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„Monsieur Claude und sein großes Fest“ – Verteidigung des alten weißen Mannes

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Rüdiger Suchsland

Seit seine vier Töchter vier Männer aus vier jeweils unterschiedlichen kulturellen Milieus geheiratet haben, ist für „Monsieur Claude“ der Clash der Kulturen Alltag. Im dritten Teil der Reihe soll der 40. Hochzeitstag von Claude und seiner Frau gefeiert werden. Weil sich die komplette Familie angekündigt hat, droht in dieser französischen Erfolgskomödie neues Multi-Kulti-Chaos. „Monsieur Claude und das große Fest" ist genau das, was Kino und Gesellschaft gerade brauchen.

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Clash of Cultures die Dritte

Er hat es wirklich nicht leicht mit seinen vier eher nichtsnutzigen und maulheldenhaften Schwiegersöhnen: der konservative Patriach Claude Verneuil. Noch viel schlimmer wird alles dadurch, dass alle vier Schwiegersöhne aus vier unterschiedlichen kulturellen Milieus stammen. Allesamt denkbar weit entfernt von der allgemeinen Vorstellung des „klassischen Frankreichs“: Ein Chinese, ein muslimischer Araber, ein Jude und ein Schwarzafrikaner.

Filmstill (Foto: Neue Visionen Filmverleih)
In seinem Haus sind viele Wohnungen... Monsieur Claude trainiert schon mal Gastfreundschaft für Fortgeschrittene, denn Marie (Chantal Lauby) und Claude Verneuil (Christian Clavier) werden in puncto Toleranz ganz schön auf Trab gehalten. Neue Visionen Filmverleih Bild in Detailansicht öffnen
40 Jahre und noch viel mehr: Noch ahnen Marie (Chantal Lauby) und Claude Verneuil (Christian Clavier) nichts von dem gigantischen Überraschungskommando ihrer Töchter zur Rubinhochzeit. Neue Visionen Filmverleih Bild in Detailansicht öffnen
Charles (Noom Diawara) und Laure üben sich in diplomatischer Gelassenheit, während sich ihre Väter in der geübten Polemik ihres Verbal-Duells gefallen. Neue Visionen Filmverleih Bild in Detailansicht öffnen
Mein täglich Brot bring mir heute: Odile (Alice David) und ihre Eltern Marie (Chantal Lauby) und Claude Verneuil (Christian Clavier) können sich über den erbitterten Brotstreit im Hause der Schwiegereltern Benichou nur wundern. Neue Visionen Filmverleih Bild in Detailansicht öffnen
Wölkchen ziehen auf am Liebeshimmel: Chao (Frédéric Chau) und Ségolène (Émilie Caen) haben leichte künstlerische Differenzen. Vielleicht bringt die Zukunft doch noch einen besseren Schwiegersohn? Claude träumt schon mal den Scheidungstraum... Neue Visionen Filmverleih Bild in Detailansicht öffnen
Dank Klimwandel jetzt noch trockener: André Koffi (Pascal N'Zonzi) möchte wegen seines Rheumas der Regenzeit an der Elfenbeinküste entfliehen und mit seiner Frau Madeleine (Salimata Kamate) auf unbestimmte Zeit in Frankreich bleiben. Sohn Charles (Noom Diawara) hofft auf einen eher kurzfristigen Abschied. Neue Visionen Filmverleih Bild in Detailansicht öffnen
Ladies Night Out! In feucht-fröhlicher Eintracht – und ohne ihre Männer – feiern sich Moktaria Benassem (Farida Ouchani), Sarah Benichou (Nanou Garcia), Xhu Ling (Li Heling), Marie Verneuil (Chantal Lauby) und Madeleine Koffi (Salimata Kamate) durch das kleinstädtische Nachtleben. Neue Visionen Filmverleih Bild in Detailansicht öffnen
Eine Sause für Banausen: In seltenem Gleichklang suchen André Koffi (Pascal N'Zonzi), Dhong Ling (Bing Yin), Christian Clavier (Claude Verneuil), Abbes Zahmani (Mohamed Benassem) und Isaac Benichou (Daniel Russo) die Bars nach ihren Frauen ab und hoffen selbst auf eine spontane Partynacht. Neue Visionen Filmverleih Bild in Detailansicht öffnen
Fantastische Vier...: André (Pascal N'Zonzi) und Madeleine Koffi (Salimata Kamate) sowie Marie (Chantal Lauby) und Claude Verneuil (Christian Clavier) teilen eine fromme Minute. Neue Visionen Filmverleih Bild in Detailansicht öffnen
Oh wie schön ist Frankreich: Claude Verneuil (Christian Clavier) präsentiert den multikulturellen Schwiegereltern in stolzer Gastgeberlaune die umliegenden Sehenswürdigkeiten. Neue Visionen Filmverleih Bild in Detailansicht öffnen


Ein schwarzer Jesus und der alte weiße Mann

„Monsieur Claude ist chronisch überfordert von den unterschiedlichen Feiertagen wie Zuckerfest, Opferfest und Sabbat, von Essgewohnheiten und Diäten, von der gewöhnungsbedürftigen Kunst seiner einen Tochter und den Klimapredigten der anderen.

Und dann die Entscheidung des örtlichen Stadttheaters, dass ausgerechnet sein Schwiegersohn Charles in der nächsten Inszenierung den Jesus spielen soll: Ein schwarzer Jesus! Der dritte Teil der Geschichte um Monsieur Claude und seine Töchter nimmt jene Perspektive ein, die man heute gern auf die des „alten weißen Mannes" reduziert.


Jeder bekommt sein Fett ab in diesem Film

Inhaltlich kreist der Film um den vorstehenden 40. Hochzeitstag von Claude und seiner Frau. Die vier Töchter planen eine Überraschungsparty mit der kompletten Familie, also auch den acht Schwiegereltern. Jeder bekommt hier sein Fett ab: Männer, Frauen, Chinesen, Schwarze, Araber, Juden.

Die politische Pointe dieses Settings liegt darin, dass der Film einigen Aufwand damit betreibt, dem Publikum klarzumachen: Das Denken in Vorurteilen ist keineswegs ausschießlich Weißen vorbehalten. Zumindest in der Haltung dem Anderen gegenüber, sind alle gleich.

Filmstill (Foto: Neue Visionen Filmverleih)
Regisseur Philippe de Chauveron inszenierte in "Monsieur Claude" die traditionsverhaftete Generation seiner Hauptfigur, macht sich aber zugleich über die Haltung des Patriarchen lustig. Neue Visionen Filmverleih

Vorhersehbarer Kassen-Booster

Nicht alle Witze sind geglückt: Um richtig witzig zu sein, müsste der Film eher politisch unkorrekter werden, müsste seine Witze pointierter setzen. Handwerklich und stilistisch ist der Film ist viel besser, als die deutlich schwächere Fortsetzung 2019.

Ein über weite Strecken gut gemachter, kurzweilig erzählter Film, eine in sich runde Mainstream-Komödie, die auch an der Kinokasse gut funktionieren dürfte. Damit ist dieser Film genau das, was das Kino gerade in Zeiten seiner schweren Post-Corona-Depression braucht. Ein Kassen-Booster.

Trailer „Monsieur Claude und sein großes Fest“, ab 21.7. im Kino

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