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In „The plot against America“ wird die Lebensgeschichte des jungen Philip Roth erzählt. Allerdings in einem fiktiven Amerika, in dem Faschisten unter dem Piloten Charles Lindbergh die Macht übernehmen. Viele haben das zuletzt als eine Vorwegnahme der Trump-Regierung gelesen. David Simon, Schöpfer der prägenden TV-Serie „The Wire“ hat aus dem Buch eine Miniserie gemacht, die ab 19.5. auf Sky zu sehen ist.

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
6:00 Uhr
Sender
SWR2

Amerikanischer Faschismus durch Kinderaugen

Es sind die Kinderaugen, durch die Philip Roth seine Version eines amerikanischen Faschismus schildert. Und auch David Simon bleibt in der Serie erst mal bei dem siebenjährigen Philip und seinem älteren Bruder Sandy, die im Jahr 1940 in einem jüdisch geprägten Viertel von Newark, New Jersey aufwachsen.

Serie „The plot against America “ von Ed Burns und David Simon

The plot against America (Foto: Pressestelle, Sky Media )
Sommer 1940, vor den Toren von New York City: Die jüdische Familie Levin lebt ein nahezu traumhaftes Vorstadtleben. Pressestelle Sky Media Bild in Detailansicht öffnen
Vater Herman Levin (Morgan Spector) ist erfolgreich als Versicherungsvertreter und soll befördert werden, wozu die Familie umziehen müsste. Doch die vorwiegend jüdische Gemeinschaft in der kleinen Vorstadt zu verlassen, wäre für die Levins zu riskant. Pressestelle Sky Media Bild in Detailansicht öffnen
Während der Zweite Weltkrieg Millionen Todesopfer fordert, werden Faschismus und Antisemitismus auch in den USA immer stärker. Pressestelle Sky Media Bild in Detailansicht öffnen
Maßgeblich dafür verantwortlich ist der Präsidentschaftskandidat Charles Lindbergh (Ben Cole). Er schürt Wut und Fremdenfeindlichkeit im Volk, um an die Macht zu kommen. Pressestelle Sky Media Bild in Detailansicht öffnen
Unterstützt wird Lindbergh von Rabbi Lionel Bengelsdorf (John Turturro), der die Kriegsambitionen des Kandidaten vollumfänglich teilt. Pressestelle Sky Media Bild in Detailansicht öffnen
Herman Levin kann nicht verstehen, wie der Rabbi sich so vor dem offen propagierten Antisemitismus Lindberghs verschließen kann. Pressestelle Sky Media Bild in Detailansicht öffnen
Als Lindbergh schließlich zum Präsidenten gewählt wird, beginnt für die Levins ein Kampf gegen die Zeit, bei dem es um das blanke Überleben geht. Pressestelle Sky Media Bild in Detailansicht öffnen

Politisch interessiertes Elternhaus

Philip sammelt Briefmarken wie der amtierende Präsident Franklin D Roosevelt. Sandy zeichnet leidenschaftlich gerne und entwickelt eine stille Bewunderung für den Flugpionier Charles Lindbergh, der sich zu Roosevelts Herausforderer aufschwingt.

Nachrichten werden in dem politisch sehr interessierten Haushalt übers Radio gehört, Philips Vater geht regelmäßig ins Kino, um dort in einer Art Wochenschau Neuigkeiten aus Europa, Adolf Hitler und den dortigen Krieg mitzubekommen.

Charles Lindbergh propagiert America first

Lindbergh, der amerikanische Held, dem so viele Herzen zufliegen, wirbt für einen amerikanischen Isolationismus. America first, keine Beteiligung am Krieg, außerdem greift er Juden offen an. Damit gewinnt er die Wahl und setzt als eine der ersten Maßnahmen eine Art Bildungsprogramm für jüdische Jugendliche auf, die auf dem Land die amerikanische Kultur nochmal so richtig kennen lernen sollen. Durch die Familie der Roths geht ein Riss.

Philip Roth und das Amerika Donald Trumps

Was zum Erscheinen des Romans von Philip Roth Anfang der 2000er Jahre als Zerrspiegel der Bush-Administration gesehen wurde, kann noch viel drastischer auf das Amerika Donald Trumps übertragen werden: Isolationismus, Personenkult, Emotionalisierung, antisemitische Stimmung, Spaltung.

Darauf spitzt David Simon die Serie zu, in klug dosierter Art und Weise. So führt er mit Philips Tante Evelyn und ihrem neuen Partner, einem patriotisch gesinnten Rabbi, gespielt von Winona Ryder und John Turturro, die Blindheit eines nationalistisch gesinnten Judentums auf prominente Weise vor.

Alternative Geschichtsschreibung boomt

Seit Trump ist das Genre der alternativen Geschichtsschreibung immer beliebter geworden. Anders als in der Serie „The man in the high castle“ hat man bei der „Verschwörung gegen Amerika“ aber viel weniger das Gefühl, sich in einer historischen Fiktion zu bewegen. Story und Charaktere wirken plausibel, authentisch.

Menschenverachtender Patriotismus

Der Miniserie gelingt es nicht immer gleich gut, die Handlungsstränge des Romans zu verknappen und zu bündeln. Ihre Haltung wird aber deutlich: Was ist guter, was menschenverachtender Patriotismus? Was macht eine Einwanderergesellschaft in ihrem Kern aus? Und wofür lohnt es sich wirklich zu kämpfen?

Diese sehr amerikanischen Fragen bringt die Miniserie prägnant wie fesselnd auf den Punkt. Viel zu schnell schlittert diese religiös geprägte, angstbesetzte und dennoch allzeit machtbewusste Nation hier in den Faschismus. Und so wird klar: Die „Verschwörung gegen Amerika“ ist ein eindringlicher, warnender Beitrag zum amerikanischen Wahlkampf.

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