Film

„Ruhe! Hier stirbt Lothar“: Weiterleben als zweifelhaftes Glück

STAND
AUTOR/IN

Was wäre, wenn der Arzt sagt, dass man nur noch ein paar Monate zu leben hat und sich diese Diagnose als falsch herausstellt? Das passiert in Hermine Huntgeburths Film „Ruhe! Hier stirbt Lothar“, mit Jens Harzer und Corinna Harfouch großartig besetzt. Vielschichtig, unberechenbar und viel trockenem Humor.

Audio herunterladen (4,1 MB | MP3)

Millionenspende fürs Tierheim

Der Fliesenhändler Lothar Kellermann bekommt die Diagnose: tödlicher Lymphdrüsenkrebs. War ja klar! Und er? Macht Listen, verkauft die Firma, sein Haus, verschenkt sein Vermögen – immerhin eine knappe Million – an ein Tierheim und sucht sich ein Hospiz.

Da trifft er auf Rosa, Brustkrebs im Endstadium. Sie konfrontiert ihn auf leise, aber nachhaltige Art damit, was es heißt, sich für Menschen zu öffnen. Es ist eine zaghafte Liebe ohne große Zukunft, aber trotzdem mit viel Potential.

„Ruhe, hier stirbt Lothar“ von Hermine Huntgeburth (Foto: ard-foto s2-intern/extern, ARD / WDR / Gordon Timpen)
Die marokkanischen Fliesen, die er verkauft, sind alles, was Lothar Kellermann (Jens Harzer) am Leben liebt. Mit allen anderen – außer seinem Hund – hat es sich Lothar längst verscherzt. ard-foto s2-intern/extern ARD / WDR / Gordon Timpen Bild in Detailansicht öffnen
Sein Leben ändert sich schlagartig, als er erfährt, dass er bald an einer tödlichen Krankheit sterben wird. ard-foto s2-intern/extern ARD / WDR / Gordon Timpen Bild in Detailansicht öffnen
Er verkauft sein ganzes Hab und Gut, schließlich auch sein Haus. ard-foto s2-intern/extern ARD / WDR / Gordon Timpen Bild in Detailansicht öffnen
Seinen geliebten Hund gibt er an ein Tierheim, dem er sein gesamtes Vermögen vermacht. ard-foto s2-intern/extern ARD / WDR / Gordon Timpen Bild in Detailansicht öffnen
Er setzt sich in ein Taxi und fährt in ein Hospiz, wo er die letzten Tage und Wochen seines Lebens verbringen wird. ard-foto s2-intern/extern ARD / WDR / Gordon Timpen Bild in Detailansicht öffnen
Doch im Hospiz lernt er Rosa (Corinna Harfouch) kennen, die er zu seiner eigenen Überraschung schnell ins Herz schließt. ard-foto s2-intern/extern ARD / WDR / Gordon Timpen Bild in Detailansicht öffnen
Als sich plötzlich herausstellt, dass Lothar doch nicht sterben wird, steht er vor dem Nichts. ard-foto s2-intern/extern ARD / WDR / Gordon Timpen Bild in Detailansicht öffnen
Nicht mal seinen Hund kann Lothar zurückholen, da das Tierheim ihn bereits an eine Familie weitervermittelt hat. Lothar stellt fest, dass er sich ändern muss, wenn er glücklich werden will. ard-foto s2-intern/extern ARD / WDR / Gordon Timpen Bild in Detailansicht öffnen

Neuanfang nach der Fehldiagnose

Das eigentliche Drama beginnt erst als Kellermann wieder entlassen wird. Fehldiagnose, Neuanfang. Aber womit und vor allem: wozu? Es gibt zur Zeit wohl keinen Schauspieler, der grundsätzlich erst mal unsympathische Figuren so schillernd vielschichtig und mit einer solch hinterhältigen Samtigkeit spielen kann wie Jens Harzer.

Jens Harzer und Corinna Harfouch entgehen dem Kitsch

Sein Lothar Kellermann ist rein äußerlich eine Mischung aus Loriot und Jeremy Irons. Aber auch vom Gestus verschroben und hilflos, gemein und doch gutwillig. Harzers Unberechenbarkeit und Corinna Harfouchs starken Kontern als Rosa ist es zu verdanken, dass die zwangsläufig folgende Läuterung dieses Antihelden wohltuend kitschfrei abgeht.

Rhythmus und trockener Witz

Den Rest erledigt Regisseurin Hermine Huntgeburth mit ihrem Gespür für Rhythmus und trockenen Witz. Schließlich ist „Ruhe! Hier stirbt Lothar“ auch ein Plädoyer dafür, sich nicht mit einem festgefügten Selbstbild zu begnügen.

Gepräch Ein letztes Mahl - Christiane Stangier kocht Wunschessen im Hospiz

Christiane Stangier kocht in einem Hospiz, was sich Sterbende an ihrem Lebensende wünschen. Bei diesen letzten Mahlzeiten entstehen Gespräche über das schönste im Leben: gemeinsamer Genuss und geliebte Menschen.   mehr...

SWR2 Tandem SWR2

STAND
AUTOR/IN