Kino Intrigo: Tod eines Autors nach Håkan Nesser

Filmkritik von Rüdiger Suchsland

Nach mehreren Fernsehverfilmungen kommt jetzt der erste Kinofilm nach einer Vorlage des schwedischen Thriller-Autors Håkan Nesser an den Start. Regisseur ist Daniel Alfredson, der die ersten "Millennium"-Filme nach Stieg Larsson gemacht hat. "Intrigo: Tod eines Autors" geht auf eine 20 Jahre alte Kurzgeschichte Nessers zurück. In den Hauptrollen: Benno Führmann und Ben Kingsley.

Lügen und Angeberei zweier Schriftsteller

Zwei Männer auf einer einsamen Insel. Ein Älterer, ein Jüngerer, in Konkurrenz vereint. Kalte Aggression und Rivalität dominieren. Ödipus lässt grüßen.

Die beiden Schriftsteller erzählen einander Geschichten. Beide haben ihre ganz eigene Agenda, die sich erst nach und nach vor den Augen des Anderen und damit vor dem Filmpublikum entfaltet.

Lügen und Angeberei durchziehen ihre Begegnung von Anfang an. Die Hauptfigur ist der Jüngere, David, gespielt vom Deutschen Benno Führmann, und kein sympathischer Charakter. Er ist ein unsicherer, verletzlicher Mann.

Mord ohne Leiche

So konnte er es nicht ertragen, dass Eva, seine ihm offenkundig überlegene Ehe-Frau, ihn vor ein paar Jahren für einen anderen verlassen hat. Weil das sein Selbstbild restlos erschüttert hätte, manipulierte er Evas Auto. Kurz darauf verschwand sie, und David vermutete, sie sei in den Alpen tödlich verunglückt. Doch eine Leiche wurde nie gefunden.

Eva (Tuva Novotny) mit David (Benno Führmann) (Foto: Filmverleih - 2018 Twentieth Century Fox)
Eva (Tuva Novotny) mit David (Benno Führmann) Filmverleih - 2018 Twentieth Century Fox

Ist die Ehefrau Eva doch noch am Leben?

Und genau das ist es vor allem, das David nun auf die Ägais-Insel Mardam treibt: Denn zufällig glaubt er, seine Frau bei einem Konzert erkannt zu haben. Daraus entsteht eine Idee Fixe, die zunehmend von David Besitz ergreift. Vielleicht lebt Eva noch? Hatte sie es irgendwie geschafft, zu verschwinden und ein neues Leben anzufangen? David will das herausfinden.

Ein Paranoia-Mystery-Thriller

Weltliterat Alex Henderson (Ben Kingsley) erhält Besuch von David (Benno Führmann). (Foto: Pressestelle, Filmverleih - 2018 Twentieth Century Fox)
Weltliterat Alex Henderson (Ben Kingsley) erhält Besuch von David (Benno Führmann). Dieser schreibt an einem Buch und möchte Alex' Rat. Pressestelle Filmverleih - 2018 Twentieth Century Fox

Sein Gegenüber, der von mysteriöser Rätselhaftigkeit umgebene Weltliterat Alex Henderson, bemerkt schnell, dass Davids eigener Schreibversuch autobiographisch motiviert ist.

Zugleich kommt es aber noch zu einer anderen Begegnung mit dem Totenreich: David übersetzt das letzte Manuskript eines anderen Autoren, der sich kurz zuvor umgebracht hatte. Bald bemerkt David, dass es mit dem Buch eine besondere Bewandtnis hat: Einige Wörter sind rot unterstrichen, anscheinend zusammenhanglos. Ein Code im Manuskript!

Intrigo. Tod eines Autors (Foto: Pressestelle, Filmverleih - 2018 Twentieth Century Fox)
Neben seinem eigenen Buch übersetzt David auch noch das letzte Manuskript eines anderen Autoren, der sich kurz zuvor umgebracht hatte. Bald bemerkt David in diesem Buch einen offensichtlichen Code. Pressestelle Filmverleih - 2018 Twentieth Century Fox

Dies ist ein Paranoia-Mystery-Thriller um drei Schriftsteller, drei Geschichten, drei Vermischungen von Leben und Kunst, Wahrheit und Fiktion, Parallelen zwischen dem Geschriebenen und der Wirklichkeit.

Klar ist: Es geht um Marketing

Ganz so mysteriös ist alles vielleicht aber gar nicht. Eher geht es um Marketing: Man nehme Håkan Nessers 20 Jahre alte Kurzgeschichten und fasse sie nach gemeinsamen Leitmotiven - in diesem Fall Schuld, Sühne und männliche Gewissensbisse - zusammen, nenne das Ganze "Intrigo", um vorzutäuschen, diese Filme hätten irgendeinen inneren Zusammenhang und lasse sie von Daniel Alfredson verfilmen, dem Regisseur, der seinerzeit die ersten "Millennium"-Filme drehte. Fertig ist der Welterfolg. Wenn das so einfach wäre.

Stargespickter, aber trotzdem langweiliger Film

In den bieder-illustrativen Bildern einer gehobenen Fernsehproduktion erzählt "Intrigo: Tod eines Autors" eine labyrinthische verschränkte Geschichte, die zudem durch viel zu viele Rückblicke und Tagträume unterbrochen wird. Ein mit Benno Führmann und Ben Kingsley stargespickter, trotzdem langweiliger Film. Am Ende bringt Regisseur Daniel Alfredson immerhin das Chaos der Erzählebenen halbwegs stimmig unter einen Hut.

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