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Vor einem Jahr starb die Schauspielerin Hannelore Elsner mit 76 Jahren an Brustkrebs. In ihrem letzten Film spielt sie eine Mutter, die an Krebs leidet und schließlich stirbt. Weil Elsner entkräftet absagen musste, bevor sie die letzten Szenen fertig spielen konnte, lag der Film eine Weile auf Eis. Bis die Idee aufkam, diese Szenen von fünf anderen großen deutschen Schauspielerinnen spielen zu lassen. Ein Film als Hommage.

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Suche nach einer Spenderniere

Rose Just hat Krebs, sie braucht eine Spenderniere. Ihren Lebensgefährten Werner hat sie schon gefragt, auch ihren Sohn Leon, der als Jazzmusiker in Paris lebt und den sie vergöttert. Ihre Tochter Nina ist ein Star, allerdings nur als Moderatorin bei einem 24h-Verkaufssender in München. Ihr hat sie nicht mal erzählt, dass sie krank ist. Das Verhältnis ist geprägt von einer so feinen Herablassung wie sie wohl nur zwischen Mutter und Tochter möglich ist.

Lang lebe die Königin von Richard Huber (Foto: ard-foto s1, BR/ARD Degeto/ORF/Neue Schönhauser Filmproduktion GmbH / Bernd Schuller)
Wegen ihrer schweren Erkrankung musste Hannelore Elsner die Dreharbeiten mit Marlene Morreis (Rolle: Nina Just) und Günther Maria Halmer (Rolle: Werner Wittich) im April vergangenen Jahres abbrechen. Fünf wichtige Szenen mit ihr fehlten, der Dreh wurde unterbrochen. ard-foto s1 BR/ARD Degeto/ORF/Neue Schönhauser Filmproduktion GmbH / Bernd Schuller Bild in Detailansicht öffnen
Neben Hannelore Hoger übernahmen noch vier weitere Schauspielkolleginnen Hannelore Elsners Rolle: Judy Winter, Iris Berben, Eva Mattes und Gisela Schneeberger. „Lang lebe die Königin“ ist der letzte Film der großen Schauspielerin Hannelore Elsner. Anlässlich ihres ersten Todestags kommt der Film am 29. April ins Erste. Bild: BR/ARD Degeto/ORF/Neue Schönhauser Filmproduktion GmbH/Hendrik Heiden Bild in Detailansicht öffnen
Im Mittelpunkt steht Nina Just (Marlene Morreis), die als Moderatorin beim Verkaufssender Kanal 50 ihr Geld verdient. ard-foto s1 BR/ARD Degeto/ORF/Neue Schönhauser Filmproduktion GmbH / Bernd Schuller Bild in Detailansicht öffnen
Zu ihrer Mutter Rose (hier: Gisela Schneeberger) hat Nina ein angespanntes Verhältnis. Rose wohnt mit ihrem Mann Werner (Günther Maria Halmer) in einem alten Bauernhaus vor den Toren Münchens. ard-foto s1 R/ARD Degeto/ORF/Neue Schönhauser Filmproduktion GmbH / Bernd Schuller Bild in Detailansicht öffnen
Egal was Nina auch tut, die Anerkenung ihrer Mutter Rose (hier: Iris Berben) bekommt sie nie. ard-foto s1 R/ARD Degeto/ORF/Neue Schönhauser Filmproduktion GmbH / Bernd Schuller Bild in Detailansicht öffnen
Als Rose (hier: Hannelore Elsner) überraschend bei Nina im Sender auftaucht, fühlt sie sich bloßgestellt. ard-foto s1 BR/ARD Degeto/ORF/Neue Schönhauser Filmproduktion GmbH / Bernd Schuller Bild in Detailansicht öffnen
Roses (hier: Hannelore Elsner) Krebserkrankung verschlimmert sich und sie ist auf eine Spenderniere angewiesen. Das stürzt auch Ninas Leben ins Chaos. ard-foto s1 BR/ARD Degeto/ORF/Neue Schönhauser Filmproduktion GmbH / Bernd Schuller Bild in Detailansicht öffnen
Während die Fronten zwischen Mutter und Tochter sich erhärten, sucht Rose (hier: Eva Mattes) häufig Trost bei ihrem Werner. ard-foto s1 R/ARD Degeto/ORF/Neue Schönhauser Filmproduktion GmbH / Bernd Schuller Bild in Detailansicht öffnen
Doch Nina und Rose (hier: Hannelore Hoger) kommen sich auch wieder näher. ard-foto s1 R/ARD Degeto/ORF/Neue Schönhauser Filmproduktion GmbH / Bernd Schuller Bild in Detailansicht öffnen
Durch eine Straßenpanne lernt Nina den charmanten Mike (Matthias Kelle) kennen. Die beiden werden ein Paar. ard-foto s1 R/ARD Degeto/ORF/Neue Schönhauser Filmproduktion GmbH / Bernd Schuller Bild in Detailansicht öffnen
Und obwohl sich Mike bei Rose (hier: Iris Berben) alle Mühe gibt, kann sie der Beziehung nicht viel Gutes abgewinnen. ard-foto s1 BR/ARD Degeto/ORF/Neue Schönhauser Filmproduktion GmbH / Bernd Schuller Bild in Detailansicht öffnen
Als Nina ihrer Mutter (hier: Judy Winter) von ihrer Schwangerschaft erzählt, kann die nur lachen. Sie glaubt ihrer eigenen Tochter nicht. ard-foto s1 BR/ARD Degeto/ORF/Neue Schönhauser Filmproduktion GmbH / Bernd Schuller Bild in Detailansicht öffnen

