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Es sei ein klarer Fehler der Regisseurin gewesen, nicht deutlich gemacht zu haben, dass in ihrem Film ganz Szenen nachinszeniert wurden, sagt SWR2 Filmkritiker Rüdiger Suchsland zur Debatte um Fake-Szenen im Doku-Film „Lovemobil“ von Elke Lehrenkrauss.

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Auf der anderen Seite seien diese Nachinszenierungen für das geübte Auge ziemlich deutlich erkennbar. Jede Person, die wisse wie ein Dokumentarfilm gemacht wird, wisse auch, „man kann manche Szenen nicht Eins-zu-Eins drehen“, so Suchsland.

Jeder Dokumentarfilm bildet nicht nur ab, sondern inszeniert

Schon aus filmisch-technischen Gründen gehöre Inszenierung zu jedem Dokumentarfilm dazu. Das werde vom NDR nicht hinreichend reflektiert, wenn es sich jetzt einfach von dem Film distanziere.

Der Sender — Mitproduzent bei „Lovemobil“ — hatte sich nach der aufflammenden Kontroverse um die nachinszenierten Szenen im Dokumentarfilm davon distanziert.

Grauzonen gibt es auch in der Realität

Die Vorstellung, der Dokumentarfilm sei in einem positivistischen Sinne immer wahr oder authentisch, sei immer schon falsch gewesen, erklärt Rüdiger Suchsland. Es gebe immer Grauzonen zwischen dem Dokumentarischen und dem Fiktiven.

Angesichts der Debatte um Fake News sei die Sehnsucht nach Eindeutigkeit verständlich. Allerdings sei die Realität nicht eindeutig, sondern oft grau in grau. „Gerade, wenn man Realität und Authentizität will, sollte man diese Grautöne als Teil der Realität akzeptieren“, meint Rüdiger Suchsland.

Debatte legt Klischees über Sex-Arbeit offen

Gerade diese Grauzonen könnten uns Zuschauer anregen, darüber nachzudenken, „was ist wahr, was ist authentisch“. In Wahrheit erzähle uns der Film „Lovemobil“ eine ganze Menge darüber, was für Klischees wir alle im Kopf haben.

„Lovemobil“ wurde unter anderem auch auf dem SWR Doku-Festival ausgezeichnet, der Sender prüft nun ob der Preis aberkannt werden muss.

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