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„Mein fremdes Land“: Kino-Doku über die Suche nach den eigenen Wurzeln

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Wo komme ich her? Warum sehen ich anders aus? Diese Fragen beschäftigten Manuel Sosnowski, aufgewachsen bei Adoptiveltern in Mössingen auf der Schwäbischen Alb, zeitlebens. Also machte er sich in Bolivien auf die Suche nach seiner leiblichen Mutter. Begleitet haben ihn dabei Johannes Preuss und Marius Brüning, beides Absolventen der Ludwigsburger Filmakademie, das Ergebnis ist der berührende Film „Mein fremdes Land". Die SWR-Koproduktion kommt nun in die Kinos.

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Aus Hosé Noé wurde Manuel

Manuel Sosnowski wuchs bei Adoptiveltern im schwäbischen Mössingen auf, studierte an der Filmakademie Ludwigsburg und arbeitet bei einer Stuttgarter Filmproduktionsfirma. Einblick in seine Adoptionsunterlagen nahm er erst mit 27. Einerseits, weil er für ein Filmprojekt über die Lebensbedingungen in Bolivien recherchiert hat, andererseits wollte er endlich Antworten auf Fragen finden, die ihn immer schon beschäftigt haben.

Filmstill (Foto: DOKBLICK)
Als Kind will Manuel nichts von seiner Herkunft wissen. Fotos aus dem Heim in Bolivien dreht er um. „Tatsächlich haben wir noch nie richtig über das Thema gesprochen“, sagt er heute. Die einzigen Hinweise auf seine Herkunft liegen in einem Aktenordner. In kryptischer Behördensprache verfasste Zeilen zeichnen ein lückenhaftes, widersprüchliches Bild. DOKBLICK

Spurensuche im Internet

Manuel Sosnowski sucht mit seinem Vater im Internet und stößt auf die Koordinaten des Ortes Yawisla-Potosi auf dem Hochplateau der Zentralanden. Eine steppenhafte, karge Region, die für die rücksichtslose Ausbeutung von Silber bekannt ist. Dort irgendwo muss seine leibliche Mutter leben. Zusammen mit einem Kamerateam und Diego, den er vom Studium her kennt und der ihn bei der Recherche unterstützt, macht er sich auf nach Bolivien.

Reise nach Bolivien

Manuel und Diego beginnen die Spurensuche in La Paz und sie finden heraus, wo Manuels Mutter lebt. Zusammen mit einer Übersetzerin, die die Sprache Ketschua versteht, beginnt die abenteuerliche Reise ins Hochland. Während der Fahrt ist Manuel angespannt und hat Angst: wie wird die Mutter reagieren? Die Zweifel verfliegen bei der Ankunft. Mutter und Sohn fallen sich in die Arme. Drei Tage lang bleibt Manuel bei seiner Mutter, die in einer verfallenen Lehmhütte allein mit ihrem Enkel Louis wohnt und sich mit ein paar Ziegen über Wasser hält.

Filmstill (Foto: DOKBLICK)
In einem abgelegenen Bergdorf in Bolivien kommt das vierte Kind einer Ziegenhirtin in einer Lehmhütte zur Welt. Seine Überlebenschancen sind gering, doch nach einigen Monaten nimmt ihn eine Adoptivfamilie in Deutschland auf. Aus José Noé Estrada wird Manuel Phillip Sosnowski. DOKBLICK

Zwei Mütter in zwei Welten

Für Manuel Sosnowski hat sich mit dem persönlichen und berührenden Dokumentarfilm „Mein fremdes Land“ endlich ein Kreis geschlossen. Er ist überglücklich, dass er Antwort auf die Frage nach seiner Herkunft gefunden hat und er weiß jetzt auch viel mehr zu schätzen, wie privilegiert es ist, in einem Land leben zu dürfen, das einem alle Möglichkeiten bietet. Er sagt heute über seine zwei Mütter: „Wo ich nach Hause kam, habe ich gesagt, ich bin unglaublich dankbar, weil nicht jeder kann von sich sagen, dass er zwei Mütter hat, die einen lieben und immer für einen da sind, dieses Gefühl fand ich super schön.“

Beitrag aus Kunscht!

Baden-Württembergischer Filmpreis

2021 gewann „Mein fremdes Land“ den Baden-Württembergischen Filmpreis in der Kategorie Dokumentarfilm.

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