Filmkritik: "Robin Hood" von Otto Bathurst Cooler Kämpfer im Hoodie

Von Julia Haungs

Seit der Erfindung des Kinos hat Robin Hood, der unermüdlicher Kämpfer für die Gerechtigkeit, Regisseure und Schauspieler zu immer neuen Deutungen der Figur inspiriert. Jetzt hat sich der britische Serienspezialist Otto Bathurst den Stoff vorgenommen und mit Taron Egerton in der Hauptrolle einen zeitgeistigen Actionkracher daraus gemacht.

Kein romantischer Held in Strumpfhosen mehr

Robin Hood heißt jetzt "The Hood". Er hat nichts mehr von einem romantischen Helden in Strumpfhosen. Alles hat man ihm in dieser Neuauflage genommen: seine Bande, den Wald, und auch seine geliebte Marian hat sich einen anderen Mann gesucht.

Robin Hood als Occupy-Aktivist

Nach seiner Heimkehr aus dem Krieg in Syrien findet Robin von Loxley ein korruptes Nottingham vor. Angesichts der gesellschaftlichen Ungerechtigkeit wird der Adelige zum schwarz vermummten Occupy-Aktivisten und schließlich zum Anführer eines Volksaufstands gegen die Gier von Staat und Kirche.

Der Sheriff von Nottingham verbreitet Fake News

Sein Gegenspieler: der Sheriff von Nottingham. Der rechte Angstmacher presst dem Volk mit Hetzreden und Fake News immer mehr Geld für den Kreuzzug gegen die Araber ab. Dabei geht es ihm vor allem um eins: Macht und Geld.

Wilder Filmarchitektur-Mix

Regisseur Otto Bathurst siedelt seine Geschichte in einem futuristisch-fantasyartigen Mittelalter an. Mit seinem wilden Architektur-Mix ästhetisch irgendwo zwischen Mittelerde und dem Zentraldistrikt der "Tribute von Panem".

Kinostart 10.01. Robin Hood von Otto Bathurst

Der junge Robibn (Taron Egerton) lebt zufrieden in seinem Anwesen in Nottingham, bis er im Rahmen der Kreuzzüge zu einem blutigen Krieg nach Syrien aufbrechen muss. (Foto: StudioCanal Deutschland -)
Der junge Robin (Taron Egerton) lebt zufrieden in seinem Anwesen in Nottingham, bis er im Rahmen der Kreuzzüge als Soldat in einem blutigen Krieg nach Syrien aufbrechen muss. StudioCanal Deutschland - Bild in Detailansicht öffnen
Als er aus dem Krieg zurückkehrt, ist in Nottingham jedoch nichts mehr, wie es einmal war. Der Krieg hat außerdem Spuren bei ihm hinterlassen, und zu Hause stellt er fest, dass seine Freundin, Lady Marian, ihn für tot hielt und sich in einen neuen Mann verliebt hat. StudioCanal Deutschland - Bild in Detailansicht öffnen
Außerdem hält der Sheriff von Nottingham (Ben Mendelsohn) mittlerweile die Strippen in der Hand und sorgt dafür, dass die Reichen im Luxus leben, während die Armen sich beinahe zu Tode schuften müssen. StudioCanal Deutschland - Bild in Detailansicht öffnen
Eines Tages wird Robin von einem mysterösen Mann überrascht, der sich als Vater eines Jungen herausstellt, dem er in Syrien einst das Leben rettete. Robin und Little John (Jamie Foxx) verbrüdern sich und beschließen, die Verhältnisse in Nottingham wieder ins Lot zu bringen. StudioCanal Deutschland - Bild in Detailansicht öffnen
Robin beginnt ein gefährliches Doppelleben als Dieb. Nachts stiehlt er von den Reichen unter gibt das Diebesgut an arme Menschen weiter. Bei Tag hingegen mischt er sich als Lord unter das gehobene Volk. StudioCanal Deutschland - Bild in Detailansicht öffnen
Es gelingt ihm sogar, sich mit dem Sheriff selbst anzufreunden und so noch besser für seine Diebestouren informiert zu sein. StudioCanal Deutschland - Bild in Detailansicht öffnen
Zusammen mit Little John setzt Robin alles daran, den Krieg der Reichen gegen die Armen zu beenden und dem Volk endlich wieder ein besseres Leben zu schenken. StudioCanal Deutschland - Bild in Detailansicht öffnen
Langsam kann er sich sogar wieder seiner alten Freundin Lady Marian (Eve Hewson) annähern. StudioCanal Deutschland - Bild in Detailansicht öffnen
Das Doppelleben Robins ist ein Spiel mit dem Feuer, da ganz Nottingham daran interessiert ist zu erfahren, wer sich hinter dem mysteriösen Dieb verbirgt. StudioCanal Deutschland - Bild in Detailansicht öffnen
"Unser Robin Hood ist anders als alle, die es vorher gab. Wir wollten weit darüber hinausgehen und etwas ausgesprochen Zeitgemäßes schaffen", sagte Hauptdarsteller Taron Egerton über das Remake des Traditionsstoffes, bei dem Leonardo DiCaprio als Produzent fungierte. StudioCanal Deutschland - Bild in Detailansicht öffnen

