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„Matthias & Maxime“ von Xavier Dolan: Ein Kuss, der alles verändert

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Obwohl der neue Film des Franko-Kanadiers Xavier Dolan auch ein Coming-out-Drama ist, geht es hier nicht um die soziale Akzeptanz gleichgeschlechtlichen Begehrens, sondern um die vertraute Dynamik einer jahrzehntelangen Freundschaft, die in einem Augenblick auf den Kopf gestellt wird, in dem das Leben der Beiden auch aus anderen Gründen vor einem Wendepunkt steht. Das einstige Regie-Wunderkind Delon wird mit diesem Film erwachsener. „Matthias & Maxime“ kommt am 29. Juli 2021 in die Kinos.

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Konträre Lebensentwürfe

Seit ihrer Kindheit sind Matthias und Maxime beste Freunde. Matthias hat einem festen Job in der Kanzlei seines Vaters, steht kurz vor der Hochzeit mit seiner Freundin und dem Beginn einer etablierten bürgerlichen Existenz. Maxime dagegen bietet sich die Chance auf ein neues Leben auf einem anderen Kontinent, in Australien.

Nur ein Kuss...

Doch dann tritt etwas höchst Unerwartetes in beider Leben und stellt sowohl ihre Gefühle als auch ihre bisherigen Pläne auf den Kopf: Eine gemeinsame Freundin, ambitionierte Filmstudentin, dreht einen Kurzfilm und die beiden jungen Männer spielen mit. Überraschenderweise gehört dazu auch, dass sie einen Kuss austauschen müssen.

Der Trailer zum Film:

...aber alles verändert sich.

Von diesem Moment an, in dem sich die beiden besten Freunde zum ersten Mal küssen, steht eine emotionale Mauer zwischen ihnen. Tausendmal ist nichts passiert, aber jetzt ist alles anders. Beide sind in ihrer Männlichkeit und ihrem Begehren fundamental verunsichert. Sie gestehen sich das aber nicht ein.

Erst als Maximes Abreise ansteht brechen die ungelösten Spannungen aus. Dolan stellt die emotionalen Nachwirkungen des Kusses auf beide Männer detailliert und ausgewogen dar. Und kommt dabei wieder auf sein Kernthema: die Unangepasstheit des Individuums.

Akribisches Porträt des menschlichen Wesens

Es gibt nur sehr wenige Filmemacher in der zeitgenössischen Filmszene, die in der Lage sind, ein so zutiefst aufrichtiges und akribisches Porträt des menschlichen Wesens zu schaffen, wie es Xavier Dolan.

Der Regisseur selbst hat die Rolle von Maxime übernommen, der komplexesten Figur der Geschichte. „Matthias & Maxime" ist in vielen Aspekten viel zurückhaltender als andere Dolan-Filme. Man könnte auch sagen: Das einstige Regiewunderkind wird erwachsener.

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