STAND
AUTOR/IN

Kind, Heerführerin, Ketzerin, Engel der Geschichte: Bruno Dumont erzählt die Geschichte der Johanna von Orléans – dem Bauernkind, das zur Heiligen wurde – in zwei Teilen, eines davon als Musical.

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
6:00 Uhr
Sender
SWR2

Ein junges Mädchen in silbern schimmernder Rüstung mit Helm und Schwert, hoch zu Ross. Das ist das Bild, mit dem sich Jeanne d'Arc in die Geschichte eingeschrieben hat, seit fast 600 Jahren.

Film „Jeanne d'Arc“ und „Jeannette“ von Bruno Dumont

Jeanne d'Arc  Jeannette (Foto: Pressestelle, GrandFilm)
Frankreich, 1430: Die jugendliche Jeanne d'Arc (Lise Leplat Prudhomme) wird wegen ihrer göttlichen Eingebungen als Retterin Frankreichs verehrt. Pressestelle GrandFilm Bild in Detailansicht öffnen
Nach militärischen Erfolgen gegen die Engländer unterliegt sie mit der königlichen Armee in der Schlacht von Compiègne und fällt in Ungnade. Pressestelle GrandFilm Bild in Detailansicht öffnen
Infolgedessen fallen Getreue von Jeanne d'Arc ab, es werden Intrigen gegen sie gesponnen. Pressestelle GrandFilm Bild in Detailansicht öffnen
Vor einem Kirchengericht wird ihr schließlich der Prozess gemacht und sie wird als Ketzerin zum Tode verurteilt. Pressestelle GrandFilm Bild in Detailansicht öffnen
Ganz anders nähert sich der Film "Jeannette" der Kindheitsgeschichte von Jeanne d'Arc an. Regisseur Bruno Dumont inszeniert die Kindheit als Rock-Musical. Auch hier spielt Lise Leplat Prudhomme die Hauptrolle. Pressestelle GrandFilm Bild in Detailansicht öffnen
Bei den Dreharbeiten für das Musical kam Regisseur Bruno Dumont überhaupt erst auf die Idee, das Leben der Jeanne d'Arc auch als Spielfilm umzusetzen. Pressestelle GrandFilm Bild in Detailansicht öffnen

Vom Bauernmädchen zur Heerführerin

Im Zentrum steht das eigentlich Sensationelle der Geschichte der Johanna von Orleans: dass und wie es ihr überhaupt gelang, als einfaches Bauernmädchen zum König vorgelassen zu werden und das Kommando über die königlichen Truppen zu übernehmen.

Siegeszug im Hundertjährigen Krieg

Innerhalb eines Jahres gelang es ihr, in einem Siegeszug ohnegleichen das Kriegsgeschick im Hundertjährigen Krieg zwischen Frankreich und England im späten Mittelalter komplett zu wenden.

Jeanne d'Arc  Jeannette (Foto: Pressestelle, GrandFilm)
Nach militärischen Erfolgen gegen die Engländer unterliegt sie mit ihrer königlichen Armee nun in der Schlacht von Compiègne und fällt so in Ungnade. Pressestelle GrandFilm

Regisseur Bruno Dumont ergründet den Mythos Jeanne d´Arc

Von alldem gibt der französische Filmemacher Bruno Dumont seinen Zuschauern im Gegensatz zu den meisten anderen Johanna-von-Orléans-Verfilmungen zumindest eine Ahnung.

Das Kind Jeanette hat Visionen

Vor allem im ersten Teil. Jeanne ist da tatsächlich noch Jeannette, ein Kind, das mit anderen Kindern in der Natur spielt. Und dann hat sie Visionen und sie fühlt sich dazu berufen, Frankreich auf eigene Faust von den Engländern zu befreien – Gott selbst habe sie dazu erkoren, meint sie.

Musical mit liturgischer Rezitation und Heavy-Metal

Ebenso wichtig ist hier der Stil in dem Dumont erzählt: Dieser Film ist alles andere als ein naturalistisches Historienspiel. Erzählt wird die Geschichte als Musical, es klingt manchmal wie eine liturgische Rezitation und dann wieder wie Heavy-Metal.

Dauer

Zwei unabhängige Filme

Der Regisseur hat zwei Teile, eigentlich zwei unabhängige Filme gedreht. Der erste erzählt von der Kindheit der Johanna von Orleans. Der zweite dann vom gut katholischen Martyrium der heiligen Johanna und ihr Ende auf dem Scheiterhaufen.

Bruno Dumont verteidigt Jeanne d`Arc vor rechtsextremer Vereinnahmung

Dies ist ganz nebenbei auch ein Film, der sich gegen die nationalstolzgestopfte Identitätsrhetorik der rechtsextremen Marine Le Pens und ihrer Anhänger positioniert, die Jeanne D'Arc gern für sich vereinnahmen würden.

STAND
AUTOR/IN