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Alkoholiker- und Sport-Drama, Geschichte von der Sehnsucht eines vereinsamten Mannes nach Normalität: "Out of Play" ist der zweite Film, den der Hollywoodstar Ben Affleck und der Hollywood-Routinier Gavin O'Connor als Regisseur zusammen gedreht haben. Schon die gemeinsame Arbeit am Film „The Accountant“ hatten beide sehr genossen.

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Sehnsucht nach Erlösung

Eine Baustelle, auf der eine riesige Straßenbrücke errichtet wird. Schweißbrenner, Krähne, heftig ratternde Maschinen, harte körperliche Arbeit – sofort, mit der ersten Szene des Films, sind wir mittendrin in einer proletarischen Welt, wie man sie so gut wie nie in einem deutschen Film zu sehen bekommt: Das weiße Amerika der Armen, Abgehängten, des White Trash, „weißen Mülls“, wie diese Schichten nicht einmal verächtlich, sondern einfach nur realistisch genannt werden.

Filmstill: Out of Play von Gavin O'Connor (Foto: Pressestelle, Warner Bros.)
Einst standen Jack Cunningham (Ben Affleck) alle Türen offen: In der Highschool war er ein Basketball-Phänomen und erhielt ein Universitäts-Stipendium. Pressestelle Warner Bros. Bild in Detailansicht öffnen
Er galt als das größte Talent des Landes, bis er eines Tages aus unbekannten Gründen aufhörte und damit seine Zukunft verspielte. Pressestelle Warner Bros. Bild in Detailansicht öffnen
Seit diesem Tag geht es steil bergab mit Cunningham. Er ertrinkt im Alkohol, der ihn seine Ehe und jede Hoffnung auf ein besseres Leben kostete. Pressestelle Warner Bros. Bild in Detailansicht öffnen
Als er überraschend gebeten wird, die Basketballmannschaft seiner Universität zu trainieren, hat er zunächst wenig Motivation. Pressestelle Warner Bros. Bild in Detailansicht öffnen
Die Basketballmannschaft hat ihre besten Zeiten hinter sich und Cunningham erklärt sich nur widerwillig bereit, sie zu trainieren. Pressestelle Warner Bros. Bild in Detailansicht öffnen
Doch Cunningham findet schnell einen Draht zu den Spielern, die zu einer Mannschaft zusammenwachsen und ihre Leistung steigern. Pressestelle Warner Bros. Bild in Detailansicht öffnen
Durch die Siege des Teams hat Cunningham endlich die Kraft, sich den Dämonen zu stellen, die ihn einst vom Basketball wegführten. Pressestelle Warner Bros. Bild in Detailansicht öffnen
Bereits im Film „The Accountant“ arbeiteten Regisseur Gavin O'Connor und Protagonist Ben Affleck zusammen. Eine Zusammenarbeit, die beide so genossen, dass es in „Out of Play“ wieder zu einer Kollaboration kam. Pressestelle Warner Bros. Bild in Detailansicht öffnen

Vom gefeierten Basketball-Star zum Trinker

Jack, gespielt von Ben Affleck, arbeitet als ganz normaler Bauarbeiter, vielleicht hat er vor vier Jahren Donald Trump gewählt. Er ist erst um die 40, hat aber sein Leben schon hinter sich: Einst war er ein Basketball-Star, gewann Pokale und die Herzen der Fans. Jetzt ist sein Feierabendbier nicht sein erstes, das gab es schon morgens unter der Dusche, das zweite zum Frühstück – Jack ist Alkoholiker. Sein einziger echter Kontakt außerhalb des Trinker-Universums ist seine Schwester.

Weg aus der existenziellen Sackgasse

Dann wird Jack von dem Durchschnitts-Team, bei dem er einst spielte, angesprochen, ob er die Mannschaft, die am Ende ist, trainieren könnte. Klar, dass das zur Gelegenheit wird, um aus der existenziellen Sackgasse herauszukommen. Dies ist kein klassischer Sportfilm, sondern eher ein persönliches Drama à la „Leaving Las Vegas".

Kino als Ersatz-Therapie fürs Publikum

Ein berührender, stellenweise sogar fesselnder Film, allerdings mehr in den Sport- und Teambuilding-Szenen , nicht in den gelegentlich moralisierenden, immer mit depressiver Klimpermusik untermalten Alkoholismus-Szenen. Früher gab es im Kino auch mal amüsante Säufer – das gilt im Kino von heute als "nicht mehr korrekt": Kino hat immer auch ein bisschen Therapie und Lektion fürs Publikum zu sein. So werden wir mit Ben Affleck alle bessere Menschen.

Sehnsucht nach Normalität

Aus dem Alkoholiker-und Sport-Drama wird die Geschichte von der Sehnsucht eines vereinsamten Mannes nach Normalität. Dabei ist dieser Film zuallererst einmal ein ziemlich normaler, im guten Sinn konventioneller Film: Es ist am Ende die gute alte amerikanische Geschichte vom Aufstieg der Underdogs von ganz unten, vom persönlichen Triumph.

Ben Affleck kuriert seine inneren Dämone selbst

Dieser Film ist gerade auch dadurch ein Mainstream-Film, dass er uns nicht in unserem Denken herausfordert. Aber es macht fraglos großen Spaß, Ben Affleck zuzusehen, wie er sich selbst dadurch kuriert, das er zur Leitfigur für einen Haufen junger Menschen wird, wie er Erfolgssträhnen feiert, sein Team wieder auf Vordermann bringt und dadurch auch sich selbst.

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