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Ode an Eckkneipen und Mutterliebe – „Heikos Welt“ von Dominik Galizia kommt in die Kinos

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Heiko ist eigentlich ein klassischer Verlierer um die 40 ohne Job oder Freundin, er lebt bei Mutti und trinkt zu viel. Plötzlich hat er ein Ziel im Leben: Dartspielen, um das Geld für die Augen-OP seiner Mutter zusammenzukratzen. Davon erzählt der Film "Heikos Welt" von Dominik Galizia aus Trier. Gedreht wurde der Film in realen Berliner Eckkneipen mit teils echtem Stammpublikum, sodass man den abgestandenen Rauch und das schale Bier förmlich riechen kann.

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Darts sorgt für die Wende im Leben des Protagonisten

Heiko ist einer, den man – nun ja – als klassischen Verlierer bezeichnen könnte. Er dürfte so um die 40 sein, er hat keinen Job, keine Freundin, er trinkt viel zu viel, lebt bei Mutti, pendelt zwischen deren Küchentisch und dem Tresen einer Eckkneipe.

Eines Abends stellt sich dort bei einem weiteren bierseeligen Abend heraus, dass Heiko eine Sache besser kann als fast alle anderen Menschen: Darts spielen, allerdings nur in sehr angetrunkenem Zustand.

So richtig Bewegung kommt in Heikos Karriere als Dartspieler erst, als ihm klar wird, dass er damit auch Geld verdienen kann. Geld, das er dringend dafür braucht, damit seine Mutter an den Augen operiert werden kann. Denn noch größer als sein innerer Schweinehund ist Heikos Liebe zu seiner Mama.

Heiko verliebt sich

Heiko hat plötzlich ein Ziel im Leben, er zieht durch die Eckkneipen Berlin, animiert andere mit Tricks gegen ihn und um Geld Darts zu spielen – der Sieg bei einem großen Darts-Kneipenturnier mit hohem Preisgeld scheint so gut wie sicher. Bis die mysteriöse Jadefuchs in sein Leben tritt – eine Spielerin, gegen die Heiko nicht nur beim Darts verliert, sondern in die er sich auch Hals über Kopf verliebt.

Die beiden schließen einen Pakt, ab da nimmt der Film so richtig Fahrt auf, das Ganze gipfelt in einem absurden Einbruch bei einem bekannten Schlagerstar. „Heikos Welt“ müsste eigentlich Dominiks Welt heißen, sagt der in Trier geborene Regisseur Dominik Galizia.

Der Trailer zum Film:

Ein Budget von nur 150.000 Euro

In die Tragikkomödie seien bei aller Abstrusität auch viele Themen und Situationen eingeflossen, die ihn schon lange beschäftigen bzw. mit denen er konfrontiert war. Letztlich habe er die Geschichte aber um den Hauptdarsteller Martin Rohde herum geschrieben, den er bei Videodrehs für verschiedene Musikgruppen kennengelernt hat.

Die Idee für die Internetserie „Heikos Welt“ war geboren. Beobachtet wurde Martin Rohde als Heiko fortan bei der Verrichtung alltäglicher Dinge, zum Beispiel beim Currywurst essen, beim Angeln oder Volleyball spielen. Irgendwann entstand dann die Idee für einen ausgewachsenen Film. Nur wollte den niemand finanzieren.

Letztlich hatte die Crew gerade mal 150.000 Euro für den Film zur Verfügung. Der Vorteil sei gewesen, dass auch niemand von außen mit reingeredet habe. Gedreht wurde „Heikos Welt“ in echten Berliner Eckkneipen, teilweise mit deren Stammpublikum.

Eine Ode an Berliner Eckkneipen

Fast alle Darsteller*innen sind keine ausgebildeten Schauspieler*innen, auch Martin Rohde nicht, der den Heiko spielt. Und der beim Münchner Filmfest im vergangenen Jahr als bester Schauspieler ausgezeichnet wurde. Das Ganze macht den Film so echt, dass man glaubt, den abgestandenen Rauch und das schale Bier in dem Film zu riechen.

„Heikos Welt“ ist auch eine Ode an die Berliner Eckkneipen. Das Ensemble sprüht vor Spielfreude, es tauchen Typen auf, die völlig skurril sind, und die doch fast jeder schon mal irgendwo irgendwie beobachtet hat.

Ihnen ihre Würde zu lassen, das war das große Ziel von Dominik Galizia. Ein hehrer Anspruch, der allerdings tatsächlich stellenweise dazu führt, dass das Thema Alkoholismus nicht wirklich kritisch beleuchtet wird.

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