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„Matrix 4: Resurrections“ – Alte Story neu aufgekocht

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Hartwig Tegeler

Lana Waschowski hat einen vierten Teil der Matrix-Reihe mit dem Titel „The Matrix Resurrections“ gedreht. Doch was hier „wiederaufersteht“, ist im Grunde nur die alte Story, nicht ästhetisch innovativ, sondern aufgekocht und mit einer Tendenz zum Kitsch.

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Der erste Teil der Matrix-Reihe war cool, intensiv und clever

1999 kam der erste „Matrix“ in die Kinos, ein Film, dem die Quadratur des Kreises gelang: Es brachte nicht nur Action-Fans zum Staunen, sondern auch Philosophen, die gerne darüber nachdenken, was denn die Realität und was die Fiktion ist. Kurzum: „Matrix“ von den Waschowski-Geschwistern, mit Keanu Reeves als Weltenretter Neo war cool, intensiv und clever und wurde zum Kult-Klassiker.

Am Ende von Teil 3 der Trilogie stirbt Neo. Der Held, Keanu Reeves, hat die Menschheit vor der Macht der Maschinen gerettet. Man sollte für die Endlichkeit eines toten Helden oder einer Heldin jedoch nie die Hand ins Feuer legen, wenn ein Film sich ein solches Dialog-Ende erlaubt:

Die Wiederkehr des Bekannten

Kurzum: „Matrix Resurrections“ – Teil 4 – ist die Wiederkehr des Bekannten in Varianten. Der Hacker Neo erfährt, dass seine Realität nicht das Jahr 1999, sondern eine postapokalyptische Welt des 23. Jahrhunderts ist. Die Welt, in der Neo zu leben glaubt, ist eine Simulation.

Neo und der Großteil der Menschheit sind Sklaven in einer computergenerierten Traumwelt, der „Matrix“. „Matrix“, der erste Teil von 1999, hatte etwas Prophetisches, was unsere Angst betraf vor der Macht der Maschinen, der KIs, den Algorithmen, auch, wenn wir sie damals noch nicht so selbstverständlich benannten. Das alles wird in „Matrix 4“ noch einmal Thema.

Keanu Reeves, Carrie-Anne Moss, The Matrix Resurrections (2021) (Foto: IMAGO, Murray Close / Warner Bros. / The Hollywood Archive)
Alles bereits Bekannte wird im vierten Teil der Reihe noch einmal Thema. Murray Close / Warner Bros. / The Hollywood Archive

Einige bekannte und viele neue Gesichter

Lana Wachowski spielt hier sogar Szenen aus der alten Trilogie ein, wenn der wiederauferstandene Neo sich vage erinnert an das, was einst wurde. Immer sucht er nach seiner Identität, seiner Bestimmung als der Retter und Messias, als der er uns ja verkauft wurde. Keanu Reeves ist natürlich älter geworden, Carrie-Anne Moss als seine große Liebe Trinity ebenso; ansonsten gibt’s einige bekannte und eine Menge neuer Gesichter.

Unter anderen Max Riemelt, der ein, zwei Sätze sagen darf. Und einen wunderbaren Neil Patrick Harris, den Star aus der Sitcom „How I Met Your Mother“, hier in einer herrlichen Mischung aus Therapeut und Haupt-Bösewicht.

Neil-Patrick Harris  (Foto: IMAGO, imago images/Prod.DB)
Neil-Patrick Harris wurde als „Barney Stinson“ in der Serie „How I met your mother“ weltberühmt. Im neuen Matrix-Teil mimt er den Bösewicht. imago images/Prod.DB

Monumentale Kitsch-Pointe

Dann wird mächtig geballert und choreographisch vollendet gekämpft – was aber alles irgendwie zitiert wirkt aus den ersten drei Teilen der Trilogie. Nicht ästhetisch innovativ, sondern aufgekocht. Doch dann die Überraschung: „Matrix 4“ beweist einmal mehr, dass das Kino im Kern ja nur von zwei Themen handelt: von der der Liebe und vom Tod. Kitschig bis in die Knochen – War Neo das schon immer? Ja!

Was nun, in Teil 4, aber nicht mehr zählt. Die Macht der KIs und Algorithmen kann in „Matrix Resurrections“ – was für eine monumentale Kitsch-Pointe - nur die gelingende Liebe zwischen Neo und Trinity besiegen.

Neo (Keanu Reeves) und Trinity (Carrie-Anne Moss) (Foto: IMAGO, imago images/Prod.DB)
Die Liebe zwischen Neo (Keanu Reeves) und Trinity (Carrie-Anne Moss) steht im Zentrum der Handlung. imago images/Prod.DB

Die alte Story wird noch einmal erzählt

Noch mal erinnert: Bei seinem Tod am Ende der Matrix-Trilogie wurde Neo datentechnisch „überschrieben“. Lana Wachowski hat nun in „Matrix Resurrections“ die alte Trilogie in einem wesentlichen Teil auch überschrieben.

Der Clou des neuen Films: Sie gendert die Story. Neos Name ist ein Akronym für „one“. Er wurde auch als „Der Eine“, also der Messias, begriffen. Im Englischen bedeutet „the one“ aber nicht nur der Eine, sondern auch … na?

Geschickt, ja, aber eben in unendlichen Erinnerungs- und Zitier-Schleifen erzählt „Matrix Resurrections“ die alte Story noch einmal, allerdings ohne die Gesellschafts- und Technologie-Kritik, die „Matrix 1“ so spannend machte.

Der Trailer zu „Matrix 4: Resurrections“:

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Zum Film: https://www.arte.tv/de/videos/096858-000-A/das-haus/

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