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Quentin Tarantino und der Streit um die Pulp Fiction-NFTs: Ein wegweisendes Urteil erwartet

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INTERVIEW

„Insgesamt geht es um die Frage wie sich alte Verträge aus der Zeit vor Crypto ins hier und jetzt übertragen lasse”, sagt SWR2 Reporterin Katharina Wilhelm in Los Angeles zum neuen Streit um die Rechte an dem 1994 erschienen Kult-Thriller „Pulp Fiction“. Der Regisseur möchte eigene NFTs, Digital-Kunstwerke, basierend auf dem Film verkaufen, die Produktionsfirma Miramax lehnt das ab.

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Ein exklusives Geheimnis des Films

Die von Quentin Tarantino auf einer Kryptokonferenz angekündigten Non-Fungible Tokens — exklusive digitale Sammelobjekte — bestünden allem Anschein nach, so erklärt Katharina Wilhelm, aus eingescannten Seiten des handgeschriebenen und ungekürzten Drehbuchs, versehen mit einem Audiokommentar.

„Durch die Aufzeichnungen soll man ein Geheimnis des Films erfahren, das sonst niemand kennt“, sei auf der Webseite der Versteigerung angekündigt. Sie zeigten ikonische Szenen und durch die Kunstwerke solle man Einblicke in Tarantinos Schaffensprozess erlangen.

Produktionsfirma spricht von Vertragsverletzung

Die Produktionsfirma Miramax, der die Rechte an „Pulp Fiction“ ehören, wehrt sich dagegen. Tarantino handele gegen den damals geschlossenen Vertrag, er habe sich mit Miramax nicht abgestimmt und er behindere Miramax dabei, eigene NFTs zu verkaufen: „Es scheint, dass Miramax das auch in Planung gehabt hat“, so SWR2 Reporterin Wilhelm.

Der Kult-Regisseur hingegen ließ durch seine Anwälte verkünden, dass er im damals geschlossenen Vertrag sehr wohl das Recht erhalten hätte, Teile des Skripts zu veröffentlichen — das schließe auch NFTs ein.

Verträge im Filmbusiness müssen dem digitalen Markt gerecht werden

„Ich glaube es geht insgesamt um viel viel mehr“, ist Wilhelm überzeugt. „Neuere Filme werden mittlerweile mit einem NFT-Merchandise vertrieben“, sagt sie weiter, die Marvel-Franchise etwa habe hier eine Vorreiter-Rolle eingenommen „aber bei alten ist sowas nicht vorgesehen gewesen.“

Ein Urteil könnte daher jetzt wegweisend sein — nicht nur für die USA, sondern es könnte dann auch Vorbildfunktion für den europäischen und deutschen Markt haben.

Wilhelm prophezeit Folgeklagen — es gäbe noch viel Unklarheiten, wie sich die Rechtslage für Filmproduktionen im digitalen Zeitalter entwickelt. Ein weiteres Beispiel, dass die SWR2 Korrespondentin anbringt, sind etwa Streaming-Rechte, die bei sinkender Bedeutung des Kinos immer wichtiger werden. Die Schauspielerin Scarlett Johansson hatte deshalb 2021 Disney verklagt.

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