Film

„Kabul Kinderheim“: Coming-of-Age Geschichte aus Afghanistan

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Rüdiger Suchsland

Der junge Qodrat ist großer Kinofan: Auf dem Schwarzmarkt in Kabul verkauft er überteuerte Tickets für Blockbusterfilme. Dies wird ihm zum Verhängnis als er von den Behörden aufgegriffen und in ein sowjetisches Kinderheim geschickt wird. Die als Dokumentarfilmerin bekannte Sharbanoo Sadat erzählt vor dem Hintergrund der politischen Unruhen im Afghanistan der 1980er Jahre eine Geschichte von Freundschaft und Solidarität.

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Fußball und Schach

Das Kinderheim in dem Qodrat landet ist zu gleichen Teilen Sicherheitsnetz und Schmelztiegel, ein Ort mit obligatorischem Russischunterricht, Sikh-Klassenkameraden, Kindern die argentinische Fußballtrikots tragen und für Maradona schwärmen, und nebenbei den sowjetischen Nationalsport Schach erlernen.

Reise nach Moskau

Einer der inhaltlichen wie visuellen Höhepunkte des Films ist die Reise des gesamten Waisenhauses nach Moskau, um dort in einem Pionier-Lager Zeit zu verbringen, und so für die kommunistische Ideologie gewonnen zu werden. Man besucht das Grabmal Lenins, erlebt dabei aber auch die Auswirkungen des zeitgleich stattfindenden Umbruchs durch Glasnot-Öffnung und Prestroijka-Reformen.

Filmstill (Foto: Wolf Films)
Ein Großteil des Films wurde im bewährten Arthouse-Realismus-Stil gedreht: Vieles hier ist halbimprovisiert, die Kinderdarsteller sind keine Profis, aber sie wissen sehr genau, was sie spielen. Wolf Films

Bollywood in Afghanistan

Ein Spielfilm aus Afghanistan, das ist schon für sich genommen etwas Außergewöhnliches und eine spannende Erfahrung. Aufregendes, ungewöhnliches Kino, das uns einen Einblick in eine ganz neue Welt verschafft, auch wenn diese in der Vergangenheit liegt. Denn Regisseurin Shabanoo Sadat zeigt ein multikulturelles Kabul, in dem popkulturelle Einflüsse aus Bollywood, der sowjetischen Besatzung und großem Hollywoodkino in einem überraschenden Miteinander zusammenkommen, Ende der 1980er Jahre war es Realität.

Trailer „Kinderheim Kabul“

Film York-Fabian Raabes Film „Borga“ bei Arte: Kleider machen Leute und Migration

Das ghanaische Wort „Borga“ hat seinen Ursprung in dem deutschen Wort Hamburg. Es bedeutet so viel wie „Der reiche Onkel aus dem Ausland“, also einer, der den Aufstieg aus der Armut geschafft hat und aus dem Ausland die Familie mit Geld unterstützt. Was sich hinter diesem Konzept alles an Schwierigkeiten verbirgt, zeigt der gleichnamige Film „Borga“. Beim diesjährigen Max-Ophüls-Festival war er mit vier Preisen der große Gewinner.  mehr...

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