Gespräch

Regisseurin Claudia Müller: ,,Elfriede Jelinek hat gesagt, ich könne machen, was ich will”

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Kristine Harthauer

Wunderkind, Skandalautorin, Feministin, Modeliebhaberin, Kommunistin, Sprachterroristin, Enfant terrible, geniale, verletzliche Künstlerin – zum allerersten Mal wird hier in einem Kinofilm die Geschichte von Leben und Werk der unvergleichlichen Elfriede Jelinek erzählt, der ersten österreichischen Schriftstellerin, die mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet wurde.

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Viel Raum für die Sprache von Elfriede Jelinek

,,Ich wollte der Sprache von Elfriede Jelinek mal richtig viel Raum geben”, sagt Regisseurin Claudia Müller im Gespräch mit SWR2, ,,ohne Interviews von anderen”. Ihre Kinodoku ,,Elfriede Jelinek- Die Sprache von der Leine lassen" beschäftigt sich mit dem Leben und Schaffen der österreichischen Literatur-Nobelpreisträgerin.

Filmstill (Foto: Farbfilm Verleih)
Seit den 1960er Jahren hat Elfriede Jelinek ein komplexes, vielschichtiges und umfangreiches Werk aus Lyrik, Prosa, Hörspielen, Theaterstücken, Essays, Libretti, Drehbüchern und Übersetzungen geschaffen. Farbfilm Verleih

Die Steiermark als filmische Projektionsfläche

Die Filmemacherin hat dafür Material aus dem Archiv mit Texten und Interview-Tönen von Elfriede Jelinek kombiniert. Durch die Landschaftsaufnahmen habe sie so der Sprache Jelineks eine Fläche geben wollen. ,,Denn in der Steiermark sind eben die Orte und Motive, wo ihre Werke angesiedelt sind”, ergänzt Müller weiter.

Auch wollte sie die ganzen psychologischen Deutungen über Jelinek etwas herauslassen, denn oft werde ihr Werk auch gerade deshalb missverstanden. ,,Ich wollte ihr Werk lieber frei stehen lassen”, sagt sie, ,,und die Biografie als Rampe nutzen, um in das Werk reinzugleiten”.

Trailer ,,Elfriede Jelinek- Die Sprache von der Leine lassen", ab 10.11. im Kino

Film „Elfriede Jelinek – Die Sprache von der Leine lassen“ – Kinoportrait der Literaturnobelpreisträgerin

Elfriede Jelinek gehört zu den renommiertesten und zugleich wohl umstrittensten Stimmen der Gegenwartsliteratur. Lange Jahre in Österreich als „Skandal-Autorin“ geschmäht, erhielt sie 2004 den Literatur-Nobelpreis für ihr Werk. Seitdem hat sich die 75-Jährige aus der Öffentlichkeit zurückgezogen, schockiert von den negativen Reaktionen auf ihre Auszeichnung in der Heimat. Die Regisseurin Claudia Müller würdigt die scheue Künstlerin mit der Kinodoku „Die Sprache von der Leine lassen“, die beim Filmfest München Premiere feierte.  mehr...

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