Mittelalterversion von Batman

Überhaupt bedient sich Bathurst mit Blick auf seine junge Zielgruppe großzügig bei den Blockbustern der Popkultur. Taron Egerton als Robin ist im Grunde eine Mittelalterversion von Batman.

Tagsüber bewegt er sich geschniegelt in der herrschenden Kaste, nachts geht er etwas widerwillig seinem Superhelden-Handwerk als Kämpfer für die Gerechtigkeit nach.

Ein Batmobil hat er zwar nicht, dafür einen schlagkräftigen Begleiter aus Kriegstagen: den Sarrazenen John, gespielt vom finster dreinblickenden Jamie Foxx. Als gestrenger, Yoda-ähnlicher Lehrmeister bildet er Robin zu einer Ein-Mann-Armee aus.

Weder witzig noch schmalzig

Am Ende kann Robin pro Sekunde mehrere Pfeile gleichzeitig abschießen, während er im Flug weitere Gegner aus dem Weg tritt. Mit dem großen Robin Hood-Erfolg der 90er, der zugleich witzig und durch den Soundtrack von Bryan Adams unverschämt schmalzig war, teilt dieser Film keine DNA. Das Duo Costner/Freeman würde gegen Egerton/Fox keine zwei Minuten überleben.

Der Hood des 21. Jahrhunderts ist martialisch, ein apokalyptisches Endspiel: alles vernichtende Feuersbrünste, spektakuläre Verfolgungsjagden und Kampfszenen lassen vergessen, dass hier tatsächlich nur mit Pfeil und Bogen hantiert wird.

Hauptdarsteller Taron Egerton sagt über das Remake des Traditionsstoffes, bei dem Leonardo DiCaprio als Produzent fungierte, Folgendes: "Unser Robin Hood ist anders als alle, die es vorher gab. Wir wo (Foto: StudioCanal Deutschland -)
Hauptdarsteller Taron Egerton am Filmset StudioCanal Deutschland -

Auf Hochglanz polierter Actionfilm

Für Humor, Romantik oder den einen oder anderen weiterführenden Gedanken ist in diesem auf Hochglanz polierten Actionfilm dagegen kein Platz.

Die Idee, aus Robin Hood einen Linksautonomen zu machen, der aus dem System heraus Widerstand leistet, ist interessant. Allerdings bleiben die aktuellen Bezüge doch zu sehr an der Oberfläche. Und Taron Egerton fliegt zwar überzeugend durch jede Actionsequenz, bleibt als Figur aber blass.

Robin Hood als Anführer einer Boyband

Den Anführer einer Boyband würde man ihm sofort abnehmen, den eines Bürgerkriegs eher nicht. Erst ganz am Ende des Films landet der Straßenkämpfer Robin dann da, wo er der Legende nach von Anfang an hingehört: im Wald.

Und ein neuer Gegner steht auch schon parat für eine eventuelle Fortsetzung. Denn wie es mit gesellschaftlichen Ungerechtigkeiten so ist: der Kampf geht immer weiter.

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