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Nachdem der Capoeira-Meister Ezequiel in dem Film „Herren“ seinen Job verliert, putzt er nachts mit zwei Kollegen öffentliche Pissoirs. Auf ihren nächtlichen Touren durch Berlin sprechen die drei schwarzen Männer über ihre Träume, über Liebe und Frauen, aber auch über Alltagsrassismus und ihre Erfahrungen als Persons of Color.

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Als er den Film gedreht hätte, sagt Dirk Kummer, Regisseur von „Herren“, in SWR2 am Morgen, hätten viele gesagt, na ja, so schlimm sei es doch nicht, wir hätten doch schwarze Schauspieler*innen im Fernsehen. Auch ihm selbst sei nicht klar gewesen, welche Tragweite das Thema habe.

Die Hautfarbe lässt sich nicht verstecken

„Aber wie anders es ist, wenn man morgens aus dem Haus geht und jeder sieht, ich bin anders, ich seh' anders aus“, so Kummer. Es sei nicht wie mit einer Religion, die man verheimlichen könne oder die sexuelle Orientierung oder die politische Gesinnung — jeder sei immer erkennbar, beschreibt Kummer. Das sei ihm in diesem Ausmaß nicht klar gewesen — auch wie wenig man diese Menschen wahrnäme: „Sie sind da, aber nicht in der Mitte der Gesellschaft.“

Mehr als Chronik über Alltagsrassismus

Der Film basiert lose auf dem 1997 erschienen Roman „Gents“ des britischen Regisseurs Warwick Collins, der von einer karibischstämmigen Putzbrigade in London erzählt. Die Handlung wurde ins Berlin unserer Tage versetzt.

Anders als im Buch sei das Zentrum des Films aber die Hauptfigur mit all ihren familiären und beruflichen Schwierigkeiten — es solle aus dem Leben der Menschen, die mit Alltagsrassismus konfrontiert seien, erzählen, ohne sie darauf zu reduzieren, erklärt der Regisseur.

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