Film schwankt zwischen Trauerflor und Komödie

Wenn man Hannelore Elsner zum ersten Mal sieht in diesem Film, da wirkt sie schon ausgezehrt, fragil, dennoch immer noch mit diesem Strahlen um die Augen, mit dem sie ihren Figuren eine eisige Freundlichkeit verleihen konnte. Im Nachhinein liegt über all ihren Szenen ein gewisser Trauerflor, den der Film mit seinem komödiantischen Grundton etwas zu lüften vermag — unter anderem mit Schlagermusik aus den 60er Jahren.

Stiller Machtkampf im Angesicht des Todes

Er erzählt die Geschichte der letzten Monate von Nina und ihre Mutter Rose im Rückblick. Vor allem wie Nina versucht, sich von dem verkorksten Verhältnis zu befreien. Und nebenbei ihr Liebesleben zu sortieren. Kindisch und vergeblich wirkt der stille Machtkampf dieser beiden Frauen, gerade angesichts des nahen Todes, aber er bietet auch einige absurd komische Momente, in denen sich Marlene Morreis als Nina profilieren kann. Wie sie krampfhaft versucht, ihrer Mutter eine Schwangerschaft vorzuspielen. Oder wie diese spontan in die Live-Sendung ihrer Tochter hereinplatzt.

Hannelore Elsner dominiert diesen Film

Man muss nicht drumherum reden: Der Tod Hannelore Elsners gibt dem Film mehr Gewicht als er womöglich verträgt. Etwas aufgefangen wird es durch die wenigen Szenen, in denen Elsner von Hannelore Hoger, Iris Berben oder Gisela Schneeberger vertreten wird. Sie wirken erst einmal befremdlich, setzen sich aber irgendwann wie Facetten zusammen zu einer aufgefächerten Person, die eine allgemeingültigere Mutter-Tochter-Geschichte erzählen könnte. Bei der ziemlich lange wenig auf das versöhnliche Ende hindeutet.

Hommage der Kolleginnen

Als Hommage wollen Berben und Co ihren Einsatz verstanden wissen. Gegen die fast schon schmerzhafte Aura Elsners anspielen zu wollen, wäre auch vermessen. „Lang lebe die Königin“ ist das Fragment eines Familiendramas, verpackt als Unterhaltungsfilm. In erster Linie ist es aber ein Abschiedsspiel geworden für Hannelore Elsner, bei dem es weniger auf das Ergebnis ankommt als darauf, diese Ausnahmedarstellerin noch einmal strahlen zu lassen. Und das geschieht glücklicherweise mit möglichst wenig „sentimentalem Quatsch“.

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