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Regisseur Kilian Riedhof über seinen Film „Meinen Hass bekommt ihr nicht“

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INTERVIEW
Frauke Oppenberg

Die Nacht des 13. November 2015 änderte für den Pariser Journalisten Antoine alles: Bei dem islamistischen Terroranschlag auf den Pariser Club Bataclan verlor er seine Ehefrau Hélène, Mutter des gemeinsamen Sohnes Melvil. „Wie dieser Mann den Hass überwindet, indem er sich ganz der Liebe zu seinem Sohn widmet, das ist großartig", sagt Regiusseur Kilian Riedhof über seine Motivation zu diesem Film.

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„Zarte Geschichte“ mit persönlichem Blickwinkel

Als „sehr zarte Geschichte" empfand Kilian Riedhof den Bestseller des Journalisten Antoine Leiris über den Leidensweg von Antoine Leiris. „Dass ich den Film machen wollte, war sofort klar", so der Regisseur im Gespräch mit SWR2.

Besonders bewegt habe ihm der persönliche Blickwinkel auf den islamistischen Terroranschlag auf den Pariser Musikclub „Bataclan", beim dem Leiris' Ehefrau starb. Nur wenige Tage nach dem Attentat hatte Antoine Leiris, in einem bewegenden Social Media-Post erklärt: "Meinen Hass bekommt ihr nicht!"

„Es ist die Geschichte eines Mannes, der trauert, der Verzweiflung und Hass empfindet, aber auch die Geschichte, wie er diesen Hass überwindet.“

Filmstill (Foto: Tobis Film)
Die Nacht des 13. November 2015 ändert für Antoine (Pierre Deladonchamps) alles. Tobis Film Bild in Detailansicht öffnen
An diesem Abend sieht er seine Frau und Mutter seines erst 17 Monate alten Kindes Hélène (Camélia Jordana) zum letzten Mal. Sie wird an diesem Abend mit 89 weiteren Menschen Opfer des Terroranschlags auf den pariser Club „Bataclan“. Tobis Film Bild in Detailansicht öffnen
Während die Welt geschockt und in tiefer Trauer versucht, eine Erklärung für das Unfassbare zu finden, postet der Witwer auf Facebook einen offenen Brief ... Tobis Film Bild in Detailansicht öffnen
In bewegenden Worten wendet er sich an die Attentäter und verweigert „den toten Seelen“ seinen Hass – und den seines damals 17 Monate alten Sohnes Melvil. „Freitagabend habt ihr das Leben eines außerordentlichen Wesens geraubt, das der Liebe meines Lebens, der Mutter meines Sohnes, aber meinen Hass bekommt ihr nicht.“ Tobis Film Bild in Detailansicht öffnen
Seine Botschaft geht um die Welt und landet auf der Titelseite der Tageszeitung Le Monde, Fernsehauftritte folgen. Tobis Film Bild in Detailansicht öffnen
Im Ausnahmezustand zwischen medialer Aufmerksamkeit und unendlicher Trauer, muss Antoine sich nun vor allem seinem kleinen Sohn Melvil (Zoé Iorio) zuliebe in der neuen Realität zurechtfinden. Tobis Film Bild in Detailansicht öffnen

Geschichte über den Mythos Familie

Wie im Buch habe er nicht die Tat gezeigt, sondern die Reaktion von Leiris, die ihn stark bewegt habe, so Riedhof. Im Kern handele die Geschichte von einem Mythos – der Familie, das habe ihn interessiert. Mythen interessierten ihn generell, „weil sie mir etwas über das Mensch-Sein erzählen.“

Mit Liebe gegen den Hass

Konkret lehre die Geschichte des Vaters, der den Tätern in einem Post mitteilt, dass er sie nicht hassen kann: „Hass ist ein Gefühl, das nicht endet – das ist eine Spirale, bei der man Gefahr läuft, von diesem Gefühl aufgegessen zu werden.“ Deshalb gelte es, mehr zu lieben.

„Je mehr wir uns bewusst werden, was wir lieben, desto stärker sind wir gegen die Anfeindungen des Hasses.“

Trailer „Meinen Hass bekommt ihr nicht“, ab 10.11. im Kino

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