STAND
INTERVIEW

Erstmals durfte ein Filmteam umfassend den Redaktionsalltag bei der BILD-Zeitung dokumentieren. Entstanden ist daraus die Serie „BILD.Macht.Deutschland?“ für das Streaming-Portal „Amazon Prime“. Ein Format, das durchaus neue Einblicke in den Alltag der umstrittenen Boulevard-Zeitung biete, so Moritz Tschermak in SWR2, Leiter des BILDblogs, der fehlerhafte BILD-Geschichten nachrecherchiert und richtigstellt.

Audio herunterladen (6,9 MB | MP3)

Ärger in der Redaktionssitzung bei BILD

Gezeigt würden beispielsweise Redaktionskonferenzen, in denen es auch kritisch werde. „Da gibt es Widerworte in der Konferenz, Kritik an nicht funktionierenden Abläufen, Kritik auch direkt am Führungsstil von Chefredakteur Julian Reichelt“, so der Leiter des BILDblogs.

Bemerkenswert seien Szenen, wie Reichelt und Kollegen von Horst Seehofer direkt ins Bundesinnenministerium bestellt würden und auf diese Weise exklusiv über eine Razzia gegen die Hisbollah in Deutschland berichten könnten. Etwas erschreckend sei das für ihn gewesen, so Tschermak, dass Seehofer die BILD hier offensichtlich als geeigneten Medienpartner betrachtet habe.

Kampagne der BILD gegen Christian Drosten: Fehler kommen zu kurz

Auch andere Teile der Serie blieben fragwürdig, zum Beispiel der angeblich offene Umgang der BILD mit eigenen Fehlern. Hier würden letztlich nur Ungeschicklichkeiten, etwa Schreibfehler behandelt, journalistisch fragwürdige Berichte der BILD wie beispielsweise die Kampagne gegen den Virologen Christian Drosten dagegen nicht.

Gespräch „Antifaschismus“ und „Polizeigewalt“: Horst Seehofer, die taz und die Rückkehr des Lagerdenkens

Es sei schockierend, dass Horst Seehofer die Bild-Zeitung für seine Botschaft gewählt habe, böse Linke wollten Menschen gegen die Polizei auf die Straße treiben, so die Publizistin Jagoda Marinic in SWR2 zur Debatte über den Bundesinnenminister, der eine Anzeige gegen eine Kolumnistin der Tageszeitung „taz“ erwogen hatte. „Er stellt hier ganz alte Lager wieder her, rechts gegen links, Antifaschismus gegen Polizeigewalt – er polarisiert die Gesellschaft, die er eigentlich zusammenbringen sollte – und das als Bundesinnenminister“, so die Publizistin.
Natürlich könne man die Kolumne in der „taz“ als aggressiv bewerten. Polizisten war in dem satirischen Beitrag nahegelegt worden, sie sollten im Falle der Abschaffung der Polizei auf der Müllhalde arbeiten. Auf der anderen Seite, so Marinic, könne man fragen: „Herr Seehofer, wurde während der vergangenen fünf Jahre nicht so viel gesagt, wofür sie, wenn Sie inneren Frieden wollen, Menschen hätten anzeigen können?“ Seehofers Drohung sei letztlich ein Einschüchterungsversuch gegenüber Migrant*innen. Nachdem zuletzt ernsthaft über Alltags-Rassismus in Deutschland diskutiert worden sei, betreibe der Bundesinnenminister nun eine „Diskursverschiebung“. Auf einmal werde statt dessen darüber geredet, was eine Migrantin in einer Kolumne schreiben dürfe.  mehr...

SWR2 am Morgen SWR2

STAND
INTERVIEW