gleichgeschalteten Medien auf den Leim gehen. Aber was, wenn eine solche Verschwörungserzählung eine Kleinfamilie spaltet? Darum geht es in der Miniserie „Schlafschafe“, die ab dem 12. Mai in der ZDF Mediathek und auf ZDF Neo zu sehen ist.

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Melanie macht sich Sorgen

Die durch Corona arbeitslos gewordene Fitnesstrainerin Melanie verbringt viel Zeit im Internet. Durch den Youtube-Kanal „Veritas“ weiß sie, dass medizinische Masken für Kinder gefährlich sind und dass die Menschen  – Achtung, geheim!  – über die in allen Haushalten befindlichen Rauchmelder kontrolliert werden. Vor ihrem Mann Lars hält sie sich erst mal zurück. Er ist dafür unempfänglich, ein braves „Schlafschaf“, wie sie sagt

"Schlafschafe" von Matthias Thoennissen (Foto: Pressestelle, Raymond Roemke)
Denn auch für Janosch ist die Situation belastend: Er weiß nicht mehr, was er noch glauben soll. Pressestelle Raymond Roemke Bild in Detailansicht öffnen

Verschwörungsgläubige nicht verspottet

In „Schlafschafe“ geht es nicht in erster Linie darum, sich über spinnerte Ideen von Verschwörungstheoretikern lustig zu machen. Das ist der große Reiz der Produktion aus der Feder von Daniel Thönissen. Melanie wird halbwegs ernstgenommen. Lisa Bitter, die manche aus dem Ludwigshafener Tatort-Team kennen werden, spielt eine junge Frau, die erst mal nur das beste für ihr Kind will.

Leichthändig und aktuell produziertes Fernsehen

Die Mini-Serie bietet nicht allzu viel Entwicklung, weder bei den Figuren noch bei der Story. Sie bleibt ganz in dem harmlosen Familienkosmos, wird nicht laut oder wirklich dramatisch, leuchtet allenfalls schwach die gesellschaftlichen Verwerfungen aus. Die Serie zählt zum sogenannten „Instant Fiction“-Format, ist also eher leichthändig und aktuell statt mit großem Vorlauf produziert.

„Schlafschafe“ ab 12.5. in der ZDF Mediathek und auf ZDFneo

Böse Geister aus der Impfspritze

Manche Menschen glauben an Gespenster, an böse Mächte, die sich unter dem Bett, im Schrank oder in der Impfspritze verstecken. Dagegen hilft scheinbar keine Aufklärung, kein Händchenhalten und wahrscheinlich auch keine Miniserie. Vielleicht sind es Ängste, die sich verwachsen. Im Bezug auf Corona können wir Schlafschafe also noch auf die Herdenimmunität hoffen.

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