Michael Kötz über sein vorletztes Filmfestival Mannheim-Heidelberg "Wir pfeifen quasi aus dem letzten Loch"

Es klingt nach einem Abschied mit Bitternis. Der langjährige Festivalleiter Michael Kötz veranstaltet das traditionsreiche Filmfest Mannheim-Heidelberg zum vorletzten Mal. Die Zukunft des Festivals macht ihm große Sorgen. Mit guten Beziehungen allein ließen sich die Finanzierungsprobleme des Festivals auf Dauer nicht beheben. Doch Kötz lässt in SWR2 durchblicken: An Veränderungswillen in den Partnerstädten glaubt er nicht so recht.

"Filmfestival bräuchte viel mehr Geld, um konkurrenzfähig zu sein"

Michael Kötz redet um die Probleme nicht lange herum. "Im Grunde bräuchte das Filmfestival Mannheim-Heidelberg viel mehr Geld, um konkurrenzfähig zu sein", so der Festivalleiter. Aber: "Das ist ein bisschen schwierig, weil Mannheim und Heidelberg keine Filmstädte sind. Da gibt es keine Lobbys. Da gibt es niemanden außer dem Direktor, der der Politik sagt: Ich brauche mehr Geld. Und die sagen dann: Na, das kann ja jeder sagen."

"Ich habe nicht das Gefühl, dass da wahnsinnig viel getan wurde."

An den Problemen wirklich etwas zu ändern - diesen Willen vermisst Kötz in den traditionellen Partnerstädten. In München, Hamburg und Berlin gebe es große Produktionsgesellschaften, Filmförderer und Fernsehschaffende, die solche Veranstaltungen als Schaufenster betrachteten. Sein Fazit mit Blick auf Mannheim und Heidelberg kurz vor seinem Abschied: "Ich habe nicht das Gefühl, dass da wahnsinnig viel getan wurde." Er hoffe, dass er sich darin täusche.

"Wir pfeifen da quasi aus dem letzten Loch"

Ein möglicher Nachfolger für seine Aufgabe sei auf gute äußere Voraussetzungen angewiesen: "Man braucht im Grunde jemanden, der sich international auskennt. Wir pfeifen da quasi aus dem letzten Loch, was das Geld anbetrifft - alles kompensiert durch Fachwissen und Beziehungen über Jahrzehnte."

Vor einem allerdings warnt Michael Kötz: das Profil des Festivals zu ändern. Ganz auf Newcomer-Filme zu setzen, sei zwar "hochriskant" gewesen, erinnert sich der Festivalleiter. Doch heute sei dies das Erkennungsmerkmal von Mannheim und Heidelberg weltweit - im Vergleich zu "einem dieser Filmfeste, von denen es wirklich tausende gibt."

"Jeder Festivalfilm hat im Schnitt 1.000 Zuschauer"

"Jetzt verkaufen wir 45.000 Tickets", so Kötz. "Ich habe mal ausgerechnet: Im Schnitt hat jeder unserer Filme 1.000 Zuschauer - auch der eines unbekannten bulgarischen Regisseurs. Das gibt es, glaube ich, auf keinem anderen Festival."

So bleibt ein Abschied nicht ohne Wehmut. "Im Grunde haben wir zu dem Festival ein Verhältnis wie zu einem Kind, das man großgezogen hat", sagt er über sich und seine Mitstreiter. "Man kann sich schlecht vorstellen, dass da jemand anderer verantwortlich sein soll, fühlt sich auch verantwortlich für alles, aber es nützt nichts".

2019 ist Schluss

Von vornherein habe er mit der Stadt Mannheim einen Dreijahresvertrag vereinbart, 2019 sei Schluss. Sein zweites Festival auf der Ludwigshafener Parkinsel werde "immer riesiger und riesiger", so Kötz. "Zwei Festivals kann man einfach nicht machen - auch wenn es einem schwerfällt".

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