Filmkritik BlacKkKlansman von Spike Lee - Schwarzer Cop infiltriert den Ku-Klux-Klan

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Von Julia Haungs

Den Oscar für das "beste adaptierte Drehbuch" gewann 2019 "BlacKkKlansman". Es war der einzige Oscar für das Drama um einen afroamerikanischen Polizisten. Der amerikanische Autorenfilmer Spike Lee hat sich in seinem Werk der afroamerikanischen Emanzipation verschrieben. Seine Filme von „Do the right thing“ über „Malcom X“ bis zu „When the levees broke“ thematisieren das Spannungsverhältnis zwischen Schwarzen und Weißen und die lange Geschichte des Rassismus in den USA. Lees aktueller Film „BlacKkKlansman“ spielt vor fast 50 Jahren, ist aber eine Abrechnung mit dem rassistischen Amerika Donald Trumps. In der Hauptrolle dieses Mal nicht Lees Stammkraft Denzel Washington sondern dessen Sohn John.

Der erste schwarze Cop der Stadt

"Alle Macht dem Volk!"

Die USA Anfang der 1970er Jahre: Eine junge schwarze Generation begehrt gegen einen rassistischen Staat auf und geht für Bürgerrechte auf die Straße. Doch Ron Stallworth (John David Washington) will etwas fast noch Unerhörteres als Gleichberechtigung: In Zeiten krasser Diskriminierung will er die Seiten wechseln und Polizist werden.

"In dieser Stadt gab es noch nie einen schwarzen Cop. Sie sind der Mann, der neue Wege ebnen könnte."

Kinostart 23.08. BlacKkKlansman von Spike Lee

Die frühen 1970er Jahre, Zeit des gesellschaftlichen Umbruchs in den Vereinigten Staaten: Der junge Polizist Ron Stallworth (John David Washington) bekommt als erster Afroamerikaner einen Posten als K (Foto: upi Media -)
Die frühen 1970er Jahre, Zeit des gesellschaftlichen Umbruchs in den Vereinigten Staaten: Der junge Polizist Ron Stallworth (John David Washington) bekommt als erster Afroamerikaner einen Posten als Kriminalbeamter im Police Department von Colorado upi Media - Bild in Detailansicht öffnen
Bei seinen Kollegen stößt Stallworth nicht immer auf Freundlichkeit. Zwischen verstecktem Mobbing und offenem Fremdenhass geht der junge Beamte seinen Weg. upi Media - Bild in Detailansicht öffnen
Zunächst beauftragt man Stallworth, Undercover bei der Black-Power-Bewegung zu ermitteln, wo er sich mit der attraktiven Patrice (Laura Harrier) anfreundet. upi Media - Bild in Detailansicht öffnen
Doch Stallworth ist das nicht genug. Aus einer Laune heraus ruft er beim Ku-Klux-Klan an und gibt sich als weißer Rassist aus. Sein Plan: durch eine Undercover-Ermittlung den Klan lahmlegen. upi Media - Bild in Detailansicht öffnen
Nachdem sich Stallworth am Telefon ausführlich als Rassist darstellte, wird er umgehend in den örtlichen Ku-Klux-Klan aufgenommen. Natürlich kann er diese Rolle aber nur am Telefon und nicht bei den Treffen spielen. upi Media - Bild in Detailansicht öffnen
Damit niemandem dort die Abweichung zwischen den Stimmen der beiden Ermittler auffällt, üben sie ausführlich miteinander. upi Media - Bild in Detailansicht öffnen
Im Laufe der Ermittlungen verschmelzen die beiden Beamten immer mehr zu einer Person. upi Media - Bild in Detailansicht öffnen
Bei einem seiner zahlreichen Telefonate mit David Duke (Topher Grace) schafft Stallworth es sogar, den Grand Wizard des KKK höchstpersönlich von sich zu überzeugen. upi Media - Bild in Detailansicht öffnen
Die Anzeichen verdichten sich, dass der KKK in Colorado Springs einen großen Anschlag plant. Das Eis für die beiden Undercover-Ermittler wird immer dünner. upi Media - Bild in Detailansicht öffnen
BLACKkKLANSMAN von Regisseur Spike Lee erzählt eine Geschichte, die so absurd ist, dass man kaum glauben kann, dass sie sich in den 1970er-Jahren tatsächlich so zugetragen hat. upi Media - Bild in Detailansicht öffnen
Immer wieder zieht Lee im Film Parallelen zur heutigen Zeit und zeigt so auf, dass der Film bis heute kaum an Relevanz eingebüßt hat. upi Media - Bild in Detailansicht öffnen

