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Im neuen Film des ungarischen Regisseurs Kornél Mundruczó verliert eine junge Frau ihr Kind bei der Geburt. Der Regisseur erfindet dabei mit Vanessa Kirby und Shia LaBoeuf in den Hauptrollen das Genre des Melodrams neu. Nach seiner Premiere beim Filmfestival in Venedig läuft der Film statt im Kino coronabedingt auf Netflix.

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Trügerische Sicherheit

Martha, eine junge Frau Anfang 30, lebt mit ihrem Mann zusammen und ist hochschwanger. Die Verhältnisse sind abgefedert mit bürgerlicher Behaglichkeit – inklusive einer selbstgewissen Moral und klaren Vorstellungen darüber, wie Dinge zu laufen haben im Leben. Dazu gehört auch die Idee einer Hausgeburt. Der Gatte hat dagegen gut versteckte Bedenken, aber er hat auf diesem Feld nicht viel zu melden.

"Pieces of a Woman" von Kornél Mundruczó (Foto: Pressestelle, Netflix)
Das Bostoner Paar Martha (Vanessa Kirby) und Sean (Shia LaBoeuf) steht kurz davor, Eltern zu werden. Sie entscheiden sich für eine Hausgeburt. Pressestelle Netflix Bild in Detailansicht öffnen
Was eigentlich der schönste Tag ihres Lebens werden soll, wird jedoch im Beisein der Hebamme (Molly Parker) zur Tragödie – das Kind von Martha und Sean stirbt. Pressestelle Netflix Bild in Detailansicht öffnen
Für Martha beginnt eine jahrelange Odyssee, bei der ihr Leben auseinander zu brechen droht. Pressestelle Netflix Bild in Detailansicht öffnen
Die Beziehung zu ihrem Ehemann Sean leidet von Tag zu Tag mehr. Pressestelle Netflix Bild in Detailansicht öffnen
Auch ihre dominante Mutter Elisabeth (Ellen Burstyn) macht ihr zu Schaffen. Pressestelle Netflix Bild in Detailansicht öffnen
Die verleumdete Hebamme (Molly Parker) landet derweil vor Gericht und muss sich verantworten. Pressestelle Netflix Bild in Detailansicht öffnen
Martha muss sich nun nicht nur den fragilen Beziehungen in ihrem Leben stellen, sondern auch der vermeintlichen Mörderin ihres Kindes vor Gericht gegenüberstehen. Pressestelle Netflix Bild in Detailansicht öffnen

Tragische Wende bei der Hausgeburt

Etwas zu beifallsheischend, etwas zu selbstgewiss ist die Inszenierung hier in ihrer Gesamtwirkung. Dann nimmt der Film eine radikale Wendung: Das Neugeborene läuft blau an und stirbt! Erst jetzt, nachdem er seine größte Intensität erreicht und überschritten und seine stärksten Bilder gezeigt hat, kommt der Film zum Kern seiner Geschichte: Das junge Paar, Martha und ihr Mann Sean, nicht immer plausibel gespielt von Vanessa Kirby und Shia LaBeouf, leben sich durch die schreckliche Erfahrung zusehends auseinander.

Kornél Mundruczó zerlegt das Genre des Melodrams

In der zweiten Filmhälfte wird dann alles konventioneller, folgt auch noch erkennbarer den Pfaden eines Melodrams im Hollywood-Stil: Vater Sean verklagt die Hebamme im Verbund mit Marthas herrischer Mutter, großartig gespielt von Ellen Burnstyn. So wie seine Hauptfigur zerlegt der ungarische Regisseur Kornél Mundruczó auch das Genre des Melodrams.

„Pieces of a Woman“ ist ein Film, dem es um die Intimität der Figuren geht: Das zeigt sich in fast jeder Einstellung: Immer wieder wird in Nahaufnahmen erzählt, gedreht wurde hauptsächlich in Innenräumen.

Die Macht des Zufalls

Die Macht des Zufalls ist es, die Mundruczó in diesem Film mit allen Mitteln des Kinos und einer virtuosen Überwältigungsästhetik entfaltet. Zwar bleibt es in der Schwebe, ob die Hebamme wirklich Mitschuld am Tod des Babys trägt, doch klar ist in jedem Fall, dass es darauf nicht eigentlich ankommt; denn ebenso gewiss ist, dass hier auch auf anderen zumindest Mitschuld lastet – das beginnt bereits mit der Entscheidung für die riskante Hausgeburt.

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