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Hommage an Fassbinder: François Ozons „Peter von Kant“ ist die perfekte Melange aus Original und Remake

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AUTOR/IN
Julia Haungs

François Ozon hat aus der lesbischen Liebesgeschichte in Rainer Werner Fassbinders Original eine schwule gemacht. Seine Adaption von „Peter von Kant“ ist ein Film über sich selbst und zugleich eine Verneigung vor seinem Idol. Damals wie heute dabei: die Fassbinder-Muse Hannah Schygulla. Die Hauptrollen übernehmen dieses Mal unter anderem Denis Ménochet und Isabelle Adjani.

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Toxische Beziehungen auf engem Raum

Dieser Film spielt ausschließlich in einer Wohnung. In François Ozons „Peter von Kant“ findet das größte Drama auf kleinstem Raum statt. In den privaten vier Wänden entwickelt sich eine toxische Dreiecksbeziehung, die Figuren kämpfen Machtverhältnisse aus und verzweifeln an der Unmöglichkeit der Liebe.

 

Filmstill (Foto: Berlinale Presse)
„Peter von Kant“ von Autor und Regisseur François Ozon mit Denis Ménochet und Isabelle Adjani in den Hauptrollen. Auch Hanna Schygulla, die im Original die Hauptrolle spielt, spielt mit. Berlinale Presse

Peter von Kant ist ein erfolgreicher Regisseur. Zusammen mit seinem stumm-devoten Assistenten Karl lebt und arbeitet er 1972 in einer Kölner Atelierwohnung. Als ihm seine Muse, die Schauspielerin Sidonie, den deutlich jüngeren Amir vorstellt, ist er sofort Feuer und Flamme. 

Spätestens als von Kant Amir durch die Linse seiner Kamera sieht, verliebt er sich hoffnungslos und verspricht, aus ihm einen Star zu machen. Die Affäre entwickelt sich bald zur toxischen Beziehung mit ungleichem Kräfteverhältnis.

 

Filmstill (Foto: Berlinale Presse)
Das Fassbinder-Original, „Die bitteren Tränen der Petra von Kant“ war eine Verarbeitung der eigenen Biografie des Regisseurs. François Ozon verquickt in „Peter von Kant“ nahezu perfekt Realität, Original und Remake zu einer filmischen Hommage an sein großes Idol. Berlinale Presse

Während es der strahlend schöne Amir mit der Treue nicht so genau nimmt, kann von Kant die selbst postulierte Freiheit und Ehrlichkeit in der Liebe kaum aushalten. Aus dem Machtmenschen und Manipulator wird ein Gedemütigter, der mehr als einmal bittere Tränen weint.

Rainer Werner Fassbinder neu interpretiert

Der Filmemacher Rainer Werner Fassbinder, das große Vorbild von François Ozon, drehte das Original „Die bitteren Tränen der Petra von Kant“ im Jahr 1972. Dass Ozon in seiner Adaption aus der lesbischen Liebesbeziehung des Originals eine schwule gemacht hat, wirkt schlüssig.

Schließlich gilt „Die bitteren Tränen der Petra von Kant“ als autobiografische Verarbeitung der unerwiderten Liebe Fassbinders zum Schauspieler Günther Kaufmann.

Perfekte Verquickung von Original und Remake

Ozon hat ein dichtes Geflecht an Verweisen auf Fassbinders Leben und Werk aufgespannt in seinem Film. „Peter von Kant“ ist damit zugleich ein Porträt seines Idols Fassbinder, in dessen Leben Liebes- und Arbeitsbeziehungen zu einer komplizierten Melange verschwammen.

Dass Fassbinders Muse Hannah Schygulla, die in „Petra von Kant“ die Rolle der grausamen jungen Liebhaberin spielte, bei Ozon als von Kants Mutter dabei ist, macht die Verquickung der Realität, des Originals und des Remakes perfekt.

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