Netflix-Serie „Wednesday“ (Foto: IMAGO, Picturelux)

Viraler Streaming-Hit

„Wednesday“ bricht Rekorde: Der kalkulierte Erfolg der neuen Netflix-Serie

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Dominic Konrad

Die neue Teenager-Mystery-Serie „Wednesday“, am 23. November bei Streaming-Gigant Netflix veröffentlicht, bricht Rekord um Rekord. Das Geheimnis des Erfolgs: Instagram-taugliche Ästhetik, Regie-Legende Tim Burton und eine der beliebtesten Familien der Filmgeschichte.

Netflix-Serie „Wednesday“ (Foto: IMAGO, Picturelux)
Wednesday (Jenna Ortega) hat einen treuen Begleiter bei allen Streizügen durch die Wälder rund um die Nevermore Academy: Das körperlose und doch quicklebendige Eiskalte Händchen, gespielt vom rumänischen Zauberkünstler Victor Dorobantu. Picturelux

Netflix' neue Serie „Wednesday“ wird aus dem Stand einer der größten Erfolge des Streamingdienstes

Die Veröffentlichung war mit großer Spannung erwartet worden: Am 23. November startete Netflix die neue Serie „Wednesday“. Die Mystery-Horror-Serier um die leichenblasse Wednesday Addams (gespielt von Jenna Ortega) landete direkt zum Start in 83 Ländern an der Spitze der Netflix-Charts.

Innerhalb der ersten Woche wurden mehr als 341 Millionen Stunden der Serie gestreamt. Damit ist „Wednesday“ das erfolgreichste englischsprachige Seriendebüt in der Geschichte des Streaming-Giganten. Nur die koreanische Serie „Squid Game“ wurde innerhalb der ersten sieben Tage noch häufiger gestreamt.

Netflix-Serie „Wednesday“ (Foto: IMAGO, Picturelux)
Pechschwarze Zöpfe, viktorianisches Kragenkleid und dunkle Augenringe: Serienheldin Wednesday Addams, gespielt von Jenna Ortega. Picturelux Bild in Detailansicht öffnen
Auch unter den Schülerinnen und Schülern der Nevermore Academy, allesamt Vampire, Werwölfe, Gorgonen und Sirenen, sticht Wednesday (Jenna Ortega) mit ihrer Vorliebe für die Farbe Schwarz heraus. Picturelux Bild in Detailansicht öffnen
Die liebe Verwandschaft: Wednesdays Vater Gomez (Luis Guzmán), Mutter Morticia (Catherine Zeta-Jones) und Bruder Pugsley (Isaac Ordonez) auf Besuch beim Tag der offenen Tür in der Nevermore Academy. Picturelux Bild in Detailansicht öffnen
Freund, Feind oder vielleicht sogar noch mehr? Wednesday (Jenna Ortega) weiß nicht, was sie vom Mitschüler Xavier (Percy Hynes White) halten soll. Picturelux Bild in Detailansicht öffnen
Schulleiterin Larissa Weems (Gwendoline Christie) war früher die Mitbewohnerin von Wednesdays Mutter Morticia. Heute ist ihr die aufmüpfige Addams-Tochter ein Dorn im Auge. Picturelux Bild in Detailansicht öffnen
Leidenschaftliche Liebe auch nach langen Jahren Ehe: Morticia (Catherine Zeta-Jones) und Gomez (Luis Guzmán). Picturelux Bild in Detailansicht öffnen
Unerwarteter Besuch hilft Wednesday bei ihren Ermittlungen: Onkel Fester (Fred Armisen). Picturelux Bild in Detailansicht öffnen

Auch wenn der Riesenerfolg in seiner Deutlichkeit nicht vorhersehbar war, kommt er wenig überraschend. Netflix hat ein bewährtes Rezept für Hit-Serien und exerziert es mit „Wednesday“ präzise durch: bekannte Franchises mit Nostalgie-Faktor, zugkräftige Künstler*innen und eine Inszenierung, die wie gemacht ist für Instagram, TikTok und Konsorten.

Die Addams Family:  Amerikas liebste Wiedergänger*innen

Wednesday Addams, die Titelheldin des neuen Netflix-Hits, ist der Spross der illustren Addams Family, einer der bekanntesten Familien der Filmgeschichte. Wednesday, Vater Gomez, Mutter Morticia, Bruder Pugsley und Onkel Fester pflegen eine morbide Lust an Okkultismus, Folter und gegenseitigen Mordversuchen, mit der sie ihre „normalen“ Nachbar*innen immer wieder auf die Palme bringen.

Comiczeichner Charles Addams erschafft die Familie 1938 für die Zeitschrift „The New Yorker“. 1964 produziert der TV-Sender ABC auf der Grundlage seiner Cartoons eine erfolgreiche TV-Sitcom. Unzählige Wiederholungen im Familienprogramm machen die Serie vor allem auch bei Kindern und Jugendlichen beliebt.

