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Die Amerikanerin Jean Seberg war Ikone der Nouvelle Vague und überzeugte Aktivistin für die afroamerikanische Bürgerrechtsbewegung. Damit geriet sie ins Visier des FBI, das ihren Ruf mit einer Schmutzkampagne zerstörte. Der Regisseur Benedict Andrews erzählt in seinem Biopic von dieser Hetzjagd. Kristen Stewart überzeugt in der Hauptrolle.

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Verbrennungen beim Filmdreh

Am Anfang des Films steht ein Flashback aus dem Jahr 1957: Flammen schlagen hoch, die erst 18-jährige Jean Seberg steht als Johanna von Orleans auf dem Scheiterhaufen und schreit gellend um Hilfe. Die Filmszene, bei deren Dreh sich die Schauspielerin echte Verbrennungen zuzog, wird zum Sinnbild für die Hexenjagd, deren Opfer Seberg später wird.

Film „Jean Seberg - Against all enemies“ von Benedict Andrews

"Jean Seberg - Against all Enemies" von Benedict Andrews (Foto: Pressestelle, ProKino)
Die Schauspielerin Jean Seberg (Kristen Stewart) kehrt im Jahr 1957 nach nur drei Filmen Hollywood den Rücken zu. Pressestelle ProKino Bild in Detailansicht öffnen
1968 will Regisseur Jean-Luc Godard sie unbedingt in der Hauptrolle in „Außer Atem“- Seberg willigt ein und reist dafür nach Frankreich. Pressestelle ProKino Bild in Detailansicht öffnen
Über Nacht steigt die Amerikanerin zum Weltstar auf. Sie plant sogar ein Comeback in Hollywood. Pressestelle ProKino Bild in Detailansicht öffnen
Abseits der großen Bühne hegt Seberg Sympathien für Menschen, die sich politisch engagieren. Sie freundet sich schließlich mit dem Black-Power-Aktivisten Hakim (Anthony Mackie) an. Pressestelle ProKino Bild in Detailansicht öffnen
Seberg bewundert die Aktivisten, die sich für das Ende des Vietnamkriegs einsetzen und stellt den Revoultionären für Veranstaltungen sogar ihre private Villa zur Verfügung. Pressestelle ProKino Bild in Detailansicht öffnen
Das FBI ist alarmiert und stellt Seberg und ihre Freunde unter Beobachtung. Pressestelle ProKino Bild in Detailansicht öffnen
Schon bald verfolgt Agent Jack Solomon (Jack O'Connell) jeden Schritt der Schauspielerin... Pressestelle ProKino Bild in Detailansicht öffnen

Mehr als die blonde Schönheit

Die eigentliche Filmhandlung setzt Mitte der 1960er ein. Nach ihrem großen Erfolg mit „Außer Atem“ ist Seberg, die mit Mann und Kind in Paris lebt, ein Star.

Jetzt will sie den Durchbruch in Hollywood schaffen. Doch auf die Rolle der blonden Schönen aus dem Mittleren Westen will sie sich nicht reduzieren lassen und beginnt, sich politisch zu engagieren. Sie verliebt sich in den schwarzen Bürgerrechtsaktivisten Hakim Jamal und spendet großzügig an dessen Organisation.

Im Visier des FBI

Wegen ihrer Kontakte zur Black Panther-Bewegung wird die Schauspielerin von einem pflichtbewussten FBI-Agenten überwacht. Er verwanzt ihre Wohnung und beschattet sie rund um die Uhr.

Als das FBI beginnt, Sebergs Ruf mit einer Schmutzkampagne zu zerstören, bekommt er moralische Zweifel, ob er wirklich auf der Seite der Guten steht.

Didaktischer Drehbuch-Schlenker

Regisseur Benedict Andrews konzentriert sich auf die Jahre zwischen 1965 und 1970 und erzählt seinen Film sowohl aus Sebergs Perspektive als auch aus der des fiktiven Agenten, der eine Läuterung durchmacht.

Diese Drehbucherfindung gibt der wahren Geschichte dieses tragischen Lebens etwas Didaktisches und unpassend Versöhnliches. Zudem lenken die Thrillerelemente mit all dem heimlichen Installieren von Wanzen von dem eigentlich viel interessanteren Psychogramm Jean Sebergs ab.

Kristen Stewart überzeugt als Jean Seberg

Andrews steckt Stewart zwar in jeder Szene in ein neues knallbuntes Minikleid. Ihr Innenleben setzt er dagegen nicht halb so spektakulär in Szene.

Das ist umso bedauerlicher, als Kristen Stewart wirklich verschmilzt mit der Rolle als Kämpferin für die gute Sache, als eine, die sich nicht kleinmachen lassen will und doch an der Situation zerbricht. Sebergs schleichender Zusammenbruch ist harter Stoff: Sie wird paranoid, unternimmt einen Selbstmordversuch und verliert nach einer Frühgeburt ihr Baby.

Fake News und Massenüberwachung

Der Film dockt die unglückliche Lebensgeschichte Sebergs an die aktuellen Debatten um Fake News und Massenüberwachung an, indem er zeigt, wie skrupellos der Geheimdienst unter Edgar Hoover schon in den 1960ern vorging.

Darüber hinaus weiß der Film mit seiner konkreten Geschichte allerdings wenig anzufangen. Seiner Protagonistin, die mit nur 40 Jahren unter ungeklärten Umständen starb, wird er nicht gerecht.

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