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Gefährliche Rettung aus Afghanistan – Wie die Mission „Kabul Luftbrücke“ den Austausch zwischen Zivilgesellschaft und Politik stärkt

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INTERVIEW
Martin Gramlich

Als vor knapp einem Jahr die Taliban die Macht in Kabul zurück erobert haben, versuchten Tausende Afghanen und Afghaninnen verzweifelt, das Land zu verlassen. Die NGO „Kabul Luftbrücke“ hat daraufhin auf eigene Faust Rettungsaktionen durchgeführt, welche die Filmemacherin Vanessa Schlesier begleitet hat. Die Initiative habe den Austausch zwischen der Zivilgesellschaft in Afghanistan und den Politikern und Politikerinnen in Deutschland gestärkt und somit etwas Neues geschaffen, sagt Schlesier in SWR2.

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Rettungsaktionen jetzt noch gefährlicher

„Die Zivilgesellschaft wird jetzt generell mehr eingebunden“, sagt die FIlmemacherin Vanessa Schlesier. Der Initiative sei es gelungen, mehr als 2000 Menschen aus Kabul zu evakuieren und ihnen somit ihr Leben zu retten.

Grundsätzlich seien die Evakuierungen aber nach wie vor gefährlich, betont die Filmemacherin. Weil die Taliban die Sicherheitsvorkehrungen im Land verstärkt hätten, seien die Rettungsaktionen seit Beginn des Ukraine-Kriegs noch gefährlicher geworden.

Lokale Mitarbeiter*innen gefährdeter als ausländische

Dabei seien lokale Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Luftbrücke in Afghanistan aber gefährdeter als die westlichen Helfenden, da die Taliban letztere anders behandele als die eigene Bevölkerung.

„Die Taliban sind noch immer auf den Westen angewiesen, sie hoffen auf Beziehungen und Anerkennung“, so Schlesier. Aber auch für die westlichen Aktivist*innen der Luftbrücke habe sich die Situation im Laufe des Jahres zugespitzt.

Forum Raus aus Afghanistan – Kein Verlass auf den Westen?

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Daniel Böhm, Journalist und Autor, Berlin und Beirut
Dr. Andrew Denison, transatlatic-networks, Königswinter
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Gespräch Warum die Regierungsarmee in Afghanistan kaum Widerstand gegen die Taliban leistete

Es sei keine Überraschung, dass die afghanischen Sicherheitskräfte den Taliban kaum Widerstand geleistet hätten, so der österreichisch-afghanische Autor Emran Feroz in SWR2. Während der vergangenen Jahre hätten sich viele junge Männer im Kampf für korrupte Eliten und Militärs in Kabul geopfert. Die Masse der Soldaten sei letztlich von der Regierung als "Kanonenfutter" eingesetzt worden und demoralisiert gewesen, so Feroz.  mehr...

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Gespräch Nach dem Ende der Luftbrücke nach Afghanistan: 6.500 ehemalige Ortskräfte hoffen weiter auf Hilfe

Unverändert gefährlich sei die Lage für ehemalige Ortskräfte der Bundeswehr in Afghanistan, sagt Bundeswehr-Reservist Lukas Wehner vom Patenschaftsnetzwerk Afghanische Ortskräfte e.V. in SWR2. Neben Hinweisen auf die Ermordung solcher Hilfskräfte durch die Taliban gebe es inzwischen auch erste unbestätigte Hinweise, dass ehemalige Mitarbeiter der Bundeswehr entführt würden.  mehr...

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Militär Trauma Afghanistan – Bundeswehr-Soldaten nach dem Einsatz

Viele Afghanistan-Rückkehrer fühlen sich vom Bundeswehr-Einsatz psychisch belastet und zu wenig unterstützt. Bei manchen triggert der Ukraine-Krieg traumatische Erinnerungen.  mehr...

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SWR2 Forum Taliban erobern Afghanistan – Wohin mit den Flüchtlingen?

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Peter Hornung, Korrespondent ARD-Studio Südasien
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Tagesgespräch Grünen-Politiker Nouripour: „Wir haben das erste Mal in der Geschichte eine Terror-Organisation mit einer Luftwaffe“

Die Berichte über brutales Vorgehen der Taliban gegen ihre Kritiker häufen sich. Mindestens vier Demonstrierende seien dabei getötet worden, sagt das UNO-Menschenrechtsbüro in Genf. Unterdessen wird im Westen diskutiert, wie mit der Taliban-Regierung umgegangen werden soll. Der Grünen-Außenpolitiker Omid Nouripour sagte im Gespräch mit SWR2 Aktuell-Moderatorin Constance Schirra, das Regime in Kabul dürfe auf keinen Fall Geld aus dem Ausland bekommen. "Die Taliban haben in der Schlacht um das Pandschir-Tal bewaffnete Drohnen eingesetzt. Die haben Flugzeuge am Boden – wenn sie Geld haben für Leute, die die warten und tanken, dann werden sie auch fliegen. Wir haben das erste Mal in der Geschichte eine Terror-Organisation mit einer Luftwaffe. Wollen wir denen wirklich Geld geben? Ich glaube, das ist keine gute Idee", argumentierte Nouripour. Aktuell müsse man mit den Taliban sprechen und mit ihnen zusammenarbeiten wie mit Geiselnehmern, sagte er weiter, um noch mehr Leute aus Afghanistan herauszuholen. "Die Taliban wollen das Land wieder in die 1990er Jahre zurückversetzen, als die Frauenrechte nicht gegolten haben und die Menschenrechte mit Füßen getreten wurden". Was Omid Nouripour vorschlägt, um eigentlich eingeplante Hilfsgelder doch noch zum Wohle der Afghaninnen und Afghanen zu verwenden, hören Sie im Interview.  mehr...

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