„Die Addams Family in verrückter Tradition“ (Foto: IMAGO, United Archives)
Die beiden „Addams Family“-Filme der 1990er-Jahre sind bis heute Kult. Unvergesslich sind Anjelica Houston und Raúl Juliá als Morticia und Gomez. Die Fortsetzung der Filmreihe scheiterte am unerwarteten Tod von Juliá im Oktober 1994. United Archives

Es folgen zahlreiche Umsetzungen im TV und auf der großen Leinwand, als Zeichentrick und Broadway-Musical. Die wohl prägnantesten darunter sind die Kinofilme „Addams Family“ (1991) und „Die Addams Family in verrückter Tradition“ (1993), die bis heute Kultstatus genießen.

Selbstverständlich sucht die neue Netflix-Serie gezielt die Verbindung zu den erfolgreichen 90er-Filmen. Christina Ricci, die 1991 in der Rolle der Wednesday zu einem der gefragtesten Kinderstars avancierte, spielt in der neuen Serie als Lehrerin Marilyn Thornhill eine zentrale Rolle.

Tim Burton: Der ultimative „Addams“-Regisseur

Als im Oktober 2020 bekannt wird, dass Netflix ein (zu diesem Zeitpunkt noch nicht klar umrissenes) Projekt zur „Addams Family“ plant, sorgt ein Name für große Schlagzeilen: Tim Burton.

Burton gilt als ein Meister des Makabren. Seine Filme, darunter Klassiker wie „Edward mit den Scherenhänden“ (1990), „A Nightmare Before Christmas“ (1993) oder „Sleepy Hollow“ (1999), zeichnen sich durch eine wiedererkennbar düster-groteske Ästhetik aus, die der von Charles Addams nicht unähnlich ist.

Die „Addams Family“ und der Regisseur gelten schon in den 1990ern als perfekte Kombination. Burton ist 1990 gesetzt als Regisseurs des Kino-Remakes, lehnt aber schließlich wegen seiner Verpflichtungen für „Batmans Rückkehr“ ab. Ein geplanter Stop-Motion-Animationsfilm im Jahr 2010 kommt nie zustande.

Tim Burtons Mitwirken verleiht dem Projekt Gewicht und macht „Wednesday“ zu einem der meisterwarteten Neustarts auf Netflix. Laut Branchenblatt „The Wrap“ folgen bereits vor Launch 24 Millionen User*innen der Serie.

Netflix-Serie „Wednesday“ (Foto: IMAGO, Picturelux)
Addams Family meets Catwoman: Bei einem Bootsrennen an ihrer neuen Schule muss Wednesday (Jenna Ortega) unfreiwillig im hautengen Bodysuit mit Katzenohren antreten. Picturelux

Ein Goth-Girl wie gemacht für Instagram und TikTok

Die neue Serie schlägt eine Brücke zwischen den bisherigen Inkarnationen der „Addams Family“ und den erfolgreichen Teenie-Mystery-Hits des Streaming-Giganten wie „Riverdale“ und „The Chilling Adventures of Sabrina“. Beide sind ebenfalls erfolgreiche Adaptionen nostalgiegeladener Comic-Klassiker.

Die düstere Goth-Ästhetik, die „Wednesday“ genussvoll zelebriert, ist zudem ein gefundenes Fressen für das junge Publikum in den sozialen Netzwerken. Hunderttausende Fanarts, Make-Up-Tutorials, Cosplay-Selfies und Videoclips fluten bereits wenige Tage nach der Veröffentlichung die sozialen Medien.

Besonders beliebt: eine Szene in der vierten Folge, in der Wednesday beim Schulball ihren Tanzpartner Tyler (Hunter Doohan) mit ihrem eigenwilligen Tanzstil beeindruckt. Unter #WednesdayChallenge stellen Userinnen und User auf TikTok die Szene nach und sorgen dafür, dass „Wednesday“ ein Leben über Netflix hinaus erhält.

Eine Szene wird zum viralen Hit: die „Wednesday Challenge“ überschwemmt TikTok

Mit „Wednesday“ bedient Netflix alle gleichzeitig die Addams-Nostalgiker*innen, die Burton-Fans und die TikTok-Community. Dass die Kritik der Serie nur bedingte Originalität zuspricht, kümmert die Zuschauer*innen herzlich wenig. Dem Streaming-Giganten ist es gelungen, die Erfolgsformeln hinter Serien wie „Riverdale“, „Stranger Things“ und „The Witcher“ einmal mehr zu reproduzieren. Man kann davon ausgehen, dass die zweite (und wahrscheinlich die dritte) Staffel bald bestätigt werden. Die Fans werden es danken.

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