Themenabend Geheimdienste im Ersten TV-Spielfilm „Saat des Terrors“

Filmkritik von Karsten Umlauf

Die deutsche BND-Agentin Jana Wagner, gespielt von Christiane Paul, erfährt bei ihrem Einsatz in Pakistan von geplanten Anschlägen in Mumbai. Bei ihren Recherche gerät sie zwischen die Fronten aller Geheimdienste. 

Der Themenabend im Ersten fragt nach der Verstrickung von Geheimdiensten und Terrorgruppen. Der Spielfilm "Saat des Terrors" (21.11., 20.15 Uhr) ist auch in der ARD Mediathek zu sehen.

Das Spiel mit den V-Männern

Es soll ja Leute geben, die das deutsche V-Mann-System im Kampf gegen rechte Terrorzellen für verfehlt halten, weil dabei rechtsextreme Strukturen staatlich unterstützt und zur angeblich besseren Überwachung weiter aufgebaut werden.

Zumindest die dürften ein Déjà-vu erleben, wenn sie sich die Spielfilm "Saat des Terrors" sowie die Dokumentation "Spur des Terrors" anschauen. Denn auf der Ebene des internationalen Terrorismus scheint es ähnlich zu laufen. Der BND versucht zum Beispiel – wie auch andere westliche Dienste – mit pakistanischen Behörden zusammenzuarbeiten.

Mehrfachagent James Logan Davis

Vorlage für den Film "Saat des Terrors" ist der Fall des amerikanischen Doppel- und Mehrfachagenten David Headly, der mit der Terrorgruppe Laschkar e-Taiba die Anschläge am 26. November 2008 in Mumbai verübte.

Saat des Terrors (Foto: SWR/ DIWA Film - SWR/ DIWA Film)
Der Informant James Logan Davis (Crispin Glover) und BND-Agentin Jana Wagner (Christiane Paul) SWR/ DIWA Film - SWR/ DIWA Film

Der Mehrfachagent im Film heißt er James Logan Davis und versorgt CIA, BND und andere mit Informationen über Al Kaida und wird dafür gut bezahlt. James Logan Davis ist aber mittleweile zu den Extremisten übergelaufen und plant selbst das Attentat von Mumbai, das später auch zur Vorlage für die Anschläge in Paris und Brüssel wurde.

Die "gute Frau von Islamabad"

Der Film schildert die vergeblichen Versuche der Agentin Jana Wagner, den Anschlag von Mumbai zu verhindern. Wie kann es sein, dass der Westen Menschen und Strukturen finanziert, die sich später gegen ihn selbst wenden? Diese Frage stellt sich Jana Wagner, gespielt von Christiane Paul, die hier sowas wie "die gute Frau von Islamabad" ist.

Saat des Terrors (Foto: SWR/ DIWA Film - SWR/ DIWA Film)
BND-Agentin Jana Wagner (Christiane Paul) SWR/ DIWA Film - SWR/ DIWA Film

Hilflose Agentin, pragmatische Chefs

Die Antwort: Hilflosigkeit, Unkenntnis, historische Blindheit, eigene Geschäftsinteressen, Verpflichtung gegenüber den Partnern. Wagners Empörung zerschellt am Pragmatismus ihres Vorgesetzten.

Saat des Terrors (Foto: SWR/ DIWA Film - SWR/ DIWA Film)
Thomas Günther (Axel Milberg), Leiter der BND-Residenz in Pakistan, BND-Agentin Jana Wagner (Christiane Paul) und ihr Übersetzer Tariq Usmani (Reza Brojerdi). SWR/ DIWA Film - SWR/ DIWA Film

Kein klassischer Polit- oder Agententhriller

Mit Axel Milberg, Heiner Lauterbach oder Christiane Paul ist der Film namhaft besetzt, von Kameramann Gernot Roll in gute Bilder gefasst. Ein Polit- oder Agententhriller im klassischen Sinn kann und will er aber zu keiner Zeit sein.

Verstrickung von Geheimdiensten und Terrorgruppen vermitteln

Die Aufgabe des Spielfilms die zu Grunde liegende Recherche von Investigativ-Journalist Daniel Harrich einem größeren Publikum zu vermitteln. Die Verstrickung von Geheimdiensten und Terrorgruppen erfahrbar zu machen. Und das gelingt.

Dauer

Die Saat des Terrors ist aufgegangen

Die Nachrichtenbilder vom Attentat in Mumbai wirken dadurch noch einmal schwerer und bedrückender. Genauso wie die Erkenntnis, dass die Saat des Terrors nicht nur im falsch verstandenen Koran aufgeht oder in revanchistischer Politik. Ihren größten Nährboden findet sie vielleicht da, wo Deals gemacht werden, wo Frieden und Sicherheit nicht mit Vertrauen sondern Geld geschaffen werden sollen.

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