SWR-Wiederholung der US-Serie Wie "Holocaust" ins Fernsehen kam

Erst mit der US-Serie "Holocaust" von 1978 etablierte sich der Begriff in Deutschland als Chiffre für den Völkermord an den Juden. 40 Jahre nach der Erstsendung wiederholen SWR, NDR und WDR jetzt die Serie über eine jüdische Arztfamilie in Berlin, unter anderem mit Meryl Streep. Außerdem zeigt die Dokumentation "Wie Holocaust ins Fernsehen kam" die Widerstände gegen die Serie, die aus Sicht von Doku-Regisseurin Alice Agneskirchner eine Zeitenwende herbeigeführt hat.

40 Jahre nach der ersten Ausstrahlung "Holocaust" - ein erschütterndes Medienereignis

Zwei Frauen in einer Menschenmenge halten sich im Arm, im Hintergrund ein Güterzug mit Menschen gefüllt. (Foto: picture alliance / dpa -)
Die Serie erzählt die Geschichte des Massenmords an den Juden emotional und lebensnah - und ermöglicht es dadurch erstmals einem Massenpublikum, sich mit der (eigenen) NS-Vergangenheit auseinander zu setzen. Die Resonanz ist überwältigend. Die Serie ist bei Ausstrahlung ein Medienspektakel, das Zuschauerrekorde bricht.Im Bild: Herr Lowy (George Rose) und seine Frau (Kate Jaenicke) werden gemeinsam mit Josef (Fritz Weaver) und Berta Weiss (Rosemary Harris) nach Auschwitz deportiert. picture alliance / dpa - Bild in Detailansicht öffnen
Die Ausstrahlung von "Holocaust" markierte einen Meilenstein der deutschen Erinnerungskultur. Nicht allen hat das gefallen. Der Rechtsterrorist Peter Naumann - heute Politiker der NPD - verübte Sprengstoffanschläge auf die Sendemasten in Koblenz und Münster, um die Ausstrahlung der TV-Serie zu verhindern.Im Bild der zerstörte Sendemast in Koblenz. SWR - Bild in Detailansicht öffnen

"Holocaust" - eine Zeit davor und eine Zeit danach

Die Regisseurin Alice Agneskirchner behandelt in ihrer Dokumentation "Wie Holocaust ins Fernsehen kam" die große zeitgeschichtliche Wirkung der US-Serie: "Für alle, die mit dieser Serie in intensiven Kontakt gekommen sind, gibt es eine Zeit davor und eine Zeit danach", so Agneskirchner in SWR2 über die Schockwirkung von "Holocaust".

Etwa die Hälfte der Deutschen habe 1979 mindestens eine der Folgen gesehen. Viele Wehrmachtsangehörige hätten sich nach der ersten Ausstrahlung beim WDR gemeldet und über eigene Erlebnisse und Gräueltaten berichtet.

„Davon habe ich nichts gewusst“

SWR2 Archivradio-O-Ton aus dem Jahr 1979 über die Zuschauerreaktionen auf die Ausstrahlung der Serie „Holocaust“ im WDR-Fernsehen:

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Kritik von Intellektuellen und Altnazis

Kritik habe es zum einen aus Intellektuellenkreisen am Stil der Hollywood-Serie gegeben, so die Regisseurin. Natürlich aber hätten sich auch Altnazis gemeldet, die sich über eine neue "Nestbeschmutzung" echauffiert hätten.

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In Koblenz wurde aus Protest gegen die Ausstrahlung ein SWF-Sendemast zerstört

SWR2 Archivradio-O-Ton:

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