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In den USA ist eine Schattenwirtschaft von Arbeitsnomaden entstanden: zehntausende Menschen jenseits der 50 haben in der Wirtschaftskrise 2008 ihre Altersrücklagen verloren. Jetzt ziehen sie im Wohnmobil als Saisonarbeiter durchs Land, „Nomadland“ beleuchtet ihren Lebensstil. Bei der Oscarverleihung 2021 wurde „Nomadland“ mit sechs Oscars ausgezeichnet: Bester Film, beste Hauptdarstellerin Frances McDormand, beste Kamera und gleich drei Oscars für beste Regie, Film, bester Schnitt und bestes adaptiertes Drehbuch für Chloé Zhao. In vielen Kinos in Deutschland, die am 1.7.2021 wieder geöffnet haben, ist der Film zu sehen.

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Leben im Kleinbus

Die Zeiten, in denen Fern einen festen Beruf hatte, sind lange vorbei. Jetzt ist die vorweihnachtliche Aushilfsarbeit bei Amazon schon ein Top-Job, was Bezahlung und Extras angeht. Die Endfünfzigerin Fern, gespielt von Frances McDormand, schlägt sich als Saisonarbeiterin durch: auf einem Campingplatz, in einem Fast-Food-Restaurant oder bei der Rübenernte. In der Wirtschaftskrise 2008 hat sie alles verloren. Nach dem Tod ihres Mannes hat sie ihre Habseligkeiten in einen Van gepackt, tingelt durchs Land und hangelt sich von Job zu Job.

Filmstills (Foto: Disney Germany)
NOMADLAND erzählt die Geschichte von Fern (Frances McDormand), die wie viele in den USA nach der großen Rezession 2008 alles verloren hat. Nach dem wirtschaftlichen Zusammenbruch einer Industriestadt im ländlichen Nevada packt Fern ihre Sachen und bricht in ihrem Van auf, ein Leben außerhalb der konventionellen Regeln als moderne Nomadin zu erkunden. Disney Germany Bild in Detailansicht öffnen
Die Nomadin Fern wird von Oscarpreisträgerin (Frances McDormand) verkörpert. Regisseurin Chloé Zhao über die Dreharbeiten:. „Fran und ich verbrachten viel Zeit miteinander, bevor wir uns gemeinsam auf den Weg machten... Disney Germany Bild in Detailansicht öffnen
...Ich habe sie dabei sehr gut kennengelernt und viel über sie erfahren. Sie gehört nicht zu den Schauspielerinnen, die das Bedürfnis haben, endlos über ihre Figur zu reden. Ihr gefällt es, richtig anzupacken, sich körperlich „reinzuarbeiten“, sie mag Dinge, die man anfassen kann. Da lagen wir vollkommen auf einer Wellenlänge“, erinnert sich Zhao. Disney Germany Bild in Detailansicht öffnen
Der Film zeigt auch die echten Nomaden Linda May, Swankie und Bob Wells als Ferns Mentoren auf ihrer Erkundung der weiten Landschaften des amerikanischen Westens. Disney Germany Bild in Detailansicht öffnen
Chloé Zhaos berührendes Meisterwerk wurde bei der 93. Preisverleihung der Academy Awards mit dem Oscar® für den besten Film ausgezeichnet. Disney Germany Bild in Detailansicht öffnen
Frances McDormand gewann den Oscar® für die beste Hauptdarstellerin und Chloé Zhao für die beste Regie. Disney Germany Bild in Detailansicht öffnen

 Nomaden aus Überzeugung

Chloé Zhao idealisiert das Nomadenleben nicht. Sie lässt keinen Zweifel daran, dass die alten Menschen, die ein Leben lang arbeiten und am Ende trotzdem ohne jede Absicherung dastehen, vom Staat um ihre Lebensleistung betrogen wurden. Dennoch behandelt dieser Film seine Protagonisten nicht als Opfer der Umstände. Sie sind im Film Subjekte, die sich aktiv für einen Lebensstil entscheiden und ihre Arbeit, so nieder sie sein mag, mit Stolz und Würde verrichten.

Sensationellen Frances McDormand

Dass der Einblick in diese Schattenwelt so eindrücklich gelingt, liegt neben der leisen, einfühlsamen Regie an der sensationellen Frances McDormand als Fern. Im Gesicht der dreifachen Oscarpreisträgerin spiegelt sich die ganze Zerrissenheit einer Frau, die alle Sicherheiten verloren hat und sich dennoch vom Leben nicht unterkriegen lässt. „Nomadland“ ist ein Roadmovie der anderen Art und ein Denkmal für all jene, die unterwegs sind.

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