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Neue Musikfilme von Billie Eilish, Ariana Grande & Co: Nähe in Zeiten der Distanz

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Der Musikfilm erlebt eine Renaissance! Ariana Grande, Taylor Swift, Billie Eilish und andere Superstars des Pop haben abendfüllende Videos produziert, die auf verschiedenen Streaming-Plattformen exklusiv zu sehen sind. Der Hintergedanke: Wenn die Popstars aufgrund der Pandemie-Beschränkungen schon keine Stadien mehr füllen dürfen, sollen die Fans wenigstens auf dem Sofa zu Hause Nähe empfinden. SWR2 Musikkritiker Christoph Möller hat sich ein paar der Filme angeschaut, um herauszufinden, ob die Filme ihre Versprechen halten – und was sie vermissen lassen.

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  • Ariana Grande: „excuse me, i love you“ auf Netflix

Ein bombastischer Konzertfilm, in dem man Grande tanzend, kreischend und weinend bei ihrer Arena-Tour 2019 begleitet. In kurzen Zwischensequenzen kommt man ihr zwar scheinbar nah, doch „Excuse Me, I Love You” wirkt wie ein langatmiges Promo-Konzertvideo: langweilig.

Musikfilme werden mehr und mehr Teil der Verwertungsstrategie von Pop-Stars. Grandes Film ist die Drittverwertung einer Tour, zu der es schon ein Live-Album gibt.

  • Taylor Swift: „Folklore: The Long Pond Sessions“ auf Disney+

In diesem dokumentarischen Konzertfilm sieht man Taylor Swift, wie sie ihr Erfolgsalbum „Folklore“ einspielt, in einem kleinen Holzhütten-Studio. Zwischen den Songs spricht sie mit ihren Co-Produzenten Aaron Dessner und Jack Antonoff über die Stücke und wie es war, so ein Quarantäne-Album aufzunehmen.

Ein Gefühl von Nähe entsteht auch dadurch, so Medienwissenschaftlerin Laura Niebling, dass Swift als Produzentin des Films aufgeführt ist: „Man hat das Gefühl, man schaut hinter die Kulissen, weil die Künstlerinnen und Künstler selber in der Lage sind, Hand zu führen.”

  • Billie Eilish: „The World’s A Little Blurry“ auf AppleTV

Die Zweit- und Drittverwertungs-Dynamik mit visueller Aufbereitung als Video und Film-Event ist eine Goldgrube. Apple TV soll für Billie Eilishs Dokumentarfilm, der im Februar erscheint, 25 Millionen Dollar gezahlt haben.

Früher wurde mit solchen Musikfilmen die Zeit zwischen zwei Album-Produktionen überbrückt – während der Pandemie ist es die Zeit bis zur nächsten Tour. Selbst Paul McCartney hat inzwischen ein „Documentary Event“ gemeinsam mit Rick Rubin angekündigt.

Auffällig bei all diesen Filmen: Es sind keine journalistischen Annäherungen.Die Musiker*innen bestimmen selbst, was gezeigt wird und was nicht, es geht um Werbung für die eigene Marke.

Paul McCartney x Rick Rubin – A Forthcoming Documentary Event (Trailer)https://www.PaulMcCartney.com --- Paul McCartney x Rick Rubin – A forthcoming documentary event Coming SoonPosted by Paul McCartney on Wednesday, December 16, 2020

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