Polizei, Bürgerrechtsbewegung und KuKluxKlan

Muss das System von außen zerschlagen werden oder ist Veränderung von innen möglich? Spike Lee lässt nicht nur die Polizei und die schwarze studentische Bürgerrechtsbewegung aufeinanderprallen, sondern führt noch eine dritte Lebenswelt ein: die der weißen Rechten. Ron Stallworth hat nämlich bald schon keine Lust mehr, für die Polizei von Colorado Springs schwarze Studenten auszuhorchen.

Stattdessen beschließt er spontan, den KuKluxKlan zu infiltrieren. Schnell hat er dessen obersten Anführer David Duke an der Strippe.

Bei einem seiner zahlreichen Telefonate mit David Duke (Topher Grace) schafft Stallworth es sogar, den Grand Wizard des KKK höchstpersönlich von sich zu überzeugen. (Foto: upi Media -)
Bei einem seiner zahlreichen Telefonate mit David Duke (Topher Grace) schafft Stallworth es, den Grand Wizard des KKK höchstpersönlich von sich zu überzeugen. upi Media -

Der Film beruht auf wahren Begebenheiten

Der reale Ron Stallworth hat sie in seinen Erinnerungen 2014 geschildert. Da er als Schwarzer nicht selbst zu den Klan-Treffen gehen kann, überredet er seinen weißen Kollegen Flip ihn zu doubeln. Der Coup gelingt: Flip alias Ron Stallworth wird Mitglied der lokalen KKK-Gruppe, einem gewaltbereiten Loser-Trupp aus Biedermännern, Säufern und Spinnern. Adam Driver als Flip ist die interessanteste Figur in diesem Film. Lange glaubt er, dass ihn als Teil der weißen Mehrheit der Kampf gegen Rechts nichts angeht. Doch bald muss er erkennen, dass er als Jude für den Klan eine genauso verhasste Minderheit ist wie die Schwarzen.

Nachdem sich Stallworth am Telefon ausführlich als Rassist darstellte, wird er umgehend in den örtlichen Ku-Klux-Klan aufgenommen. Natürlich kann er diese Rolle aber nur am Telefon und nicht bei den T (Foto: upi Media -)
Nachdem sich Stallworth am Telefon ausführlich als Rassist darstellte, wird er umgehend in den örtlichen Ku-Klux-Klan aufgenommen. Natürlich kann er diese Rolle aber nur am Telefon und nicht bei den Treffen spielen. upi Media -

Rassismus geht jeden etwas an – damals wie heute

Das ist die Botschaft, die mit fetten Lettern über diesem Film steht. Spike Lee will aufrütteln. Dementsprechend wenig subtil geht er vor. In einem wilden Stilmix kombiniert er pathosgeladene Montagen mit schrillbunten Elementen des Blaxploitation-Kinos der 1970er und überdrehten Komödienszenen, bei denen einem das Lachen aber immer wieder im Hals stecken bleibt. Denn die Kontinuitäten zum Heute sind nur allzu offensichtlich.

America first!

Der Sound von Donald Trump und den Vertretern des White Supremacy-Umfelds sind in diesem Film ständig präsent. Am Ende spannt Lee den Bogen dann auch ganz explizit bis ins Heute und lässt den Film mit dokumentarischen Bildern von der Neonazi-Demonstration aus Charlottesville enden. Sie fügen sich beängstigend nahtlos in den Film ein. Genauso wie die verstörend ambivalente Reaktion von Donald Trump auf die rechte Gewalt.

Der afroamerikanischen Autor James Baldwin hat in den 1970ern über die lange Tradition des Rassismus in den USA geschrieben: „Die Geschichte ist nicht die Vergangenheit, Geschichte ist die Gegenwart. Wir sind unsere Geschichte.“ Mit „BlacKkKlansman“ hat Spike Lee einen eindrücklichen Beweis dieser These geliefert.

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