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„Land der Träume“: Ein diffuser filmischer Alptraum von Shirin Neshat

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AUTOR/IN
Moritz Holfelder

„Erinnern Sie sich an Ihren letzten Traum?“: Auf einem surrealen Roadtrip durch ein zukünftiges Amerika sammelt eine junge Frau mit iranischen Wurzeln die Träume der Menschen für die autoritäre US-Regierung. Mit satirischem Scharfblick seziert die für ihre Fotoreihen („Women of Allah“) international vielbeachtete Künstlerin Shirin Neshat mit ihrem Co-Regisseur Shoja Azari in „Land of Dreams“ die Widersprüche der amerikanischen Gesellschaft. Neshat, 1957 im Iran geboren lebt und arbeitet seit langer Zeit in New York.

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Funktioniert der amerikanische Traum noch?

Das Drehbuch zu „Land der Träume“ hat der schon für den Surrealisten Luis Bunuel arbeitende Jean-Claude Carriere geschrieben, von ihm stammte etwa das Skript zu „Dieses obskure Objekt der Begierde“.

Die Erwartungen sind also hoch – im Sinne einer komplexen künstlerischen Auseinandersetzung mit den Grenzen zwischen Traum und Realität: Sind die USA überhaupt noch ein „Land of Dreams“? Gilt der amerikanische Traum von Freiheit, Demokratie und den Aufstiegschancen für alle eigentlich noch? 

Filmstill (Foto: w-Film)
In einer nahen Zukunft haben die Vereinigten Staaten ihre Außengrenzen abgeschottet. Das Zensus-Büro, die wichtigste Behörde der autoritären Regierung, entwickelt ein umfassendes Programm zum besseren Verständnis und zur Kontrolle der Bürger*innen: Es zeichnet ihre Träume auf. w-Film Bild in Detailansicht öffnen
Als Protokollantin oder sogenannte „Traumfängerin“ betätigt sich auch Simin (Sheila Vand). w-Film Bild in Detailansicht öffnen
Mit dem zynischen Bodyguard Alan (Matt Dillon) an ihrer Seite fährt sie durch den Mittleren Westen und sammelt die teils skurrilen Träume der Menschen. w-Film Bild in Detailansicht öffnen
Simin verarbeitet diese Begegnungen sowie ihr eigenes Trauma als iranische Migrantin, indem sie in die Rollen der Träumenden schlüpft, auf Farsi nachspielt und auf Social Media teilt. w-Film Bild in Detailansicht öffnen
Mit fortschreitender Zeit erahnt sie die perfiden Absichten des Zensus-Büros und lernt, dass die Grenze zwischen Traum und Realität oft verblüffend schmal ist. w-Film Bild in Detailansicht öffnen

Shirin Neshats Film verliert sich in erwartbaren Stereotypen

Shirin Neshats erster in Englisch gedrehter Spielfilm beginnt grandios, enttäuscht dann aber nach dem ersten Drittel zunehmend mit erwartbaren Stereotypen. Sie zeigt natürlich xenophobe rassistische evangelikale US-Bürger*innen und auch mal eine US-Kolonie rückständiger Exiliraner*innen. Neu ist das alles nicht, der Erkenntniswert geht gegen Null.

Die surrealen Oberflächenbildwelten, die Neshat in ikonischen Wüstenlandschaft entwirft, sind zwar schön anzuschauen, enthalten aber keine tieferen Wahrheiten über den aktuellen Zustand der USA. Der Soundtrack wabbert kunstvoll bedrohlich dazu, und das war's dann auch. Der Film endet als diffuser Alptraum – und das auch inhaltlich und formal.

 Trailer „Land der Träume“, ab 3.11. im Kino

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