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In einer Altberliner Eckkneipe treffen ein alt eingesessener Ostberliner und ein zugezogener Filmstar aufeinander. Was als schwarze Komödie über Gentrifizierung beginnt, entwickelt sich zum abgründigen Psychothriller. Der höchst unterhaltsame Film von und mit Daniel Brühl hatte auf der Berlinale Premiere und startet am 14.7. in den Kinos.

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Auf dem Weg zum internationalen Durchbruch

Durch die Panoramascheibe des Penthouses in Berlin Prenzlauer Berg sieht das Leben ziemlich rosig aus. Hier wohnt Daniel. Er ist Filmstar. Ein Casting für einen Superheldenfilm in London soll den internationalen Durchbruch bringen. Auf dem Weg zum Flughafen kehrt der Schauspieler in seinem Stammlokal ein, einer Altberliner Eckkneipe. Hier trifft er Bruno.

„Nebenan“ von Daniel Brühl (Foto: Pressestelle, Berlinale)
Daniel (Daniel Brühl) ist ein Filmstar: Er hat Erfolg, Geld und eine traumhafte Wohnung mitten in Berlin. Pressestelle Berlinale Bild in Detailansicht öffnen
Mit seiner Frau und den beiden Kindern blickt er dem Durchbruch in Hollywood entgegen. In London soll Daniel für einen Superheldenfilm vorsprechen. Pressestelle Berlinale Bild in Detailansicht öffnen
Kurz vor Abflug nach London geht er noch einmal in seine Stammkneipe, um in Ruhe den Text zu üben. An der Theke trifft er dort auf den ihm unbekannten Bruno (Peter Kurth). Pressestelle Berlinale Bild in Detailansicht öffnen
Bruno verwickelt Daniel in Smalltalk. Er kennt nicht nur alle Filme des Schauspielers, er kennt sich auch erschreckend gut in Daniels Privatleben aus. Pressestelle Berlinale Bild in Detailansicht öffnen
Mit jeder Minute dieses seltsamen Gesprächs wächst Daniels Verwunderung. Und seine Angst. Pressestelle Berlinale Bild in Detailansicht öffnen
Regisseur und Hauptdarsteller Daniel Brühl Pressestelle Berlinale Bild in Detailansicht öffnen

 Ostdeutscher Wendeverlierer gegen westdeutschen Verdränger

Bruno und Daniel wohnen im gleichen Haus, aber in verschiedenen Welten. Und dass die Welt des einen beständig zusammenschrumpft, hat auch damit zu tun, dass die des anderen immer mehr Raum einnimmt. „Nebenan“ erzählt von sozialer Ungleichheit an den verschiedenen Enden der Gentrifizierung. Alteingesessener Wendeverlierer der eine, finanzstarker Verdränger aus Westdeutschland der andere. Aber die Eckkneipe ist Brunos Revier. Und heute will er Daniel bestrafen: für sein wichtigtuerisches Gehabe, die lauten Telefonate auf dem Balkon oder das scheinbar perfekte Familienleben, das er tagtäglich beobachtet.

Gut getimtes Kammerspiel mit Daniel Brühl und Peter Kurth

Peter Kurth als Bruno mag mit seinem Schmerbauch im beigen Rentneroutfit nicht ganz so eindrucksvoll wirken wie der Schurke in einem Superheldenfilm. Aber Daniel muss bald feststellen, dass er allen Grund hat, sich vor diesem gut informierten Nachbarn zu fürchten. Was zwischen vergilbten Gardinen, Filterkaffee und Sülze als schwarze Komödie beginnt, entwickelt sich zu einem Psychothriller.

Drehbuch von Bestsellerautor Daniel Kehlmann

Daniel Brühl inszeniert sein Regiedebüt „Nebenan“ als abgründiges Eckkneipen-Kammerspiel, mit einem guten Gespür für Timing. Die Vorlage liefert das Drehbuch von Daniel Kehlmann. Der Bestsellerautor öffnet eine Falltür nach der anderen für den anfangs so überheblichen Filmstar und lässt ihn freudig in die Abgründe seines privilegierten Lebens stürzen. Quasi im Vorbeigehen rechnet der Film auch noch mit Hollywood, der deutschen Filmbranche und der Celebrity-Kultur ab.

 Finaler Kampf um den Kiez in der Eckkneipe

Die Dramaturgie mag einigermaßen vorhersehbar sein. Trotzdem ist es ein großes Vergnügen, Daniel Brühl als einer wenig schmeichelhaften Version seiner selbst und dem undurchschaubaren Peter Kurth dabei zuzusehen, wie sie in der Eckkneipe final ausfechten, wem der Kiez gehört. Nach diesem Film wird man jedenfalls nie mehr die Anonymität der Großstadt beklagen, sondern zu Hause ganz schnell die Vorhänge zuziehen und deutlich leiser telefonieren.

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